Schneider, Caspar, Landschafts- und Portraitmaler von Mainz, der Sohn eines churfürstlich-mainzischen Leibgardisten, war da Schüler des Malers Hacklof, und bildete sich darnach durch eigenes Studium zu einer Stufe heran, auf welcher er zur Zeit seiner höchsten Blüthe als Meister ersten Ranges bezeichnet wurde. Der Churfürst Friedrich Carl von Mainz unterstützte das Talent dieses
Künstlers, und viele andere Fürsten ermunterten es durch zahl- reiche Aufträge, Selbst Napoleon lernte ihn schätzen und schmückte mehrere Gallerien und Gemächer mit Landschaften von Schneider. Seine Bilder sind sehr zahlreich, da der Künstler mit grossem Fleiß der Kunst oblag und ein hohes Alter erreichte. Sie be- stehen meistens in Rheinansichten, sowohl von Städten und klei- neren Ortschaften, als von anderen interessanten Punkten. Fast alle seine Gemälde sind den vaterländischen Gegenden entnommen, da der Künstler nur eine kleine Reise über die Grenzen Rhen- lands unternommen hatte, nämlich in die Schweiz , wo er Mehrere Zeichnungen fertigte, um darn einige in Gemälden auszuführen. Der Churfürst von Mainz wollte ihn auf seine Küsten nach Italien locken, Schneider lehnte aber diesen Antrag wegen Familien- verhältnissen ab. Seine Landschaften sind der Erguss eines warmen Gefühls für Schönheit der Natur und ihrer Formen. Es schliesst sich in seinen Bildern Alles auf harmonische Weise ab, in wohl- berechneter Wirkung. Seine Färbung ist jene der ihn umgebenden Natur, von grosser Wärme und Klarheit und von einer Verschmel- zung der Töne, welche höchst wohlthätig auf den Beschauer wirkt. Dabei aber sind seine Landschaften nicht als reine, fleissig und meisterhaft vollendete Veduten zu betrachten, sie sind auch be- deutsam durch die Staffage, sei es, dass er Figuren oder Thiere anbrachte, oder den Wohnort der Menschen zur Hauptsache machte. Seine Compositionen sind reich, ohne Ueberladung und meistens aus der Natur geschöpft. Man kann ihm keine Vergleichung von Werken grosser Meister nachweisen, wenn auch seine Fernen das Delikat eines Saftleven haben, und seine vorzüglichsten Bilder den schönsten Gemälden der niederländischen Schule gleichkommen.
Dann malte Schneider auch treffliche Porträts, die sich durch Lebendigkeit des Ausdrucks und durch Wärme und Frische des Colorits auszeichnen. Die Stoffe und verschiedenen Beiwerke sind meisterhaft behandelt. Uebrigens malte Schneider Blumen- und Fruchtstücke, durch Frische der Farben und durch zarte Voll- endung ausgezeichnet. Caspar Schneider starb 1830 im 85. Jahre. Der unten folgende Georg Schneider ist der Bruder dieses Künst- lers, der zur Unterscheidung von demselben der ältere genannt wurde.
Einige Werke dieses Künstlers sind gestochen, darunter be- sonders zwei sehr grosse Aquatinta-Blätter von C. Kuntz zu nennen sind: die Ruinen der Liebfrauenkirche in Mainz nach der Belage- rung 1703 und die Ruinen des Doms und Leihthaufes in Mainz nach der Belagerung im Jahre 1793. J. G. Reinheimer stach nach ihm die Ansicht der Stadt Mainz vor der Belagerung. P. Rücker stach nach ihm die Ansichten von Mainz, Coblenz, Hochheim, Aschaffenburg, Schaffhausen, Lausanne, dann viele kleinere Rhein- und Schweizeransichten, grösstentheils schön gearbeitete Blätter.
Im Winkler'schen Cataloge werden dem Künstler selbst vier radirte Blätter beigelegt, er wird aber da irrig ein Schweizer genannt.
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