Schmutzer » Jakob Matthias, Zeichner und Kupferstecher

Schmutzer » Jakob Matthias, Zeichner und Kupferstecher , geb. zu Wien 1733, war nach dem frühen Tode seines Vaters Andreas fremder Hülfe hingegeben, und fand diese an dem Fürsten Wenzel

*) Wenn Rost, Meusel u. a. ihn zum Viehhirten und zum Flei- scherjungen machen, so verwechseln sie ihn wahrscheinlich mit dem Düsseldorfer Schmitz.

Schmutzer, Jakob Mathias. Figuren erhielt, In Paris: vollendete Schmutzer auch das Bildniss des Fürsten von Kaunitz, und jenes des Malers Dietrich; stach er für Wille. Dann entstanden in Paris auch jene drei Blätter, die unter dem Namen: Le Goute Flamand, nach Tilburg, der Sa- voyardin mit dem Knaben, nach Greuze, und des Resselflickers nach Kraus bekannt sind. Im Jahre 1766 wurde er endlich als Hofkupferstecher nach Wien berufen, und bald darnach zum akademi- schen Rath ernannt. Im Jahre 1771 erhielt er die Stelle eines Ober-Direktors aller erbländischen Normalzeichnungs schulen, als welcher er auf die edlen Gewerbe und auf die Kunstindustrie einen bedeutenden Einfluss übte. Er versah die Anstalten mit Mu- sterzeichnungen, theils nach eigener Composition, theils nach Bou- cher, Vanloo, Pierre, u. a. Selbst nach St. Petersburg wurden 404 solcher Musterblätter von ihm verlangt. Dann belehrte Schmu- tzer auch die anzustellenden Professoren und Lehrer theoretisch und praktisch, so dass der Künstler das Bewusstsein hatte, nach allen Kräften zum Flore des vaterländischen Kunstfleisses beigetra- gen zu haben. Im Jahre 1771 wurde er Direktor der Classe der Kupferstecherei an der vereinigten k. k. Akademie, mit der Ver- pflichtung des wechselseitigen Unterrichts im Zeichnen, welcher er aber später wieder entsagte, um sich ununterbrochen seiner Kunst widmen zu können. Jetzt wählte er vornehmlich die Werke eines Rubens zur Reproduktion, dessen kühne Behandlung ihm am mei- sten zusagte. Diese Blätter nach Rubens gehören zu den Haupt- werken des Meisters, an die sich aber noch mehrere andere an- reihen, welche nicht minder trefflich sind. Über die Verdienste Schmutzer's handelt Longhi (Chalcogra- phia, deutsch von C. Barth, Hildburghausen 1837, S. 187), am gründlichsten. Da lesen wir, »wie Schmutzer's Mitschüler Berwic, so war auch er Bewunderer des schönen Stiches seines Meisters Wille, stand ihm ganz nahe, wo er ihn nicht gänzlich einholte, »und wendete alle Sorgfalt an, diese Stichart geltend zu machen. Die beiden von ihm nach Rubens gestochenen Blätter, Mutius Scävola vor Porsenna, und St. Ambrosius, der den Theodosius den Eintritt in den Tempel verweigert, sind mit Recht die von Kennern geschätztesten seiner Arbeiten. Auch die Geburt der Ve- nus ist geschätzt; aber in dieser sind einige Partien besser, als an- dere weniger gute, alle aber zeigen deutlich seine ausserordentli- che Sicherheit im Gebrauche des Stichels. Die Formen sind sehr gut verstanden, das Helldunkel ist kräftig gehalten, und er beob- achtete die Manier des Malers. Dennoch würde der junge Kupfer- stecher sich für sein gutes Fortkommen übel vorsehen, wenn er ausschliesslich diese Stichart studiren wollte; denn wenn er auch durch natürliche Anlage und emsige Übung dahin gelangte, es ebenso zu machen, so würde seine Arbeit doch überall zu glän- zend und zu schwer herauskommen. Für Uebertragungen der Ge- mälde des Rubens schickt sich zwar die von Schmutzer angewen- dete Methode ziemlich, aber sie würde für klassisch-italienische Gemälde unerträglich erscheinen. Doch kann es solchen jungen Stechern, die von Natur kalt und mühselig, sich fürchten, eine kühne Bewegung zu wagen, immer von Nutzen seyn, wenn sie diejenigen seiner Werke zu Rathe ziehen, wo es ihm gut gelang, aber nicht ausschliesslich zum Muster nehmen, weil sie leicht über den vielen Schönheiten, im Stich und Malerischen, die er in vielen seiner Arbeiten zeigt, und die eine wohlverdiente Stelle un- ter den vorzüglichsten Stechern anweisen, in seinen stehenden Fehler verfallen könnten. Er bildete sich einen, von dem seines Meisters und seiner vielen Mitschüler ganz verschiedenen Styl, der,

  1. Kaiser Franz I., halbe Figur, nach Liotard, 1769, gr. fol.

  2. Die Kaiserin Maria Theresia, Imperatrix vidua etc., halbe Figur, nach du Greux, gr. fol.

  3. Dieselbe Kaiserin, Medaillon mit Beiwerken, fol.

  4. J. de Zapolya, König von Ungarn, sitzend, 4.

  5. Prinz Eugen zu Prierä, von allegorischen Figuren umgeben, nach J. Götz, gr. fol.

  6. Prinz Johann Wenzel von Lichtenstein, nach Fanti, fol.

  7. Fürst Wenzel Kaunitz, k. k. Staatsminister; Kniestück nach L. Tocqué, Paris 1764, eines der ersten Grabstichelblätter, in Wien begonnen und in Paris vollendet, fol.

I. Vor der Schrift. II. Mit der Schrift. 8) Prinz W. v. Kaunitz, Staatsminister, nach einem Basrelief in Bronze von Hagenauer, 1786 mit bewunderungswürdiger Kühnheit gestochen, und selten zu finden, weil es nicht verkauft wurde. Rund, gr. fol. II. Vor der Schrift. Sehr selten. II. Mit derselben. 9) Prinz W. v. Kaunitz, stehend im Kniestück am Tische, nach J. Steiner, schön gestochenes Blatt, gr. fol. I. Vor dem Namen des Malers Steiner. II. Mit der Schrift. 10) General Don Emanuel Desvalls, in einem Alter von 103 Jahren, von Schmutzer selbst nach dem Leben gezeichnet, 4. 11) Gustav Georg König von Königsthal, 1759, fol. 12) Joseph von Sonnenfels, nach Messner, 1770, 8. 13) Raphael Donner, nach P. Troger, 1772, 8. 14) Derselbe, radirt u. verschieden von dem Stiche nach Troger, kl. 8. Selten. 15) M. v. Meytens, halbe Figur, nach diesem, eines der frühesten Blätter des Meisters, 1750. 16) Der Maler C. W. Dietrich, halbe Figur vor dem Tische, nach dem Gemälde desselben für Wille gestochen, das letzte in Paris ausgeführte Blatt, fol. 17) Franz Edmund Weiroutter, Medaillon auf landschaftlichem Grunde, fol. 18) Frau von Baden, eines der ersten Grabstichelblätter, vor seiner Abreise nach Paris gestochen. 19) Die Frau des P. P. S., sitzend, nach Rubens, fol. I. Vor aller Schrift. II. Mit der Schrift.

  1. Christus am Kreuze, fol.

  2. Wahre Abbildung des Kreuzes Christi im Gotteshause der Väter des Ordens der Dreifaltigkeit, gr. fol.

  3. Der ungläubige Thomas vor Christus; nach Rubens, für das Musée français gestochen, fol. I. Im ersten Drucke vor aller Schrift, II. Mit der Schrift.

  4. Die hl. Magdalena, nach G. Reni, fol. I. Bei Weigel ein Probedruck vor der Schrift 2 Thl. II. Mit der Schrift.

  5. St. Sebastian, nach P. da Cortona's Bild aus der Samml. des Baron Kettler, fol. Sehr selten.

  6. Diese beiden Blätter gehören zu Schmutzer's früheren Ar- beiten in Stichmanier, vor seiner Abreise nach Paris ge- stochen;

  7. St. Johann von Nepomuk in das Wasser gestürzt, nach A. Maulpertsch, fol.

  8. Johann von Nepomuk in der Glorie von dem Volke verehrt, nach demselben, fol.

  9. Der selige Pater Simon de Rokas, J. Schmutzer inv. et f. et a. Sehr selten, fol.

  10. St. Romualdus, fol.

  11. St. Modestinus, fol.

  12. Mauritius Scävola in Porsenna's Zelt, nach Rubens' Gemälde in der k. k. Kaunitz'schen Gallerie, jetzt in jener von Ester- hazy, 1776 meisterhaft gestochen, und eines der Haupt- blätter des Meisters, gr. fol. I. Vor der Schrift. II. Mit der Dedieation an den Fürsten Kaunitz.

  13. St. Ambros verweigert dem Kaiser Theodosius den Eintritt in die Kirche zu Mailand, nach dem Bilde Rubens' in der Wiener Gallerie, und ein Hauptblatt, 1784, gr. fol. I. Vor der Schrift, bei Weigel 9 Thl. II. Nur mit den Künstlernamen und dem Doppeladler im Rande, Selten. III. Mit der Schrift.

  14. Ulysses entreisst der Andromache ihren Sohn, nach einer Zeichnung des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, welche dieser nach dem Gemälde Calabrese's im Schlosse zu Press- burg gelichtet hat, 1778, fol. I. Vor der Dedication an die Prinzessin Albert von Sach- sen-Teschen, bei Weigel 3 Thl. II. Mit der Schrift.

  15. Die Geburt der Venus, nach Rubens; eines der besten Blätter des Meisters. Das Original ist in der gräfl. Schönborn'schen Sammlung, welches Schmutzer selbst sehr schön zeichnete,

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