Schmidt, Martin Joachim

Schmidt, Martin Joachim, Maler und Radierer , ein zu seiner Zeit gefeierter Künstler , ist unter dem Namen des Kremser Schmidt bekannt. Er wurde zu Graffenwerth bei Krems in Nieder-Oester- reich geboren, und von seinem Vater Johann zur Bildhauerei ange- wiesen, welcher er aber zu Gunsten der Malerei bald wieder entsagte. Hierin war Gottlieb Starmayr fünf Jahre sein Lehrer, er verdankte ihm aber nur im Technischen einige Vortheile, im Übrigen war für den Künstler das Studium früherer klassischer Bilder entscheidend. Unter der unglaublichen Menge von Bildern dieses Meisters (über 1000 an der Zahl) findet sich auch wirklich manches schätzbare Werk, das an eine ruhmvollere Periode erinnert, als jene war, in welcher er wirkte. Er ist in der Zeichnung selten streng und na- turgemäß, und namentlich findet man seine Köpfe zu klein. In Oberösterreich beweisen dies zahlreiche Altarbilder von ihm. Die meisten malte er in Krems, woher ihm der Zunamen geworden. In den Kirchen zu Krems, Brünn (St. Peter), Linz , Wien , Obrowitz, Mauerkirchen, Seitenstetten, Göttweig und in andern Klöstern findet man seine Hauptwerke, wozu auch die Bilder im Johanneum zu Grätz gehören: Judith und Holofernes, die Tochter Jephtha's, Abisai und Timandra, St. Petrus und Magdalena. Die Zahl seiner kirchlichen und religiösen Darstellungen überwiegt jene aus der Ge- schichte und Mythe bei weitem. Auch sehr wenig Bildnisse malte er. Haubensticker malte und stach das Portrait unsers Künstlers. Auch P. K. Fellner stach das Portrait dieses Meisters, in größerem Format als Haubensticker. Starb zu Stein bei Krems 1801. Mehrere Werke dieses Künstlers sind durch Kupferstiche be- kannt. Pater Coloman Fellner radirte nach ihm einige Blätter in Rembrandt's Geschmack: Esther vor Ahasverus, Johannes der Täu- fer und dessen Enthauptung, eine vor einem orientalischen Für- sten knieende Frau, drei junge Mädchen und ein Affe, und die Büste eines Mannes mit Hut und Feder. Ein C. Schmidt, angeb- lich Bruder des Meisters, radirte 1788 zwei Blätter, wovon das eine Tarquin und Lucretia, das andere Sokrates und Alkibiades vor- stellt, kl. ful. Haubensticher und Kauperz stachen die Kreuzigung Christi, St. Paul und Antonius, St. Rosalia und St. Hieronymus. Von F. Landerer haben wir mehrere interessante Blätter, darunter 12 Blätter mit schönen Charakterköpfen, deren wir schon im Arti- kel Landerer's erwähnt haben, so wie einiger biblischen Darstel- lungen und zweier Blätter, wovon das einen einen Astronomen, das andere einen Alchimisten vorstellt. J. Wanpachter stach zwei halbe Figuren eines Weibes und eines Knaben u. s. w.

Eigenhändige Radierungen.

Der Kremser Schmidt hat auch mehrere Blätter radirt, mei- stens im Rembrandt's und Castiglione's Geschmack. Seine Arbeiten

Mehrere enthalten Compositionen von Altarbildern, am interessan- testen sind aber seine Bacchanalien, die mythologischen Scenen und die anderen Blätter in Rembrandt's Manier. Sein Werk be- trägt sich etwas höher, als die folgenden Blätter. Sie sind mit

5 dem Namen des Meisters bezeichnet, selten kommen Abdrücke

ohne Schrift vor.

  1. Die Taufe Christi im Jordan, das Altarbild auf dem Sonn- tagsberg, 1773. Oben abgerundet, kl. fol.

  2. Die Predigt des kl. Jacobus major, vor verschiedenen Völkern, nach dem Gemälde auf der Schwechat bei Wien. Oben ab- gerundet, 1770, kl. fol.;

  3. St. Johann von Nepomuck bittet zum Heiland für die Kran- ken, 1773, nach dem Bilde im Dom zu Watzen in Ungarn, 1779.

  4. Mariä Empfängniss, auf dem Globus mit der Schlange, oben abgerundet, 1704, Nr. 8.

  5. Die Himmelfahrt Mariä, oben abgerundet, 1762, gr. 8.

  6. Die Krönung Mariä durch die Dreieinigkeit, unten der Dä- mon, oben rund, 1762, kl. fol.

  7. Christus am Kreuze mit Magdalena, 1764, gr. 8.

  8. Die Kreuzabnehmung, in Rembrandt's Manier schön radirt,

S. 80, n 9) Der heil. Nicolaus, Patron der Schiffer, 1770, gr. 8.

  1. Venus und Cupido in der Schmiede des Vulkan, 4.

  2. Apollo und Pan vor Midas, 4.

  3. Ein Faun mit zwei Satyrkindern vor einer nackten Bacchantin am Fusse eines ländlichen Denkmals, 4.

  4. Drei Bacchanale von Satyren, Faunen und Bacchantinnen, jedes Blatt mit den drei Grazien in verschiedenen Stellungen, 8.

  5. Eine Folge von Götterfiguren der römischen Mythe, wenig- stens 8 Blätter, 8.

  6. Halbe Figur eines Orientalen mit einer Feder auf der Mütze, und die linke auf den Stock gestützt. M. J. S. 1750. 8.

  7. Die Figur eines Mannes, im Geschmacke Rembrandt's be- kleidet, nach rechts, vor ihm der Hund. M. J. S. 1749, 12.

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