Schirmer, Johann Wilhelm, Landschaftsmaler , Professor an der Akademie in Düsseldorf und Mitglied von jener in Berlin , einer der ausgezeichnetsten deutschen Künstler, der sich einen europäi- schen Ruf gegründet hat. Im Jahre 1807 zu Jülich geboren, lag er in seiner Vaterstadt nur kurze Zeit den Studien ob, und begab sich nach Düsseldorf, wo Direktor Schadow bereits einen Kreis von Künstlern um sich versammelt hatte, die, jeder seiner Eigenthüm- lichkeit gemäß, als der Kern der Düsseldorfer Schule zu betrachten sind. Zu diesen ist aber auch Schirmer zu zählen, der gleichsam als der Vater der dortigen Landschaftsmalerei zu betrachten ist, und von ihm und Lessing geht in Düsseldorf die allgemeine Richtung aus, in welcher bereits so Ausgezeichnetes geleistet wurde. Diese beiden Meister weisen ihre Schüler auf ein genaues Naturstudium hin; ihr Bestreben ist das Prinzip sorgfältiger, detaillirter Natur- wahrheit, welches bis jetzt in der Düsseldorfer Schule ausschließ- lich herrscht, mit den Anforderungen an eine mehr ideale Auffas- sung. Auf diesen Vorzug macht aber Püttmann (die Düsseldorfer Schule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines 4820, Lpz. 1830) nicht aufmerksam; er rühmt nur das glückliche Streben, das Grösste und Imposanteste darzustellen, und macht dagegen der Schule den Vorwurf, die Schönheit häufig auswärts zu suchen, statt sie von Innen heraus zu schaffen.
Schirmer's Ruf war bereits 1830 wohl begründet. Im Kunst- blatte desselben Jahres heisst es, diesem bemerkenswerthen Talente gelinge es vorzüglich, feuchte Waldgründe, klare Wasserspiegel, mürrbes Trümmer- und Mauerwerk, die Einzelheiten einer üppi- gen, saftvollen Pflanzenwelt darzustellen, und in diesen Gegen- ständen, so wie in der Betonung derselben durch einen schweren bedeckten Himmel sei er vortreflich. Und so geht keine Gelegen- heit vorüber, wo nicht Schirmer's Werke gepriesen werden. Er liefert seit Jahren Beweise fortwährender Trefflichkeit. Wenige malen herrlichere Gruppen von Bäumen, so mächtige Eichen und Buchen, niedere Gewächse und Wipfelblätter in so specieller Wahr- heit, so meisterhafte Waldlandschaften, so fette und fruchtbare Wiesen, solche Waldbäche mit bewunderungswürdiger Klarheit des Wassers, so reine Lüfte. Keiner fand in dem deutschen Berg und Wald von oben bis unten einen so vertrauten Freund, als er. Wenigen gelingt es, diese stille Wehmuth über die Gefilde zu ver- breiten, das Gefühl der Ruhe darüber auszugiessen, wie diess öf- ters in Schirmer's Werken so mächtig wirkt. Und wenn es gilt, überraschende Naturwahrheit im Aufruhr der Elemente zu erzielen, gelingt es diesem Künstler mit nicht minderem Glücke. Bis zum Jahre 1830 entnahm Schirmer den Stoff zu seinen Bildern dem Hei- mathlande, oder den Gegenden der Normandie, jetzt aber begab
Eines derjenigen Bilder des Meisters, welches, wie kein an- deres, die frühe Reife desselben darlegte, stellt eine Landschaft mit einem Flusse dar, auf dessen Wasserfläche ein Kahn treibt, in welchem ein Mädchen sitzt. Über ihr steht ein junger Mann in weißem Staubmantel, wie er einen überhängenden Buchenzweig ergreift, um den Nachen, der sich zu drehen anfängt, ans Land zu treiben. Dieses Bild wird in Kugler's Museum 1833 gerühmt, noch mehr, als ein zweites Gemälde aus der Berliner Herbstausstel- lung von 1832, welches einen Herbststurm darstellt, und worin sich das Rauschen abbilden lässt. Dieses Gemälde ist von mäßiger Ausdehnung, grösser als das früher genannte mit seinem wundervollen grünen Labyrinthe. Aus dieser Zeit besitzt auch der Consul Wagener in Berlin eine grosse landschaftliche Composition, und einen anderen Herbststurm, ebenfalls Composition, erwarb 1832 der Düsseldorfer Kunstverein. Eine Landschaft mit Wassermühle ging in den Besitz des Freiherrn von Färber in Strelitz über. Diese Bilder gehören zu jenen der grösseren Gattung, an die sich dann mehrere kleinere reihen, die ebenfalls in den Privatbesitz überge- gangen sind. Ein ausgezeichnet schön und meisterhaft gemaltes Bild von 1830 stellt einen Eichenwald mit Felsen dar, und saftige Grasplätze im Mittelgrunde. Dieses Bild ist wieder von beträcht- lichem Umfange, so wie denn Schirmer überhaupt mehrere Wald- landschaften in diesem Formate gemalt hat. Eine Herbstlandschaft mit Waldgebirge im Regengewölke erwarb 1837 Hr. Saglio zu Havre de Grace. Andere Bilder aus jener Zeit erinnern an die Norman- die. Das eine stellt eine Seeküste im Mondschein mit Feuerbe- leuchtung dar, ein anderes Sonnenaufgang über dem Meere bei Treport, ein drittes ein Schiffwrack auf bewegter See nach dem Sturme, ein viertes die Küste der Normandie bei Etretat u. s. w. Andere Bilder führen uns die großartige Natur der Schweiz vor den Blick. Ein solches stellt das Wetterhorn im Berner Oberland vor, 1837 im kleinen, und im folgenden Jahre in einem grossen Gemälde ausgeführt. Eine spätere, umfassendere Composition von höchst gediegener Ausführung gibt den Weg über die Alpen, und ein zweites Bild den Bergsturz bei Goldau. Seine Schweizer Land- schaften tragen meistens das Gepräge des Ernsten und Feierlichen der Alpennatur. Eines der herrlichsten Bilder dieser Art ist jenes, welches 1850 der König der Belgier erwarb. Es ist dies ein fri- sches Wiesenthal, über welches bei hellem Tageslichte die maje- stätische Jungfrau mit ihren Gletschern und scharfen Steinrippen emporragt. Von friedlicher, fast wehmüthiger Stimmung ist eine höchst poetische grosse Composition in der Gallerie zu Darmstadt: ein weites Flussthal bei Abendbeleuchtung. Dieses Bild athmet je- nes Gefühl der Ruhe, das wir bei einer abendlichen Wanderung in so schöner Natur empfinden. Verwandter Natur sind mehrere andere Bilder, wie jene, welche unter dem Namen der Waldein- samkeit am Morgen (mit Hirschen im Bache), der Morgendämme- rung im Waldgebirge, der Mühle nach dem Regen etc. bekannt wurden. Ein vortreffliches Bild ist auch jenes, welches er 1832 nach Uhland's Gedicht des künftigen Frühlings componirte, so wie denn überhaupt die Stoffe, deren er sich zu seinen Gemälden be- diente, sehr mannigfaltig sind. In letzter Zeit lieferte ihm seine Studienreise nach Italien reiche Auswahl. Seine italienische Wald- landschaft jetzt im Galleriesaal zu Düsseldorf, seine Campagna d'Olevano und vor Allem die Grotte der Egeria sind Bilder von
grossartigster Composition, in welchen das innerlich Characteri- stische der dargestellten Gegend vorwiegt. Diese Bilder waren 1843 vollendet.
Das Bildniss dieses Künstlers, 1838 von Haach in Düsseldorf gezeichnet, befindet sich in der berühmten Portrait-Sammlung des k. sächsischen Hofmalers Vogel von Vogelstein in Dresden. Im Kunstbuche der Düsseldorfer Malerschule I. Berlin 1835 ist eine von Tempelstein nach ihm lithographirte Landschaft. L. Rausch ra- dirte die Ansicht des Wetterhorn, und eine Landschaft mit Fi- schern in der Normandie.
Eigenhändige Radirungen.
- Waldleben, Radirung im Album deutscher Künstler, von J. Buddeus in Düsseldorf herausgegeben, 1830, qu. fol.
Es finden sich auch einige Aetzdrücke und fertige Ab- drücke vor der Schrift. Ein solcher bei Weigel 2 Thl.
Waldlandschaft, für das 10. Heft desselben Werkes. Düssel- dorf, 1842, qu. fol.
Landschaft mit Wassermühle in alten Gebäuden, gr. qu. fol. Bei Weigel ein s. seltener Aetzdruck 1 Thl. 12 gr.
Grosse Landschaft mit Schloss und Teich im Vorgrunde. Mit dem Zeichen und Namen des Meisters, qu. fol. Dieses Blatt ist sehr selten, denn die Platte wurde nach 12 Abzügen abgeschliffen.
5—6) Erdlebenbilder, eine deutsche und eine italienische Wald- landschaft, gemalt und radirt für den Düsseldorfer Kunst- verein 1841 u. 1842. Zwei Capitalblätter, roy. qu. fol. Bei Weigel vor der Schrift 8 Thl.
Radirung zu Reinick's Gedicht: Unter den dunklen Linden,
Künftiger Frühling, nach Uhland's Gedicht, Das erste dieser beiden zunächst erwähnten Blätter ist im ersten, das andere im zweiten Hefte der Lieder und Bilder von Reinick (dem Maler), Düsseldorf 1838. 1843.
Die betende Nonne, für ein Düsseldorfer Kunstvereinsheft radirt, fol.
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