Schidone, Bartolomeo, Maler von Modena , wird von Malvasia unter die Schüler der Carracci gezählt, er scheint aber die Lehren dieser Schule wenig beachtet zu haben, da sich schon in seinen früheren Werken vorherrschend die Nachahmung des Correggio zeigt, der sich indessen, namentlich in späterer Zeit, ein mehr naturalistisches Element beimischt, Andere wollen in seinen Wer- ken eine Vermischung des Styles eines Rafael und Correggio er- kennen, und so wie er schon zu seinen Lebzeiten sehr hoch ge- schätzt wurde, so glaubten spätere Kunstrichter ihn den genannten Meistern gleich, wenn nicht gar über Rafael setzen zu müssen. Lanzi (Annales II 65) wollte wenigstens wissen, dass seine Bil- der gewöhnlich noch theurer als jene Raphael's bezahlt wurden. So viel ist gewiss, dass er schon zu Lebzeiten in hoher Achtung stand. Marini preist ihn in einem Briefe (Lettere Venez. 1675) als ein Wunder der Kunst, und auch Scanelli ertheilt ihm großes Lob, bemerkt aber dennoch, dass es dem Meister in den Grund- principien der Malerei fehle, dass er correkter zeichnen sollte, und in der Perspektive größere Einsicht erlangt haben dürfte. In der Färbung fand er immer unbedingtes Lob. Diese ist in Fresco- bildern frisch und blühend, in Oelbildern etwas ernster, aber im- mer warm und harmonisch. Lanzi bemerkt jedoch, dass der Ma- stix, dessen sich die Carracci bedienten, den Malereien öfters schäd- lich wurde. Die Werke dieses Meisters sind selten, da ihm die unselige Leidenschaft des Spiels Zeit und Lust zur Arbeit raubte, und der Künstler überdiess kein hohes Alter erreichte. Er starb 1615 zu Parma als Hofmaler des Herzogs Ranuccio, in einem Alter von 56 Jahren, wie man sagt, aus Unmuth über den Verlust einer großen Summe durch das Spiel. Er sah sich dadurch außer Stand gesetzt, seine Schulden zu bezahlen. F. Testi verherrlichte sein Andenken durch ein Gedicht. (Poesie, Modena 1617 p. 423.)
Im Sitzungssaale des Municipal-Palastes zu Modena sind Fresco- bilder von ihm, welche er um 1604 im Wetteifer mit E. Abati aus
Auch im Auslande sind verschiedene Werke dieses Meisters. In der k. Eremitage zu St. Petersburg sieht man eine Madonna mit dem Kinde, welches ein hölzernes Kreuz hält. Auf einem zweiten Gemälde dieser Sammlung hält Maria das in ein Hemd bekleidete Kind in den Armen. Dieses hat einen Vogel in der Hand; Ein drittes Bild zeigt Amor auf einem weissen Tuche ruhend, ehemals in Malmaison. Ein Paar andere Werke, welche in der Eremitage den Namen Schidone's tragen, scheinen nicht echt zu seyn. Ein weiteres Gemälde daselbst, die himmlische und irdische Liebe in einer Landschaft, muss Schidone nach D. Campagnola copirt haben, da beide Namen darauf stehen.
Im Museum des Louvre zu Paris sind drei kleine Bilder die- ses Meisters. Das eine enthält eine heil. Familie; auf dem ande- ren tragen die Jünger beim Fackellichte eines Engels den Heiland zum Grabe, und das dritte stellt den Leichnam Christi am Grabe dar. Magdalena unterstützt ihn, und die Jünger, und heiligen Frauen sind dabei. Die heil. Familie der Gallerie Orleans, mit Maria und Joseph und dem in einem Buche lesenden Kinde, ist in England.
In der k. Pinakothek zu München sind einige kleine Bilder von hohem Werte: die reuige Magdalena mit zwei Engeln, wo- von der eine den Totenkopf, der andere das Gefäss trägt; die Ruhe der heil. Familie beim Laternenscheine an einem Hause und bei untergehendem Monde; Loth und seine Töchter, Brustbilder; die reuige Magdalena vor dem Totenkopfe mit Buch und Kreuz in den Händen.
In der Gallerie des Belvedere zu Wien sieht man ein Gemälde mit den lebensgrossen Figuren des Heilandes und der Jünger in Emaus am Tische, und dann bewahrt diese Galerie auch ein klei- nes Bild der Grablegung. In der gräflich von Thurn'schen Samm- lung zu Wien ist ein herrlicher Sibyllenkopf, dann das Bild mit Joachim und Anna und dem kleinen Johannes;
In der Gallerie des Museums zu Berlin ist eine Madonna mit dem Kinde, welches ein Kreuzchen hält, in kleinem Formate.
Die k. Gallerie zu Dresden bewahrt zwei treffliche Bilder von Schidone, und darunter eine heil. Familie mit lebensgrossen gan-
das zweite Bild, eine Ruhe der heil. Familie auf der Flucht in Ägypten. ;
Unter den nach diesem Meister gestochenen Blättern heben wir folgende heraus:
Die heil. Familie, Maria links sitzend mit dem Kinde auf dem Schoosse, hinter ihr Joseph, rechts Johannes. Geistreich radirt . von Sisto Badalocchio in Schidone's Manier, ohne und mit der
‚ Adresse Rossi's. Es gibt auch eine flüchtig radirte Copie dieses Blattes. ;
Maria mit dem Kinde sitzend, vor ihr Johannes mit dem Kreuze kniend. Von einem neueren Künstler C. S. gestochen, kl. fol.
Mater amabilis. Gest. von Persichini,
Maria und Joseph ein Buch haltend, worinnen das Jesuskind liest. Das Bild der Gallerie Orleans, von Romanet gestochen.
Madonna mit dem Kinde. Ex musaeo Sau. du Bois, Londini. Gest. von J. Smith.
Eine heil. Familie mit sechs Figuren, gest. von Lorenzini,
Dieselbe Darstellung kleiner, gest. von Lerouge und Langlois,
Christus bei den Jüngern in Emaus. Das Bild der Gallerie in Wien, gest. von A. Leicher. '
Eine heil. Familie mit halben Figuren. Radirt von Langenhöfel.
Die Ruhe der heil. Familie in einer Landschaft, das Bild in Paris. Gest. von Chataigner und Niquet.
Christus zum Grabe getragen. Das Bild im Louvre, gest. von Godefroy und Langlois jun. ;
Christus am Grabe, wahrscheinlich das Bild in Parma. Gest, von J. Fischer für das Mus. Napoleon.
Die büßende Magdalena mit zwei Engeln, der eine mit dem Schatzkästchen. Gest. von P. Bettelini; ferner von J. Pavon,
Der verwundete St. Sebastian. Gest. von C. Macret.
Die Charitas mit drei Bettelkindern, das Bild in der Gallerie zu Neapel, gest. von J. Perini, fol. Es gibt davon eine kleine, flüchtig radirte Copie. Auch D. Cunego stach eine Charitas.
Zwei Kinder mit der Lekturf, halbe Figuren: Imprimis ve- nerare Deos, Das Bild in Neapel, gest. von E. Strange.
Zwei sich umarmende Kinder. Das Bild in der Gallerie zu Turin. Gest. von T. Raggio für R. d'Azeglio's Galleriewerk.
Gori behauptet, dass Schidone selbst drei Blätter radirt habe; allein es findet sich nur ein einziges, so dass also Gori's Angabe nicht richtig zu seyn scheint. Bartsch behauptet auch geradezu, dass Schidone nur ein Blatt radirt habe, kennt aber dieses nur in einem einzigen Abdrucke.
Die heil. Familie. Maria hat das ein Kreuzchen haltende Kind vor ihr auf dem Tische sitzend, und wendet den Kopf nach Joseph, welcher rechts Worte an sie zu richten scheint. . Beide sind nur in halber Figur dargestellt. Links unten steht: Bart. Schidone inv. et fec. H. 5 Z. 9 L., Br. 4 Z. 10 L.
I. Vor der Adresse des Kunsthändlers Rossi. . II. Mit der Adresse: Gio. Jacomo Roussi formis, Romae alla Pace.
B. v. Stengelsche Auktion 1 fl. 6 kr.
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