Schickhart oder Schickard, Heinrich

Schickhart oder Schickard, Heinrich, Architekt , geb. in Herren- berg 1558, gest. daselbst 1634. Dieser ausgezeichnete Mann, der in Schriften und Sagen noch immer lebt, entwickelte durch eigenen Trieb ein seltenes Talent für Feldmess- und Baukunst . Schon in seinem 21. und 22. Jahre war er mit Erbauung zweier adelicher Schlösser beauftragt, und von Herzog Ludwig von Würt- temberg in den Jahren 1588 und 83 zur Theilnahme an fürstlichen und öffentlichen Bauwerken nach Stuttgart gefordert. Bald nach- her scheint er bestimmt in fürstliche Dienste getreten zu seyn, da er sich auch in Stuttgart ansiedelte und durch die ganze merkwür- dige Regierungsperiode des Herzogs Friedrich immer von diesem Fürsten beschäftigt wurde, auch nach dem Ableben desselben (1608) noch unter seinem Nachfolger Johann Friedrich, und bis an sein eigenes Ende immer mit grossen und öffentlichen Arbeiten zu thun hatte. Beinahe an das Unglaubliche grenzt die Thätigkeit dieses Mannes. Er baute abgebrannte Städte und Dörfer nach verbesser- ten Bauplänen wieder auf, verschönerte alte, erschuf und befestigte eine ganz neue Stadt (Freudenstadt ), erbaute eine Menge von Schlössern, Kirchen, Brücken, Wasserleitungen etc. Ueberdies wurde er noch durch manche andere Arbeit unterbrochen; so wurde er aufgefordert, zum Behuf eines damals schon stark in Anregung

gebrachten Projektes wegen Schiffbarmachung des Neckars, diesen

Fluss von Cannstatt bis Heilbronn zu untersuchen und aufzuneh- men. Diese Arbeit brachte er auf eine unglaubliche Weise mit seinem Bruder in 34 Tage zu Stande, und verfertigte einen so genauen Grundriss mit Vorschlägen, die zum Theil erst nach mehr als 200 Jahren als durchaus zweckmäßig ausgeführt wurden. Eben diesem Herzog Friedrich fiel es ein, die Grenzen seines Fürstenthums zu bereisen, selbe genau abmessen und aufnehmen zu lassen. Zu diesem Ende nahm er den Baumeister Schickard mit sich, der in vier Wochen mit dem ganzen Werke fertig wurde. Einen gleichen Auftrag erhielt derselbe für die Grafschaft Mömpelgard und die anlie- genden Herrschaften, welchen er in 14 Tagen ausführte. Im Jahre 1593 reiste er nach Italien, und ist sou einer der ersten deutschen Baumeister, welche des Studiums wegen jenes Land besuchten. Ein Jahr später nahm ihn der Herzog Friedrich auf seiner Reise nach Italien mit sich. Ohne Zweifel ist das in italienischem Ge- schmack nachher in Stuttgart ausgeführte Gebäude, das unter dem Namen des Neubaues bekannt war, die Frucht dieser Reisen. Es wurde 1599 begonnen, 1600 vollendet, und gegen 1780 aus Platz- verschönerungssucht hinweggeräumt. In diesem Bauwerke, welches uns durch E. v., Gemmingen in einer Abbildung erhalten ist, ist der Einfluss der italienischen Schule des 16. Jahrhunderts unver- kennbar, und auch in seinen späteren Werken äusserte sich ein edlerer Geschmack. Unrichtig wird ihm das ehemalige neue Lust- haus, jetzt Theater, zugeschrieben. Er wurde in frühester Zeit nur als Gehülfe bei diesem letztgenannten Bau gebraucht; der da- malige fürstliche Baumeister hiess Behr, von dem Schickard noch lernte und den er sehr achtete.

Dieser auch als Mensch höchst achtbare Mann sah sich gegen das Ende seines gemeinnützigen und redlich verbrachten Lebens,

als Wittwer und aller Kinder beraubt, noch einsam und in einer schrecklichen Zeit. Die Verwüstungen des 30jährigen Krieges wa-

ren auf das Höchste gestiegen, Die feindlichen Truppen wütheten durch Württemberg und wälzten sich in Blut und Brand auch in die Gegend von Herrenberg. Schickard zog sich in sein eigenes Haus, daselbst zurück, um esich zu schützen; aber das Eigenthum schützte schon lange nicht mehr. Einer der Unmenschen stürmte auf sein Haus und Verwundete den Greis mit einem nach dem Fen- ster geschleuderten Beil am Kopfe, erbrach die Thüre und rannte ihm den Degen nah an dem Herzen durch die Brust. Der Edle

rang noch 20 Tage zwischen Leben und Tod, bis er aufgelöst wurde.

Nähere Notizen finden sich in dem obenangeführten schätz- barem Werke, besonders aus einem der fünf in Quart-Format hin- terlassenen Reise- oder Zwickbüchlein des wissbegierigen Baumei- sters, in denen er alles, was seiner Neugierde nach Zeit- und Bil- dungs - Verhältnissen denkwürdig schien, abzeichnete und zu eige- ner Erinnerung wörtlich erklärte. Sein Reisewerk erschien zu Tü- bingen 1603. E. v. Gemmingen beschrieb das Leben dieses Mei- sters, welches 1821 zu Stuttgart bei Osiander erschien;

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