Schiavoni, Natale, Maler und Kupferstecher , geb. zu Chiozza 1777, war in dürftiger Jugend sein eigener Lehrer in der Kunst, bis ihn ein glücklicher Zufall nach Florenz führte, wo sich Rafael Morghen des talentvollen Jünglings thätig annahm. Er übte sich da in der Kupferstecherkunst, bis ihn die französische Invasion zur Rückkehr nach Venedig zwang, was aber auf seine weitere Ausbildung keinen nachtheiligen Einfluss hatte, da er in Venedig an F. Maggiotto einen ebenso liebevollen Lehrer in der Malerei fand. In der Miniaturmalerei hatte er schon in Florenz glückliche Versuche gemacht, Maggiotto lehrte ihn aber auch die Kunst in Oel zu malen. Schiavoni malte damals mehrere kleine Bilder in Oel, und in einem großen Altarbilde die Entzündung des heil. Franz für die Franziskanerkirche in Chiozza. Nach Vollendung dieses Werkes liess er die Oelpalette wieder ruhen und malte blos Portraits in Miniatur. Jetzt liess er sich aber in Triest nieder, wo der Künstler 14 Jahre thätig war, und zuletzt auch wieder in Oel malte, aber fast ausschliesslich Bildnisse. Im Jahre 1816 hatte er das Glück I. I. K. K. Majestäten zu malen, und aufgefordert nach Wien zu kommen, malte er auch die meisten übrigen Glieder der kaiserlichen Familie. Diese glücklich erledigten Aufträge gründeten auch in Wien seinen Ruf, und viele andere hohe Herrschaften liessen sich von ihm malen. Unter den Gemälden aus je-
In jener Zeit zeichnet sich besonders das Familienbild des Fürsten Lichtenstein aus, Die Einladung zur Kunstaustellung bei St. Anna erregte jetzt auch wieder seinen Eifer für die Oelmalerei, und eine Ruhe der heil. Familie in Aegypten fand damals grossen Beifall. Dadurch aufgemuntert malte er mehrere Madonnenbilder, worunter Jenes im Besitze des Sig. Rosetti sich durch ungemeine Lieblichkeit auszeichnet. Die Darstellung sanfter weiblicher Charaktere gelang ihm von jeher, und somit malte er jetzt mit Vorliebe Madonnen. Compositions von mehreren Figuren sind selten von ihm zu finden. Der genannte Hr. Rosetti, einer der Gönner des Künstlers, besitzt ein sogenanntes Conversationsstück in der Weise der flämischen Schule, welches den Rosetti selbst vorstellt, wie er einer Clavierspielerin zuhört. Dieses Bild gehört zu den bes- seren des Meisters aus dessen früherer Zeit, und dazu ist auch eine mythologische Darstellung zu rechnen, welche aus der Expo- sition von 1824 bekannt ist: das Bild der Joh, im Besitze des Alt- grafen Hugo von Salm. Von Wien aus begab sich Schiavoni nach Mailand, wo er jetzt, durch G. Longhi angereizt, sich wieder ausschliesslich der Kupferstecherkunst widmete, und hierin Arbeiten lieferte, wel- che ihm dauernden Ruhm sichern, sowohl sprechend ähnliche Bild- nisse, als grössere historische Blätter, worunter sein Stich der Him- melfahrt Mariä von Titian als eines der Hauptwerke der modernen Chalkographie zu betrachten ist. Auch Rafael's Madonna della Se- dia und die Kreuzabnehmung von Titian hatte er trefflich nach- gebildet. Dennoch verliess der Künstler später wieder die Kupfer- stecherkunst zu Gunsten der Oelmalerei, und diese ist es, welche ihm neuen Ruhm bereitete. Er malte anfangs wieder Madonnen und andere Andachtsbilder mit weiblichen Charakteren; auch meh- rere Altarblätter, worunter jenes mit der heil. Catharina in der Kirche zu Castel Franco gerühmt wird. Noch trefflicher befand man damals seine lebensgrosse Magdalena, welche seit 1833 in der Gallerie des Belvedere zu Wien aufbewahrt ist. Sie kniet in tiefem Schmerz versunken in einer Höhle, Schiavoni beur- kundet in diesem, und in mehreren anderen Gemälden sein reiches Ta- lent zur Malerei, und man muss ihn daher nicht aus jenen Bildern beurtheilen, anf welche er weniger Studium verwendete, worin er sogar flau und leichtsinnig erscheint. Es finden sich nämlich auch Gemälde von ihm, in welchen er sich zu viel auf seine Leichtig- keit verliess. In den Miniaturen hat er fast immer Tüchtiges ge- leistet. Seit mehreren Jahren gehört er zu den Malern der Mode, was er aber nicht durch seine Madonnen geworden, sondern durch seine halbnackten Mädchen in allerlei Stellungen und Costümen, mit wunderschönen Armen, Busen und sonstigen Nuditäten, nur mit etwas trüben, oft schmutzigen Fleischtönen. Alle diese Mäd- chen, mit naivem, nicht selten zum Schelmischen übergehendem Witz, haben mit geringen Veränderungen durchaus dasselbe Ge- sicht; sie sind aber wunderhübsch und mit Geschmack und Ge- schick gemalt. Auch in der Modellirung und im Helldunkel sind diese Bilder oft so vollkommen, wie wenige dieser Art. Desswe- gen kann Schiavoni hundertmal dasselbe Modell copiren, ohne dass es ihm an Liebhabern fehlt, da er auch für lüsterne Augen sorgt, deren Sinne im Halbverhüllten Reiz finden. Die Zahl die- ser lieblichen und reizenden Mädchen ist auch schon sehr gross, und sie haben seine Madonnenbilder und seine weiblichen Heili- gengestalten bereits in den Hintergrund gedrängt. In seinem Stre- ben nach Realität sind ihm auch die Bilder, welche rein ideale Auffassung bedingen, nicht ganz vollkommen gelungen. Die reli-
Kaiser Franz I. von Oesterreich, von Schiavoni selbst ge- malt, fol.
Die Kaiserin Maria Ludovica von Oesterreich, nach dem eigenen Gemälde, fol.
Graf Manfredini, fol.
Die Himmelfahrt Mariä, Assumpta est Maria in coelum gau- dent Angeli. Tizian pinx. N. Schiavoni dis. et inc. Ein Hauptblatt der Chalkographie, und dem Kaiser Alexander dedicirt, gr. imp. fol.
Bei Weigel 30 Thl. Der Subscriptionspreis war 23 Thl. 10gr.
Die Kreuzabnehmung, malerisch gestachenes Blatt, Tizian pinx. N. Schiavoni dis. et inc. Mit Dedication an den Maler Andriä Appiani, gr. fol.
Die Madonna della Sedia, nach Rafael's berühmtem Bilde, unter Leitung Longhi's in kleinerem Format gestochen.
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