Schiavone, Andrea

Schiavone, Andrea, Maler, nach seinem Familiennamen Medola oder Medula, aber nicht Meldolla, wie durch Verwechslung mit dem Kupferstecher Andrea Meldolla geschehen ist. Medola wurde 1522 zu Sebenico im Dalmatien geboren, kam aber in jungen Jah- ren nach Venedig , wo er bei einem gemeinen Maler in die Lehre trat, der ihm eben nicht mehr beibringen konnte, als ein guter Anstreicher nöthig hatte. In dieser Zeit konnte er sich daher nur als Flachmaler bewegen und höchstens von Maurermeistern zum Anstreichen von Häusern benutzt werden. Er hatte noch geringe Kenntniss im Zeichnen, worin er sich nur nach Kupferstichen übte, allein sein eminentes Talent half ihm doch bald so weit, dass selbst Titian auf ihn aufmerksam wurde. Auf Empfehlung dieses Meisters wurde Medola, der Slave (Schiavone), bei der malerischen Aus schmückung der Libreria von St. Marco verwendet, und bald hatte er den Ruf eines ausgezeichneten Coloristen. Als solchen schätzte ihn namentlich Tintoretto hoch, der ein Gemälde Schia- vone's in seiner Werkstätte hatte, um die Gesetze der Färbung zu

Und bei allen diesen Verdiensten lebte der Künstler in Armuth. Seine Freunde liessen ihn auf ihre Kosten beerdigen und setzten dem Armen in St. Luca ein Denkmal. Erst nach seinem Tode wurde seine Kunst erkannt, und man nahm seine Bilder von Kästen und Stühlen weg, um sie in Gallerien aufzubewahren. Jetzt erst fand man es der Mühe werth, sie in Kirchen aufzusuchen. In der St. Markuskirche zu Venedig ist sein Hauptwerk die Begeben- heit des Fischzuges. Zu seinen schönsten Bildern gehört auch die Geburt Christi und die Himmelfahrt Mariä, zwei Staffelei-Gemälde, welche Schiavone für die Theatiner in Rimini malte. Auch in Palä- sten zu Venedig sind noch viele Bilder von Mola, so wie in ausgezeichneten Gallerien des Auslandes. In der k. Gallerie zu Berlin sieht man das eigenhändige Bildniss des Meisters, ausser- dem kein anderes Werk. Reich an Werken desselben ist aber be- sonders das Belvedere in Wien. Da sieht man ebenfalls Schia- vone's Bildniss, aber in höherem Alter, schon mit grauem Barte; die Anbetung der Hirten, in kleinen Figuren; die heil. Familie mit St. Catharina in einer Landschaft, Lebensgrösse; Apollo mit Daphne; eine allegorische Figur mit der Bassgeige, beide kleine Bilder; Venus und Amor, nicht einen Schuh hoch; Christus gebun- den vor dem hohen Priester, halbe Figur in Lebensgrösse; Curius Dentatus am Herde weiset die Samniter zurück. In der k. Pi- nakothek zu München ist vorläufig kein Gemälde dieses Meisters. In der Gallerie zu Dresden sieht man eine heil. Familie mit Mag- dalena und einem Engel, kleine Figuren, und ein lebensgrosses Kniestück, den Heiland von Joseph von Arimathia und einem En- gel gehalten. In der Gallerie des Louvre zu Paris ist die Büste des Täufers Johannes. In der Gallerie des Kensington-Palastes zu London sieht man das Urtheil des Midas. Das Bild der Gallerie Orléans, welches Christus vor Pilatus vorstellt, ist ebenfalls in England.

Als Ergänzung mögen hier einige der besten nach ihm gesto- chenen Blätter gelten, wobei jedoch zu bemerken ist, dass im All- gemeinen in dieser Hinsicht wenig Vorzügliches sich findet.

Der Tod Abels. Gest. von F. A. Lorenzini.

Die Anbetung der Hirten, in der Wiener Gallerie, gest. von Beel.

Die Beschneidung. Gest. von Valk.

Heil. Familie mit den beiden sich küssenden Kindern; Wiener Gallerie. Gest. von C. Lauwers.

Heil. Familie mit der das Kind küssenden Elisabeth; Wiener Gallerie. Gest. von Lisbetius.

Eigenhändige Radirungen.

Vor der Publication des Peintre graveur par A. Bartsch herr- schten in den Verzeichnissen der Blätter des F. Parmeggianino und And. Medoja viele Unrichtigkeiten, indem die Arbeiten unsers Künstlers theils dem Andrea Meldolla, theils dem F. Parmeggia- nino beigelegt werden; Zani vindicirte dem A. Meldolla seinen gebührenden Antheil, ließ aber den A. Schiavone leer ausgehen, wahrscheinlich, weil Ridolfi von keinem Blatte des A. Medola weiss. R. Ford (Etchings after Drawings and Engravings by Parmeggianino and A. Meldolla, 2 B. London 1822, kleine und grosse Aus- gabe, gr. 4.) hält den Schiavone und Meldola für eine Person. Derjenige, der auch dem Slaven seinen Antheil sicherte, überhaupt kritisch bestimmte, was dem Meldola, Parmeggianino (F. Mazzuoli) und dem A. Schiavone angehört, ist Bartsch, P. gr. XVI. p. 77. ff., welcher diesem zwei Folgen nach Titian's Erfindung vindicirt, die er aber nicht im Geiste dieses Meisters ausführte. Die Zeichnung ist manierirt, was besonders in den Verhältnissen der menschlichen Figuren auffällt. Sie sind schlank und zu lang. In der Ma- nier erinnern diese Blätter an Parmeggianino, dessen Kupferstiche er in seiner Jugend copirt hatte. Uebrigens führte er die Nadel mit vieler Zierlichkeit und Feinheit. Seine Blätter sind aber bereits so sehr selten geworden.

1 — 12. Die Büsten der 142 Cäsaren im Profil; in Ovalen mit architektonischen Verzierungen und mit Statuen zu den Sei- ten.

  1. Julius Cäsar, Cesare P. Visconti LVI. Regno an-

  2. Octavius Augustus, Ottavio I. Regno con Antonio anni XII. et solo anni XL In der Mitte unten: Titiano V.

  3. Caius Caligula. Gaio II. Visse anni XXVIIl., Regno anni IIIN. mesi X. giorni VIU.. Titiano V. .

  4. Claudius, V. Claudio, Visse anni LXHIL Regno an- ni XIIL — Titiano V.

  5. Nero. Nerone., Visse anni XXIIl., regno anni XII — VI. Titiano V.

  6. Galba. Galba VII. Visseanni LXXIlL. Regno mesi VII. Titiano V. '

  7. Otto. Othone. Visse anni XXXVIL, regno mesi III — VIII. — VIN. Titiano V. *

  8. Vitellius, Vitellio. Visse anni LVII. Regno mesi VII. — VII. — Titiano V.

  9. Vespasianus. Vespasiano., Visseanni LXVI, mese I. di I., Regno anni VL — X. — Titiano V,

  10. Titus. Tito XI. Visse anni XL, Regno anni II., mesi III., giorni XX. — Titiano V.

  11. Domitianus. Domitiano. Visse anni XLV. Regno, a

13— 33) Verzierte Felder mit Büsten, Figuren, historischen und mythologischen Darstellungen in Mitte von Arabesken., In *, der von Delphinen, Seepferden und Seeckrebsen gebildeten Titelfassung liest man: Raccolta de' disegni et comparti- menti diversi tratti da marmi e bronzi degli antichi Romani, et dedicate all'Uomo di — Giorgio Maynwaringe., Car. Eng. — Franc, Valesio. Folge von 21 Kupferst. radirten Blättern. H. 4 Z. 6—8 L., Br. 0 Z. 0 L. ;

Diese Blätter sind im Allgemeinen selten, noch seltener aber vor der Schrift.

In die Höhe:

  1. Büste einer jungen Frau im Profil nach links. Oben auf der Verzierung sitzt ein geflügeltes Kind von einer Schlange umwunden. A. Schiaon f. |

  2. Eine ähnliche Büste, welche zwei Genien mit Blumen be- kränzen. Unter den Figuren in den Arabesken bemerkt man zwei geflügelte Weiber mit Satyrsfüßen, ;

  3. Büste einer jungen Frau im Profil nach links. Unten in den Arabesken zwei Genien auf Seepferden. Andrea Schiaon f., in zwei Täfelchen,

  4. Das Urtheil des Paris. Oben die Büste einer Frau zwischen zwei sitzenden Männern, unten: Andrea Schiaon f.

  5. Eine Frau mit dem Kinde vor einem weinenden Weibe, hinter welchem zwei Dienerinnen stehen. Unter den Figu- ren bemerkt man vornehmlich vier geflügelte Genien. In der Mitte unten: Andrea Schiavon f.

  6. Ein junger Krieger reicht einem vor ihm sitzenden Weibe die Hand, während sie ein anderes Weib mit beiden Armen zu umfassen scheint. Unten zwei nackte Kinder mit Festons.

  7. Drei stehende Frauen um eine rechts sitzende vierte Frau. In der Mitte in halber Höhe des Blattes: Andrea Schiaon f,.

In die Breite.

  1. Judith mit der Magd, welche das Haupt des Holofernes trägt, links das Zelt desselben, ;

  2. Clelia zu Pferd mit einer der Gespielinnen die Tiber durch- setzend. Im Felde sind mehrere Kinder. ;

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XV. u .

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