Scheuren, Caspar Johann Nepomuck

Scheuren, Caspar Johann Nepomuck, Landschaftsmaler , Mit-

glied der Akademie zu Düsseldorf, einer der ausgezeichnetsten

Künstler seines Faches, dessen Ruf bereits ein europäischer ge-

worden ist, in einer Umgebung von Meistern, die, wie Lessing,

Schirmer und Achenbach, als Sterne erster Gattung betrachtet werden.

Scheuren wurde 1712 zu Aachen geboren, und in Düsseldorf zum

Künstler herangebildet, wo sich sein hervorragendes Talent schon

im zwanzigsten Jahre geltend machte, Das erste Bild, welches ihm

1832 bereits einen großen verdienten Ruhm sicherte, ist eine holl-

ländische Landschaft mit Eichenwald von ziemlicher Größe, ein

wahres Charakterbild des Landes, im Besitze des Banquier Bende-

mann in Berlin . Auf dieses Bild folgten jetzt zahlreiche andere,

da Scheuren schon früh eine Leichtigkeit und Sicherheit der Hand

gewann, welche dem Fluge seiner Phantasie zu folgen strebte, zu-

weilen selbst auf Kosten eines genaueren Studium, da einige sei-

ner Bilder flüchtig und manieriert erschienen, was indessen dem

Verdienste des Meisters nichts nimmt, da seine besseren Werke

Vorzüge bieten, die von wenigen erreicht werden. Diese sind

Seherein, Caspar Johann Nepomuck; * @ ® höchst mannigfaltig, geistreich; umliegend geordnet, und welcher in seinen Werken über die Düsseldorfer Schule, längst ge- schätzt, den ich trübe: von einem seltenen Farbenreize. Seine natürliche Sicherheit ge- stattete ihm schon frühe, die Farben, ohne viel zu ändern, frisch von der Palette zu nehmen. Ausgezeichnet schön sind seine Lüfte und Wasserspiegel, so wie denn der Künstler von jeher mit Vor- liebe solche Scenen malte, die eine reine, scharfzeichnende Luft, glänzende Tags- und Morgenbeleuchtung zulassen. Diese letztere und die Umgebung grosser Ströme zog ihn immer mit grosser Ge- walt an, da in dem nördlichen flachen Rheinthale schon frühe sein Sinn für klare Atmosphäre ausgebildet wurde. Auch wird sich kei- ner rühmen, ein vollendetes und lockeres Laubwerk zu malen, als Scheuren. Er steht somit unter den Düsseldorfer Landschaft- ern ganz eigenthümlich da. Bei diesen ist nach Püttnann'schen Scheuren zu kurz abgefertigt, die Atmosphäre gewöhnlich melancholisch, oft der poetische Zauber sanfter Wehmut aus- gegossen; Vor- und Mittelgrund, mit der fast immer der Land- schaft analogen bedeutungsvollen Staffage, ist ihnen, die selben, während Fernen nur etwa als Gegensatz oder nebelumhüllt, schöne Linien und Fernen nur selten vorkommen. Reines Gefühl und tiefes Naturstudium weist sie auf kleine Wald- und Gebirgs- partien, Bergthäler etc. hin. Scheuren liebt das Freie, den heil- tern Himmel und Farbenreiz, und besitzt überdies die Vorzüge dieser Schule. Daher kommt es, dass man seine Bilder öfter jenen der geprieseneren Meister derselben Schule vorzieht. Die Gemälde dieses Künstlers sind in verschiedenen Besitz übergegangen, und deren erwähnen wir in chronologischer Ord- nung: Aussicht aus der Burg Elz, 1834 vom Düsseldorfer Kunst- verein angekauft; die Ritterburg im Schnee; die Vätergruft nach Uhlands Gedicht 1835; sumpfige Landschaft mit Eichen, eines der vollendetsten Bilder; das Winterbild von U. L.; F in Wesel, völlig Wahrheit und Empfindung; das Schloss am See, 1836; Landschaft mit Räubern im Gebirge (Fürst Wittgenstein in St. Petersburg); das Haus Broich zu Mühlheim a. d. Ruhr (Graf von Keller und Graf von Redern); die Kirche im Schnee; die Einsiedelei; Masaniello am Fusse des Vesuv 1837; grosse Morgenlandschaft, mit der Burg am See und mit Kriegern im Kahne, 1838 vom Leipziger Kunstverein gekauft; grosse Abendlandschaft mit Klosterruine und Mühle im Thale (Kunstverein zu Magdeburg); Herbstlandschaft mit Jagdschlösschen bei Nebel, (Dr. Lucanus zu Halberstadt); Sage Gegend an Strand bei stürmischer See, (Gräfin von Schauen- burg zu Dörf); die sterbende Abtissin in der Klosterhalle (Prin- zessin Friedrich von Preussen); Waldlandschaft im Herbste mit Jägern; Fischer am Strande (Kaufmann Weiss in Dresden); grosse schottische Landschaft mit der aufgehenden Sonne im Kampfe mit dem Nebel, mit Cromwell'schen Kriegern staffirt, eines der vorzüglich- sten Werke des Meisters (Hr. Detoya in Brüssel); Niederkassel bei Dörf, oder Dorfleben am Morgen (Dr. Zalling in Dörf); das Castell am Landsee, grosse Landschaft mit Zigeunern unter Eichen (Kunstverein zu Braunschweig); die Klause im Walde mit dem Eremiten; der Wald im Gewitter, grosse Landschaft mit Schutz- suchenden Hirten; Bauernhäuser mit Landleuten in Beschäftigung, Partie in der Liebfrauenkirche zu Oberwesel (Dr. Lucanus in Hal- berstadt), 1838; holländische Landschaft mit sterilem Vorgrund und Wasserspiegel, 1839; Winterlandschaft (König Ludwig von Bayern), 1840; rheinische Landschaft, 1841; Ansicht von Stolzenfels, prächt- iger Schluss über dem Strom und der Landschaft thrönend, eine der schönsten Veduten, die je existirte, ein Charakterbild des Rhein-

Darnn findet man von diesem Meister auch Zeichnungen in Aquarell, ebenso geistreich, als mit Sicherheit behandelt, von un- gemeiner Kraft der Färbung. Solche Zeichnungen sind in den Sammlungen reicher und hoher Kunstfreunde. Achtzehn Zeich- nungen fertigte er 1842 für die Buchhandlung Arnz und Compagnie in Düsseldorf, welche ein Prachtwerk mit lithographirten Bildern und Randzeichnungen herausgab, unter dem Titel: Gebete im Gei- ste der katholischen Kirche, von Pfarrer Grünmeyver. Mme. St. Ilke fertigte 64 Zeichnungen dazu. Die Abdrücke sind in Gold, Silber und Farben. Ein früheres Werk nach Zeichnungen dieses Mei- sters erschien von 1835 an in Cöln; das Nahe Thal. Von dem Ur- sprung der Nahe bis zu ihrer Mündung in den Rhein. Nach der Natur aufgenommen von J. C. Scheuren, lith. von A. Borum und A. Brandmayer.

Das oben erwähnte Bild der Vätergruft nach Uhland wurde von G. Osterwald 1835 für den Hannoverschen Kunstverein li- thographirt. Auch in den Hannov. Kunstblättern 1835 Nr 1. ist es abgebildet.

Im zweiten Bande der Lieder eines Malers (Reinick), Düssel- dorf 1834, gr. 4. ist ein eigenhändig radirtes Blatt von ihm.

Die Capelle von L. Uhland. Scheurer, Franz, s. Scheyerer. Scheurer wird er irrig genannt.

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