Schellenberg, Johann Rudolph

Schellenberg, Johann Rudolph, Maler und Kupferstecher , geb. zu Konstanz 1740, war der Sohn des obigen Künstlers und Schüler

desselben, da sich in Rudolph schon frühe ein entschiedenes Ta- lent zur Kunst aussprach. Aus der Schuüle getreten übte er sich mit allem Fleisse im Zeichnen, und er konnte sich bereits. durch Portraitmalen ein mageres Brod verdienen, als ein schwerer Fall von einer Schaukel herab ihn auf Jahre lang zurücksetzte. Denn der Sturz, auf den Kopf hatte ihn so verletzt, dass er Monate lang ohne Besinnung lag und sein Gedächtniss war so gänzlich zu _ Grunde gerichtet, dass er wieder anfangen musste, wie ein Kind lesen und schreiben zu lernen. Nur das Zeichnen vergass er nicht, er musste es aber mit der linken Hand thun, weil die Rechte ge- rume Zeit von dem Falle gelähmt blieb. Nach erfolgter Gene- sung begab er sich nach Basel und malte dort Portraite, Historien und Landschaften , Von den ersteren geriethen ihm meistens die in oder unter halber Lebensgrösse gemalten am besten. Sie vor- binden mit richtiger Zeichnung und sprechender Ähnlichkeit ein reines und markiges Colorit. Er malte auch viel solche kleine Bil- der in ganzer Figur, wobei er nach dem Geschmacke damaliger Zeit alle Frauenzimmer zu Schäferinnen und alle Männer zu Garten- liebhaber und Blumenisten machte. Sie erscheinen in theatrali- scher Kleidung in einer Idyllenwelt. Besser als diese Modestücke sind seine Studien, die er von Bauern und Bauernmädchen dorti» ger Gegend in grosser Menge verfertigte, mit so treuer Wahrheit und mancherlei Kunst, dass man sie kaum für die Arbeit dessel- ben Mannes, der die zaghaften Schäfertümpelchen machte, hal- ten könnte. Diese Compositionen wurden häufig von Fremden ge- kauft, während die Schäferstücke liegen blieben. Schellenberg hatte nicht das Glück, Italien zu sehen, und so empfand er das. Hohe ' der Kunst nur in dunkler Ahnung; seine Erfindsamkeit war aber desto geschäftiger in Kleinen. Er zeichnete sich besonders in Nacht-

  • stücken, spielenden Kindern und ländlichen Scenen aus, von de- nen die meisten ins Ausland gingen. Dann brachte er auch mehr

A » Schellenberg, J. Rud.

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rerz Monate beim Canonicus Gessner in Zürich. mit Verfertigung naturhistorischer Zeichnungen zu, was die Liebe zur Naturge- schichte erregte, die er unter Gessner's Anleitung fürmlieh stu- dirte. Er verfertigte auch eine Sammlung entomologischer Zeich- nungen in Wasserfarben, welche auf 2000 Blätter gebracht waren, und um eben so viel Gulden in den Besitz des Churfürsten Carl . Theodor von Bayern kamen. ;

Schellenberg lebte ein eben so glückliches als geachtetes Le- ben, als er sich aber verheirathete , empfand er die Sorge um ei- nen reichlicheren Erwerb. Diesen fand er hauptsächlich bei Buch- händlern, welchen er Kupfer zu ihren Verlagsbüchern radirte. Sein Leben nahm nun einen sehr einfachen Gang. Er fixirte sich für immer in seiner Vaterstadt, und wartete da auf Bestellungen aus der Ferne, die auch nicht ausblieben. Seine ersten kupfersteche- rischen Arbeiten von einigem Belang finden sich in J. C. Füssly's Geschichte der besten Künstler in der Schweiz. Zu dieser Zeit machte er auch eine kurze Reise in der Schweiz, im Auftrage Au- dreä's aus Hannover, für welchen er Prospekte aufnahm und ver- schiedene Naturmerkwürdigkeiten zeichnete, wovon nachher ein Theil in dessen Briefen aus der Schweiz (1763) gestochen wurden,

Die Platten, welche er für Basedow's Elementarwerk bearbei- tete, brachten ihn mit Chodowieki in einen freundschaftlichen Brief- wechsel, den Basedow stellte aber der Künstler später in einer reichen satyrischen Composition als Zecher in einer nicht sehr

pädagogischen Gesellschaft dar. Diese Zeichnung besass Antistes V'eith. S. Weigel's Catalog von dessen Sammlung. Leipzig 1835 S. 48. Durch seine biblischen Geschichten über das alte und neue Testament in Kupfern, die in den siebziger Jahren herauskamen, wurde er mit Lavater bekannt, der ihn einige kleine Stücke zu

— seinen frühern Erbauungsschriften stechen liess, und dann zu sei-

nem grossen physiognomischen Werke vielfältig brauchte, auch bis an sein Ende sich seiner als Zeichner zu seinem physiognomi- schen Kunstkabinet bediente. Auch verdient eine Folge von acht kleinen Blättern angeführt zu werden, die er Railleries betitelte, weil sie von seinem kurzweiligen Humor zeigen, der ein charakte- ristischer Zug durch sein ganzes Leben war. Seine satyrischen Zeichnungen verdienen alles Lob; er bewahrte in seinem Portefeuille manche Grimasse einzelner Thoren, auch Lächerlichkeiten ganzer Gesellschaften und Volksversammlungen. Launig sind auch seine Erscheinungen des Freund Hein, ein Todtentanz in 24 Bl., die 1785 mit Versen von Musäus begleitet herauskamen. Das erste Werk, worin Schellenberg, zwar noch mit unsicherer Radiercnadel, aber als Kenner und charakteristischer Zeichner im entomologi- schen Fache auftrat, waren Sulzer's Kennzeichen der Insecten, wel- chen dessen abgekürzte Geschichte der Insekten folgte. Von die- sen beiden Werken existiren einige von Schellenberg selbst illumi- nirte Exemplare von ausserordentlicher Schönheit.

Auch in mehreren anderen entomologischen und botanischen Werken sind Platten von diesem Künstler. Dann malte er auch Frucht- und Blumenstücke in Wasserfarben, zuerst kleine, dann erheblichere Compositionen in der natürlichen Grösse der Gegen- stände, welche er schildern wollte. Wohlgeordnet und mit male- rischer Hinsicht auf Farben stellte er Blumen und Früchte zusam- men und Hess Insecten, zwischen und an denselben herumkriechen, eine Arbeit, die er bis an sein Ende fortsetzte, und die vielen Beifall fand. Seine naturhistorischen Darstellungen sind getreu und durchaus

  • trefflich in Farben ausgeführt. In seinem Nachlasse befand sich

Schellenberg hatte einen erfinderischen Geist, der mit Freiheit und Feuer schuf. Er liebte das Kühne, Markige, Charakteristi- sche in der Zeichnung und in den Farben, aber das erhabene stille Schöne, welches er nie gesehen hatte, blieb ihm fremd. In meh- reren Bildern, besonders in Landschaften und Thieren aus seiner besten Zeit erinnern sie vollkommen an die Werke des damals berühmte- ten Huber. Trefflich sind seine Zeichnungen in Tusche, Sepia und Rothstein. Er starb zu Töss bei Winterthur 1806.

Zu den vorzüglichsten Blättern dieses Künstlers gehören folgende, welche wir theilweise schon oben erwähnt haben. Die zahlreichen entomologischen Arbeiten zählen wir hier nicht auf, sie sind in verschiedenen Werken zerstreut. Dann haben wir von ihm selbst: Kurze Abhandlung über die Aetzkunst. Mit KK. Win- terthur 1705. 8.

  1. Des Künstlers eigenes Bildniss, 8. R. Weigel besitzt dessen Bildniss in Kreidezeichnung, und auch J. Ulrich Schellen- berg hat ihn gezeichnet.

  2. Moses Mendelssohn, nach Chodowieckiy, 1.

  3. Johann Bernhard Basedow, nach eigener Zeichnung, 8.

  4. Daniel Chodowiecky, nach eigener Zeichnung, 8.

  5. Mme. Graf, geborne Sulzer, nach A. Graf, für Lavater's Phy- siognomik, 8.

  6. Pfenninger, für dasselbe Werk und nach eigener Zeich- nung, 8.

  7. Andreas Zingg, Medaillon vom Genius gehalten, nach Zingg, 8.

  8. Heinrich Waser, enthaupteter Prediger in Zürich, nach Braunschweiler 1780. 8.

  9. Anton Graf; Büste nach diesem. 8.

  10. Kleinjogg, ein Bauer des Canton Zürich, Socrates rusticus genannt. 4.

  11. Die meisten Bildnisse und Vignetten in J. C. Füssly's Ge- schichte der besten Künstler in der Schweiz. 4 mit 132 Bildnissen. Zürich 1790 — 79. gr. 8.

  12. Die Bildnisse zu Lavater's physiognomischen Fragmenten, nach Chodowiecky's Zeichnungen, 1.

  13. Biblische Geschichte des alten und neuen Testaments für Kinder, theils nach eigenen, theils nach anderen Erfindun- gen. 60 Bl. mit Erklärungen von Lavater. Winterthur 1775. Die neue revidirte Ausgabe ist von 1826. gr. 8.

  14. Freund Hein's Erscheinungen in Holbein's Manier (mit Text von J. K. A. Musäus). 25 Blätter. Winterthur 1785. gr. 8.

  15. Dreizehn geistreich gezeichnete und radirte Darstellungen aus Cervantes Don Quijote. 8.

  16. Darstellungen aus Gellert's und Lichtwer's Fabeln: Recueil des Fables. 20 Blätter, 8. Diese Folge gehört zu den bes- sern Werken des Künstlers,

  17. Eine Folge von 8 humoristischen Darstellungen: Différentes Railleries betitelt, qu. 8.

  18. Zwei Männer am Tische, wovon der Jüngere dem Aelteren einen Brief vorzulesen scheint, nach M. Osteri. 4.

  19. Zwei Gatten vor dem Bette des kranken Sohnes, links die Magd mit einer Schüssel, nach M. Osteri, 4.

  20. Studien für geübtere Anfänger, ein Dutzend neue abwech- selnde Gegenden, 1778. 8.

  21. Folge von 12 Prospekten aus der Schweiz, 1779 nach der Natur gezeichnet und radirt. 4.

  22. Folge von 6 Prospekten aus der Schweiz, nach Wolf, 4.

  23. Der Rheinfall bei Schaffhausen, qu. 4.

  24. Das Hospitium auf dem St. Gotthard, qu. 4.

  25. Der Wasserfall zu Fyers, qu. 4.

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