Scheffer von Leonhartshof, Johann, Historienmaler , wurde zu Wien von adeligen aber armen Eltern geboren, welche den glühenden Eifer des Sohnes für Malerei und Musik nicht zu stillen im Stande waren. Seinen ersten Unterricht ertheilte ihm da- her ein handwerksmäßiger Maler, Namens Kreithner, aber nur in den Stunden, welche ihm die gemeinen häuslichen Arbeiten, de- nen er sich unterziehen musste, frei liessen. In dieser peinlichen Lage traf ihn aber der Graf von Salm-Reiffenscheid, Cardinalbi- schof von Gurk, und wurde von der Liebenswürdigkeit und dem vielversprechenden Talente des Knaben so eingenommen, dass er väterlich sein Schicksal ordnete. Er liess ihm einen regelmäßigen Unterricht ertheilen, und belohnte ihn für die Bilder, die er lie- ferte, freigebig. Diese Jugendwerke tragen nicht das Gepräge des damals noch üblichen akademischen Zwanges; Scheffer ist einer derjenigen Meister, welche die von Overbeck u. A. bezeichnete Bahn einschlugen, und dieselbe nie verliessen. Über die Reaction, welche dieses Streben damals in Wien hervorbrachte, haben wir im Leben Overbeck's benachrichtigt, und hier bemerken wir nur, dass Scheffer nach der Abreise jenes Meisters, obwohl noch jung, der geniale Träger und Fortpflanzer des Overbeck'schen Kunststre- bens war; denn die idealistische Schule behauptete in Wien , trotz des Widerpartes noch lange ein entschiedenes Übergewicht. Scheffer war aber ebenfalls in Italien , schon als Jüngling von 10 Jahren, da ihn der edle Cardinal fortwährend unterstützte. Damals ver- lebte er in Venedig seine ersten glücklichen Tage; sein erster Auf- enthalt in Italien währte aber nicht lange, da ihn sein Gönner, der Fürst-Bischof, nach Klagenfurt einlud, um einige Gemälde aus- zuführen. Unter diesen rühmte man besonders ein Altarblatt mit dem heil. Andreas und eine Copie nach Guido Reni. Im Jahre 1817 reiste Scheffer auf Kosten des Fürsten zum zweiten Male nach Ita- lien, jetzt nach Venedig, Mailand, Florenz, Rom, Neapel und Sicilien. Seine hervorleuchtenden Verdienste und vermögende Em- fehlung erwarben ihm die seltene Gunst, den Papst Pius VII. un- ter Gewährung seiner persönlichen Gegenwart malen zu dürfen, und mit dem Christusorden geziert kehrte er in die Heimath zu- rück, wo er von einer gewissen Unruhe getrieben im Winter des Jahres 1833 ankam. Jetzt verfiel er zu Klagenfurt in eine gefähr- liche Krankheit, die sich aber glücklich wieder hob, so dass der Künstler an die Ausführung jenes Bildes gehen konnte, welches 1820 auf der Kunstausstellung in Wien eine Theilnahme und eine Bewunderung erregte, wie sie seit Jahren unbekannt gewesen war.
Scheffers. — Schefflers „Die heilige Cäcilia, in deren Orgelspiel Engel singend mit einstimmen". Dieses Bild kaufte der Herzog Albert von Sach- sen-Teschen, und dann ging der Künstler, mit Unterstützung des Kaisers zum letzten Male nach Rom, wo ihn ein begeisterter Ver- ein von deutschen Künstlern als einen von gleichem Gluthe be- seelten Bruder begrüsste. Während dieses belebenden Aufenthaltes in Rom entstand das lebensgroße Bild der sterbenden St. Cäcilia, von zwei Engeln betrauert, jetzt in der Gallerie des Belvedere zu Rom. Es ist eine herrliche Schöpfung, von so schöner Composi- tion, von solcher Zartheit des Gedankens und Innigkeit des Ge- müths, wie man sie nur bei Rafael findet. Zu dieser Darstellung begeisterte ihn eine berühmte Statue des Stefano Maderno. Die Heilige liegt da, im Nacken von drei Todesstreifen getroffen, und ein Engel fächelt die gefalteten Hände segnend empor, während der andere mit dem Palmzweig herabschwebt, und beide das Amt der Glaubensstärkung und des Empfanges rührend und anmutig ver- richten. Die Stelle der Hinopferung ist Landschaft; das Haupt der Heiligen in duftende Blumen gesunken. Dieses Bild hat gleich nach seiner Ankunft in Wien die allgemeine und lebhafte Bewun- derung erregt; denn nach mehreren unfruchtbaren Jahren sah man endlich wieder ein Werk echter Kunst, welches die kleinen Min- del, die dem Bilde anhaften, vergessen macht. Scheffer starb, bevor er seine volle Ausbildung erlangte, und namentlich in der Zeich- nung jene Sicherheit erreichte, welche der Kenner fordert. Be- trachtet man aber den sanften, innigen, seelenvollen Ausdruck sei- ner Werke, dann schweigt jede anderweitige Forderung. Die bei- den genannten Bilder sind die Hauptwerke des Meisters, doch von großer Schönheit auch noch andere, wie die Madonna, mit dem Kinde in einer Landschaft, eine solche im Kniestück, im Besitze des Grafen Saurau, ein lebensgroßer Kopf der heil. Catharina, die heil. Ludovica u. a. Zahlreich sind seine Werke nicht; denn der Künstler starb 1822 in der Blüthe der Jahre. Strenge, ernste Cha- raktere wählte er nicht. Sein liebfülltes, reines Herz trieb ihn besonders zu solchen religiösen Darstellungen, die dem inneren Drange entgegen kamen, und wenn er den Gedanken einmal er- fasst und ihn im Bilde auszuprägen begonnen hatte, schien er sich wie von selbst in seinem Elemente aufzulösen. Scheffer wäre gewiss eine der ersten Zierden der deutschen Kunst geworden. Stahl hat seine orgelspielende Cäcilia in Kupfer gestochen, als Kunstvereinsgeschenk von 1857.
Dann erwähnen wir von der Hand dieses Künstlers folgende Blätter:
- Das Portrait eines Mannes, angeblich das eigene des Künst- lers, erster Versuch im Radiren, mit J. S. bezeichnet. Auf anderen Werken des Meisters steht auf dem Täfel- chen ein Lamm.
- Die sterbende heil. Cäcilia. Gemalt und auf Stein gezeichnet von J. Ritter Scheffer von Leunards auf den 22. Nov. 1821. Mit Ton gedruckt, und sehr selten, gr. qu. fol.
Scheffers nennt Weyerman einen Maler von Utrecht, der unter Leitung des Ant. Verio ein tüchtiger Historienmaler wurde. Die- ser Scheffers lebte längere Zeit in London, und somit ist er mit jenem Scheffer eine Person, der nach Walpole unter Karl II. ar- beitete. Weyerman setzt seine Blüthezeit um 1720,
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