Scheffer, Henry, Historien- und Genremaler, Ary's Bruder, wurde 1700 zu Rotterdam geboren, und unter dem Einflusse seiner Mut- ter und seines Bruders zum Künstler herangebildet. Wir haben über dieses Verhältniss schon im Artikel des Ary Scheffer gespro- chen und bemerken hier nur, dass auch Henry einer der ausge- zeichnetsten Meister der neueren französischen Kunstrichtung ist, wenn er auch nicht auf gleicher Höhe mit seinem Bruder steht. Er malt Bildnisse, Historien- und Genrebilder, doch nicht mit
gleicher Meisterschaft. Im Kunstblatte ; heißt es, dass seine Porträts, immer von treuer und sehr delikater Ausführung, öfter kalt und gelehrt erscheinen. Er besitzt auch nicht hinlänglich Kraft und Energie zum Historienmaler. Dagegen ist er nach der Angabe im genannten Kunstjournal in Scenen aus dem Familien- leben, in denen überall seine protestantische Gemütsrichtung her- vortritt, in seinem eigenthümlichen Elemente. Er bewegt sich da- rin mit ungemein mehr Leichtigkeit und Talent, obgleich er auch im historischen Fache Vortreffliches zu leisten im Stande ist. Es herrscht in diesen Bildern, wenn auch nicht immer, ein tiefer, doch meistens ein eigenthümlicher Geist, eine treue, schlichte Auffassung, eine klare, aber wie gewöhnlich kalte Färbung, und ein sehr sauberer Vortrag. H. Scheffer ist seit 1824 ein bewunder- ter Künstler . Seine ersten Werke gehören dem Gebiete der Hi- storie an, und dann lieferte er einige Genrebilder, welche durch die Gesellschaft der Kunstfreunde in verschiedene Hände übergin- gen. Die Zahl seiner kleineren Genrebilder ist ziemlich bedeu- tend. Der Künstler ist darin mit D. Wilkie zu vergleichen. Von seinen früheren Darstellungen anderer Art ist die Verhaftung der Charlotte Corday nach der Ermordung Marat's die bekannteste, und seit 1830 neben einer Ueberschwemmungsscene in der Galle- rie des Luxembourg zu sehen. Dass Scheffer auch als Historiker Bedeutendes zu leisten vermöge, beweiset seine Schlacht bei Cas- sel, ein schreckliches Handgemenge, wo geharnischte Ritter auf gepanzerten Pferden schlecht bewaffnete Bauern vernichten. Es fielen damals 16000 Holländer, Dieses bis in die geringsten Ein- zeinheiten fleissig ausgeführte Bild voll Leben und Bewegung sieht man seit 1837 im historischen Museum zu Versailles. Hierauf malte er die protestantische Predigt nach der Zurücknahme des Ediktes von Nantes, ein Werk, welches ihm eine ehrenvolle Stelle neben den ersten französischen Malern sichert. Weniger gefiel 1842 sein Christus bei Martha und Maria, ein Gemälde, das unter den re- ligiösen Darstellungen der modernen Schule keine hohe Stelle ein- nimmt. Dagegen fand auf demselben Salon ein Genrebild nach Göthe's Hermann und Dorothea viele Verehrer. Dieses figurenrei- che Bild mit den mannigfaltigsten, theilweise glücklichen Motiven, sehr sorgfältig gezeichnet, fleissig aber in einem sehr kalten Tone durchgeführt, gibt die Scene, wie Dorothea in der Scheune von der Wüchnerin, deren geretteten Kindern und den übrigen Vers- triebenen Abschied nimmt, Unter Scheffer's Bildnissen wurde 1837 besonders jenes des be- rühmten Physikers Arago gerühmt, als ein Werk, welches allen Anforderungen körperlicher und geistiger Achnlichkeit genügt, als Bild der unergründlichen Thätigkeit eines Forschergeistes. Von grosser Schönheit ist auch das Portrait von H. de Belleyme, wie gewöhnlich mit grosser Feinheit behandelt. Die von diesem Mei- ster ausgeführten Bildnisse sind ziemlich zahlreich, aber nicht alle bekannt und gleich merkwürdig. Im historischen Museum zu Ver- sailles sind von ihm die Bildnisse des Claude de Beauvoir (gest. 1452), des Amaury de Montfort (gest. 1241), des Blaise de Mon- tesquiou Montluc (gest. 1577), des Jean du Caylar, Marquis de Toiras (gest. 1636). Henry Scheffer wurde 1837 Ritter der Ehren- Legion. Einige seiner Werke sind auch im Stiche bekannt. Die Schlacht von Cassel ist von Piccot sen. für Gavard's Gall. hist. de Versailles in Stahl gestochen, und in diesem Werke erscheinen auch die zu- jetzt genannten historischen Bildnisse in Abbildung. Sein berühm- tes Gemälde der Charlotte Corday stach Sixteniers in Aquatinta,
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_nAVVAAAAcAAJ/