Scheffauer, Philipp Jakob von

Scheffauer, Philipp Jakob von, Bildhauer, geb. zu Stuttgart 1756, erhielt seine Schulbildung daselbst an der Militär-Akademie, der nachmaligen hohen Carlsschule, wo sich in ihm entschiedenes Talent für die Bildhauerei offenbarte. Er gewann siebenmal den Preis, und gelangte bereits in Stuttgart zu einer für damalige Zeit ungewöhnlichen Stufe der Ausbildung. Der Herzog ernannte ihn daher schon 1780 zum Hofbildhauer, und ertheilte ihm darauf die Erlaubniss zu einer Kunstreise. Zuerst ging Scheffauer nach Paris , wo er neben Dannecker unter Pajou's Leitung den eifrigsten Studien oblag, und einen Preis im Modelliren nach dem Leben erhielt; allein Scheffauer sah bald ein, dass für die Plastik in Frankreich noch kein Heil sei, und begab sich nach Italien . In Rom traf er mit Dannecker zusammen, welcher daselbst bereits jenen Weg betreten hatte, der ihn zum Ruhme führte, und auch Schef- fauer's Genius wurde in Rom entzündet. Er studierte da mit Eifer die antiken Bildwerke, zeichnete viele derselben, modellirte nach der Natur, und fertigte während seines sechsjährigen Aufenthaltes in Rom Werke, welche bereits die Morgenröthe eines besseren Geschmackes in der Bildhauerkunst verkünden. Scheffauer gehört überhaupt zu den tüchtigsten Künstlern seiner Zeit, und bei längerem Leben hätte er sicher neben Dannecker und Thorwaldsen einen rühmlichen Namen erworben. Er hatte Sinn für Schönheit der Form und für Naturgemässheit. Beweise dazu liefern zahlrei- che Werke dieses Meisters, besonders jene seiner späteren Zeit, die im Vergleiche mit den früheren in glänzendem Lichte erschei-

nen. Zu seinen früheren Arbeiten in Rom ge- hören die Statuen des Winters und Sommers, in halber Lebensgrösse für seinen Lan- desfürsten ausgeführt. Diese Bilder fanden ausserordentlichen Bei- fall, und man behauptete auch noch später, dass sie allein hinrei- chen würden, dem Meister einen dauernden Namen zu sichern, Später fertigte er eine sechs Fuss hohe Statue der Dichtkunst, wel- che für das neue königliche Schloss bestimmt war, und in Meusel's Neues Museum 1704 S. 368 über "die Massen gerühmt wurde, Hierauf modellirte er eine schlafende Venus, welcher Amor den Schleier aufhebt, die er dann vier Schuh lang in Marmor aus- führte. Dieses reizende Werk kam in den Besitz des Königs Hie- ronymus von Westphalen, der auch eine schöne Gruppe von Amor und Psyche von ihm besass. Von Statuen nennen wir dann auch noch jene der Hebe und des Ganymed, und die niedlichen Bilder zweier Musen, mehrere andere in Gyps nicht gedenkend.

Noch zahlreicher als die Standbilder sind seine Basreliefs, wor- unter jenes der Comödie und Poesie in Rom komponirt und zu Stuttgart in Marmor ausgeführt wurde, und neben einem anderen mit Theseus und Ariadne zu den besten Werken des Meisters ge- hört. Auch letzteres ist in Marmor ausgeführt, 3 Sch. 54 Z. hoch., Kleiner als dieses Basrelief ist jenes, welches Orestes und Klytem- nestra mit dem todtm Egesth darstellt. In einem anderen Basre- lief erscheinen drei halb lebensgrosse Köpfe in Medaillons mit al- legorischer Einfassung, welche Weisheit, Liebe und Wein vorstel- len. Von zwei weiteren Basreliefs in Rundungen von 2 F. Durch- messer, welche im Besitze der Königin von Westphalen waren, zeigt das eine Amor und Psyche, das andere Bacchus und Ariadne, Orest, wie er der Elektra seinen vorgeblichen Aschenkru über- gibt, Ariadne und Pythos, Perseus mit dem Medusenhaupte, und Achil- les, wie ihm die Asche des Patroklus gebracht wird, sind die Ge- genstände vier anderer Basreliefs. Zu Scheffauer's letzten Werken dieser Art gehören die Hochreliefs der Ariadne auf Naxos trauernd, und die über Phaon's Untreue in Schmerz versunkene Sappho.

Dann findet man von Scheffauer auch einige Grabmonumente, wie das Denkmal Zollikofers, 6 Schuh hoch, und im Auftrage der Herzogin Francisca von Württemberg gefertigt; das Denkmal Klopstock's, welches dessen hinterlassene Wittwe fertigen liess; ein Denkmal, durch welches der Herzog von Württemberg erprobte Treue ehrte, umrissen im Morgenblatt 1807 S. 807. Von den Bü- sten, welche dieser Künstler ausführte, nennen wir jene des letzten Herzogs von Württemberg, des Professors Oberthür von Würzburg, die Porträts des Churfürsten Maximilian von Bayern und seiner Familie, die Büste Kepler's, im Auftrag des Kronprinzen von Bayern für dessen Walhalla gefertigt, die letzte Arbeit des Künstlers, und eine der trefflichsten, die er hinterlassen hat.

Scheffauer wurde 1780 Professor der Bildhauerkunst an der hohen Carlsschule. Später ernannte ihn der König von Württemberg auch zum Hofbildhauer und zum Ritter des Civilverdienstordens. Im Jahre 1808 starb dieser treffliche und hochgeehrte Künstler,

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