Schaubert hatte bei seinem vieljährigen Aufenthalte in Griechenland auch Gelegenheit und Mousse zur Anfertigung der genauesten Zeichnungen nach den merkwürdigsten architektonischen Ueberresten. Er war mit L. Ross bei den Ausgrabungen und Untersuchungen auf der Akropölis, und nahm genaue Zeichnungen von den Propyläen

Schaubert hatte bei seinem vieljährigen Aufenthalte in Griechenland auch Gelegenheit und Mousse zur Anfertigung der genauesten Zeichnungen nach den merkwürdigsten architektonischen Ueberresten. Er war mit L. Ross bei den Ausgrabungen und Untersuchungen auf der Akropölis, und nahm genaue Zeichnungen von den Propyläen, dem Erechtheion, dem Tempel der Nike Apteros u. s. w. Der Tempel der Nike wurde unter seiner und des Architekten C. Hansen's Leitung wieder hergestellt. Ueber diese Unternehmungen gaben die beiden Architekten mit dem Archäologen Professor L. Ross ein eigenes Werk heraus, wovon die erste Abteilung 1839 in Berlin erschien, unter dem Titel: die Akropolis von Athen nach den neuesten Ausgrabungen. I. Abtheilung, der Tempel der Nike Apteros. Von L. Ross, E. Schaubert und C. Hansen. Mit einer Ansicht des Niketempels während seiner Wiederaufrichtung, 12 Kupfertafeln mit architektonischen und Reliefs-Darstellungen, Vignetten, etc., roy. fol.

Dann wurde unter Schaubert's technischer Leitung auch das Parthenon von fremden Zuthaten gereinigt, namentlich die türkische Mouschee im Inneren desselben weggeräumt. Bei dieser Gelegenheit zeigten sich innerhalb der Cellamauer, dicht am Rande der viereckigen Vertiefungen in der Mitte des Tempels, unverkennbare Spuren der antiken Säulen, und aus dieser interessanten, dem Architekten Schaubert gebührenden Entdeckung dürfte die Existenz eines Hypäthron im Parthenon ausser Zweifel seyn, und die erwähnte Vertiefung als Impluvium genommen werden. Auch scheint es keinem Zweifel mehr unterworfen zu seyn, dass die doppelte Säulenreihe im Tempel, die als antik erklärt wurde, byzantinischen Ursprungs, und behufs der Einrichtung der christlichen Kirche eingebaut wurde. Zu dieser Annahme berechtiget auch die rohe Bearbeitung und die plumpe Befestigung der Säulen im Fussboden vermittelst Eingiessung von Blei, welches letztere sonst bei keinem Bauwerke aus der guten Zeit vorkommt. Vergl. Kunstblatt 1843, Nr. 12, S. 52.

Zu den letzten, von Schaubert in Griechenland unternommenen Werken gehört der Plan zum Monumente des berühmten Archäologen Ottfried Müller, welcher auf einer Reise in Griechenland starb. Es ist dies eine antik gearbeitete Grabsäule mit Ornamenten aus pentelischem Marmor, welche 1812 auf dem Grabe des zu früh verschiednen Gelehrten gesetzt wurde. Im Jahre 1843 legte König Otto den Grundstein zu einer neuen, in Athen gebauten Gemeindekirche. Den Plan fertigten Schaubert und Hansen in rein byzantinischem Style. Dann ist von Schaubert auch der Plan zur neuen Sternwarte, welche 1843 auf dem Nympheinhügel zu Athen in griechischem Style gebaut wurde. Es ist Pilasterarchitektur angewendet, und Kreuzesform, mit einer Kuppel in Mitte. Das Ganze verdankt man der grossartigen Liberalität des Baron von Sina in Wien, der durch Verwendung des Herrn von Prokesch die Fonds anwies.

Der Architekt Schaubert bekleidete in Athen die Stelle eines königlichen Ober-Bau- und Ministerialrathes. Er lebte in Griechenland mit Begeisterung seiner Kunst und der Erforschung der Denkmäler des classischen Alterthums; doch manche trübe Erinneung begleitete ihn beim Abzuge von seinem Schauplatze. So wie alle Deutsche, so verliess in neuester Zeit auch Schaubert Hellas. Im Jahre 1844 kam er in Rom an.

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