Schaller, Ludwig, Bildhauer, der Sohn des obigen Künstlers, wurde zu Wien geboren und an der Akademie daselbst zur Plastik an- geleitet, da er schon frühe ein entschiedenes Talent zu dieser Kunst äußerte. Mit dem akademischen Preise beehrt, welchen ihm seine Statue des Perseus mit dem Medusenhaupte erwarb, begab er sich zur weiteren Ausbildung nach München , wo Schaller im Ver- laufe von wenigen Jahren den Ruf eines ausgezeichneten Künst- lers seines Faches gründete. Zu seinen ersten Werken gehören einige Büsten, worunter jene der Königin Therese von B. in grossem und kleinem Formate besonderen Beifall erhielt. Hierauf erhielt er vom Könige den Auftrag, zwei Säle der Pinakothek mit Basreliefs zu verzieren, deren Inhalt im Allgemeinen aus dem Leben Berühmter Maler genommen wurde. Schaller hatte die Aufgabe, in dem er- sten Saale den Jan van Eyck, und in dem anderen Dürer und Holbein bildlich einzuführen. Um diese Zeit entstanden auch ei- nige Statuen in Gyps, wie jene des Heilandes, der Euridice, der Psyche und der Hygea . Von ausgezeichneter Schönheit, und Ur- sache zu zahlreichen Bestellungen sind vier Reliefs, welche in Run- dungen Sternbilder darstellen, nämlich die Jungfrau mit dem Si- rius, den Hesperus, den Morgenstern und die Locken der Bäre- nike. Diese schön gedachten und im ernsten würdigen Style be- handelten Reliefbilder zieren das neue Akademie-Gebäude in Carls- ruhe. Sie sind auch in mehreren Gypsabgüssen vorhanden. Zwei Exemplare kamen nach Wien, eines besitzt der Hofrath Dr. Theierschl, ein anderes der geheime Rath v. Ringseis in München. Die bei- den ersten dieser Bilder sah man zuerst auf der Münchner Kunst- ausstellung 1832, und sie gefielen so allgemein, dass dem Künst- ler ein ähnlicher Auftrag für den Königsbau in München zu Theil wurde. Man sieht da an der Decke des Schlafgemaches der Königin vier Basreliefs, welche die Baukunst, die Malerei, die Plastik, und die Naturwissenschaft vorstellen. Im Akademiegebäude zu Carls- ruhe ist auch ein unter Aufsicht von Schwind nach Schaller's Com- position gemalter Fries mit ungefähr drei Fuss hohen Figuren, die olympischen Spiele nach Pindar vorstellend. Das Ganze ist im hetrurischen Style behandelt, die Figuren roth auf braunem Grunde.
Eben so reiche Compositionen unternahm Schaller auch für das neue Museums - Gebäude in Pesth, wo das Giebelfeld und ein langer Fries Beweise seines fruchtbaren Talentes liefern. In Mitte des Giebelfeldes sitzt die Pannonia, Lorbeer austheilend; Rechts kommt in Begleitung des Friedens die Kunst heraus, und als Eck-
bilde, dient die Donau. Dieser entspricht gegenüber als Eckfigur die Thais, und das Alterthum erscheint mit der Fama vor der Schutzgöttin. In sechs Nischen sind colossale Figuren, welche die Architektur, die Malerei, die Sculptur, die Naturwissenschaft, die Numismatik und die Bibliothek vorstellen. Die Figuren des in drei Abtheilungen bestehenden langen Frieses sind sieben Fuss hoch, und stellen die drei Kunstepochen Ungarns dar. Links vom Be- schauer sieht man den heil. Stephan, wie er von byzantinischen Baumeistern die Cathedrale von Stuhlweissenburg erbauen lässt, Die mittlere Abtheilung nimmt Mathias Corvinus und seine Ge- mahlin Beatrice ein. Vor ihm erscheinen die Meister mit den Mo- dellen der Kicsentreppe zu Wiserad und des silbernen Daches; dann sieht man die Bildhauer mit der Ausführung einer colossa- len Madonna und eines Capitäls beschäftigt, ferner die Königin mit Arcenas Sylvius, der sie auf einen jungen Italiener aufmerksam macht, welcher einen Baum im Topfe trägt, um auf die, von dem Könige angelegten Zaubergärten hinzudeuten, und in den Ecken erscheinen der Maler und seine Schüler mit dem Bildnisse des Kö- nigs. Die dritte Abtheilung schildert die neue Epoche. Kaiser Fer- dinand und der Palatin von Ungarn, umgeben von einigen Gros- sen des Reiches, empfangen die Huldigung der modernen Kunst. Es erscheint der Architekt Pullak mit dem Modell des Museums, hinter ihm der Erbauer der Kettenbrücke in Pesth, dann der Ar- chitekt Hild mit dem Modelle des Domes in Erlau, der Bildhauer Ferraczi mit der Statue eines Christus, und der Graf Mailath mit seiner Geschichte von Ungarn, in welche der Bildhauer Ludwig Schaller blickt. 2
Dann müssen wir auch eines Werkes gedenken, welches nicht zur Ausführung kam, aber in allen Theilen als preiswürdig aner- kannt wurde; Es ist dieses das Projekt zu einem Monummente des Kaisers Franz I. von Oesterreich, wozu 1859 die Idee von Kaiser Ferdinand ausging, wie dieses das Programm zum Concurre besagt, Schaller stellte den Kaiser in römischer Toga sitzend dar, wie er das Volk segnet. Am Piedestal sollten vier colossale Statuen an- gebracht werden, welche die Wahlsprüche des Kaisers ausdrücken: Pax, Lex, Justitia Regnorum Fundamentum. Am Sockel erscheint der Kaiser stehend mit dem Scepter, umgeben vom Lehr-, Nähr- und Wehrstande. Schaller erhielt unter zwölf Concurren- ten den Preis, und als man endlich das Project aufgab, wurde ihm ansehnliche Entschädigung zu Theil.
Ferner müssen wir auch einiger Büsten dieses Meisters geden- ken, die von grosser charakteristischer Wahrheit sind. Vor al- len nennen wir deren vier, welche er im Auftrage des Königs von Bayern für die bayerische Ruhmeshalle ausführte, nämlich jene von Veit Stoss, Peter Canisius, Hans Burgkmair und Joachim Sandrart. Diese Brustbilder sind colossal aus Schlandersmarmor gefertigt. Dann nennen wir eine weibliche Büste, jene der Emma von Koch-Sternfeld, der schönen aber zu früh verblichenen Toch- ter des bekannten Gelehrten und Legationsrathes Koch - Sternfeld. Eben so meisterhaft, zu den besten Werken des Künstlers gehö- rend, sind auch die Reliefbilder zweier anderer Damen, der Gattin des Malers Friedrich v. Olivier und jener des Historienma- lers J. v. Schnorr. Neben den Büsten des Münzdirektors von Meye, des Dr. E. Duller und Spindler's nennen wir dann als eines der neuesten Werke dieser Art, und als eine der trefflichsten Arbeiten des Meisters die Büste des Baron Cotta des älteren, welche 1813 der Baron von Reischach fertigen ließ;
Ein anderes Denkmal, im Jahre 1812 vollendet, ist jenes des Grafen Leopold Stollberg-Stollberg, Kreishauptmanns in Salzburg. Dieses Monument bestellte der Cardinal Erzbischof Fürst Schwar- zenberg von Salzburg im Namen der Witwe und der noch un- mündigen Kinder derselben. Es ist eine Nische im altdeutschen Style nach der Zeichnung des Professors Metzger, in welcher eine Statue der heil. Jungfrau mit dem Kinde von weißem Marmor steht. Im Style der Sculptur hat sich Schaller weder die antike noch die mittelalterliche Kunst zum Muster genommen, sondern in eigener Weise dem religiösen Gefühle der Gegenwart zu ent- sprechen gesucht. Dieses 10 Fuß hohe Monument steht in Morzg bei Salzburg auf dem Wege nach Gastein.
Früher als dieses Werk, welches, wie das Müller'sche Denk- mal in Conception und Darstellung merkwürdig ist, sind zwei Statuen in den äusseren Nischen der Glyptothek zu München, de- ren Ausführung ihm 1840 übertragen wurde, dies sind die Standbilder des Prometheus und des Phidias. Ein kleines liebli- ches Werk ist ein Amor in Marmor, welchen der Künstler 1840 vollendete, und eine Statue der Hebe war damals noch im Gyps- modell.
Zu den neuesten Werken des Meisters gehören Statuen be- rühmter Dichter, die nach und nach die Zahl von 30 erreichen sollen, und an Lebendigkeit der Auffassung und an charakteristi- scher Schärfe zu den vorzüglichsten Leistungen dieser kleineren Gat- tung gehören. Bis jetzt sind die Statuen von Shakespeare, Hans Sachs, Dante, Petrarca, Göthe, Schiller, Jean Paul und Herder fer- tig, jene von Calderon, Tasso und Ariosto in Arbeit. Herder war zum zweiten Male der Gegenstand seiner Begeisterung, da im Jahre 1814 Dr. E. Förster in der allgemeinen Zeitung zur Feier des hundertjährigen Geburtsjahres dieses großen deutschen Mannes an die Errichtung eines Monumentes für denselben erinnerte. Schaller hatte den Entwurf desselben unternommen, und obgleich die Freimaurerlogen von Darmstadt und Weimar dagegen erklärt hatten, dass sie die Kosten eines durch die beiden Bildhauer Scholl zu errichtenden Herder-Denkmals übernommen, so fand doch auch der von Dr. Förster angeregte Vorschlag, durch Beitrag ein zweites Monument zu errichten, und die Ausführung dem Bild- hauer Schaller zu übertragen, so viel Anklang, daß jetzt die Rea- lisirung dieses Wunsches in erfreulicher Aussicht steht. Die Zeich- nung zu diesem Denkmal ist im Umrisse lithographirt.
Überdies hat Stäbli das oben erwähnte Relief mit dem Stern- bilde der Jungfrau gestochen. In dem Album deutscher Künstler, welches zu Düsseldorf bei Buddeus erscheint, steht Schaller selbst als Teilnehmer an den Radirungen, bisher aber fand er nur noch
nicht Muße, seinen Beitrag zu liefern.
Im Jahre 1843 wurde er zum Mitglied der Akademie in Wien ernannt.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_nAVVAAAAcAAJ/