Schaller, Johann, Bildhauer, geb. zu Wien 1777, war einer der- jenigen Künstler, deren Talent das Vreflichste zu leisten im Stande ist, wenn äussere Veranlassung die Kräfte wecken; allein Schaller fand keinen Mäcenaten. Als der Sohn eines aus Wald- münchen in Bayern stammenden Weissdrehers an der k. k. Porzel- lanmanufaktur in Wien sollte er das Uhrmacherhandwerk erler- nen, und es wäre vielleicht in ihm der höhere Funke nicht ange- facht worden, hätte er nicht an dem unter Aufsicht der Akademie stehenden Unterricht für Handgewerke in der Verzierungs-Sculptur, den damals Hagenauer lehrte, Theil nehmen können. Schon nach einem halben Jahre erhielt Schaller die Aussicht: als Lehrling für das Bossiren in die Porzellanmanufaktur aufgenommen zu werden., Er trat daher in die Elementarklasse für Figurenzeichnung an der k. Akademie, und nach beiläufig zwei Jahren in die genannte Ma- nufaktur ein. Hier liessen die ungemeinen Fortschritte des Jüng- lings den Modellmeister Grassy nicht lange zweifelhaft über seine Bestimmung zum Künstler . Vom Professor Caucig durch Rath und That unterstützt, versuchte er sich auch bald in eigenen Composi- tionen. Endlich ging er an die Ausführung einer drei Fuss hohen
Ende übertrug ihm der Direktor der Porzellanmanufaktur, er nachmalige Hofrath Niedermayer, die durch Grassy's Tod erledigte Stelle eines ersten Modellieurs der Manufaktur; allein Schaller lehnte im Vorgefühl seiner höheren künstlerischen Lauf- bahn diese Stelle dankbar ab, und seit dieser Zeit blieb Nieder- mayer sein wärmster Freund und Gönner. Durch die Unterstützung des Direktors entstand der Guß des Philoktet in weichem Metall, und eine Büste Hofer's aus Tirolermarmor. Es beschäftigte ihn schon früher der Entwurf zu einem Monumente des Andreas Hofer, welchen er 1800 bekannt machte, zur Ausführung der Statue kam es aber erst später. Diese Arbeiten hatten sich des Beifalls des Curators zu erfreuen, und Schaller erhielt den Auftrag für das Piedestal zu Kiesling's Gruppe »Venus und Amor« im Belvedere ein Basrelief in Marmor auszuführen, die Venus vorstellend, wie sie von Dio- med verwundet zu Mars kommt, jetzt im Rondel des Belvedere zu sehen. Dieses Basrelief empfahl den Künstler auch dem näch- folgenden Curator, dem Fürsten Metternich, und 1812 erhielt der- selbe die Pensionsstelle in Rom, wo er jetzt über zehn Jahre verweilte, und mit unbezwingbarem Muthe und unermüdetem Eifer sich seinem Berufe weihte. Als er zu höherer Leistung sich be- fähigt fühlte, ward ihm auf sein Ansuchen die allerhöchste Bewil- ligung ein größeres Werk auf Kosten des Staates auszuführen. Dieses nun ist die berühmte Marmorgruppe des Bellerophon die Chimära erlegend, im Salon des Glashauses im Kaisergarten auf- gestellt. Dann fertigte er in Rom auch den schönen Genius des Todes am Grabe der Freiin von Pillersdorf in Hietzing, den Amor, wie er einen Pfeil aus dem Köcher nimmt, eine aus dem Bade steigende Venus, höchst anmuthsvolle Figur, und die colossale Bü- ste des Fürsten Carl von Schwarzenberg, für die Walhalla des Königs von Bayern.
Bei seiner Rückkehr aus Rom wurde ihm 1823 die eben eröffnete Professur der Bildhauerei an der k. k. Akademie verliehen; später wurde er zum Rathe derselben ernannt, und von sämtlichen Aka- demien zum Mitgliede erwählt. Unter die früheren Werke nach seiner Rückkehr gehört die colossale Büste des Grafen Friedrich von Trautmannsdorff, Bevollmächtigten beim westphälischen Frie- denschlusse und Gesandten zu München, für die Walhalla des Kü- nigs von Bayern bestimmt; das Modell der Madonna für die Säule im Burgglacis; die Büste des Grafen Anton von Appony und des Erzbischofs Ladislaus Pyrker. Spätere Werke sind die Statue des Andreas Hofer in der Hofkirche zu Innsbruck von 1831—33 aus- geführt; die heil. Margaretha in Metall auf dem Brunnen des Vor- stadtgrundes St. Margarethen (1836); die Erzstatue Kaisers Franz I., Denkmal in Stanislawow in Galizien (1837); zwei colossale Che- rubs aus Holz für die Dominikaner Kirche in Wien, und zwei kleine in der Kirche zu Allmannsdorf (1838); die Gruppe der Vin- dobona und des Danubius im Maschinengebäude der Kaiser Fer- dinands-Wasserleitung, und das Modell einer Brunnensymphone (1832), die Statuette des Dichters Raimund in Metall, und jene des Marschalls Marmont, beide von 1841. In diese Zeit gehört auch eine unvollendete Venus in rothen Marmor. An diese Werke reihen sich dann die meist colossalen Büsten des Kaisers Franz I., für Rothschild 1826, für die Kaiserin Mutter und für die Stadt.
Schaller starb zu Wien 1842 nach kurzem Krankenlager, tief betrauert von seinen Schülern, seinen Kunstgenossen, und allen, die den hochbegabten Künstler kannten. Er hatte sich durch seine Werke, seine Lehre und seinen Rath allgemeine Hochachtung er- worben, und durch seine edle Persönlichkeit alle Herzen gewon- nen. In B. v. Hormayer's Archiv 1822, und im Kunstblatte geschieht oft rühmliche Erwähnung von diesem Meister. Im Jahrgange 1842 Nr. 61 des letzteren ist dem Andenken Schaller's ein Necro- log gewidmet.
Das Bildniß dieses Künstlers ist in der Portraitsammlung des k. sächsischen Hofmalers Vogel von Vogelstein, 1810 gezeichnet.
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