Schaller, Anton, Historienmaler von Wien , der ältere Bruder des obigen Künstlers, sollte Hafner werden, und besuchte daher, wie dieser die erwähnte Handgewerks-Schule. Hierauf kam er als Lehr- ling in die k. k. Porzellanmanufaktur, wo der Maler Schulz Schal- ler's grosses Talent zum Zeichnen und Malen in Büsten erkannte, und selben zu höherem bestimmt sah, als zum Töpfer. Er em- pfahl ihn daher als den fähigsten unter allen Schülern der Manu- faktur dem Direktor Niedermayer, einem um diese Anstalt, und um die Kunst im Allgemeinen hoch verdienten Mann. Dieser setzte alljährlich den Zöglingen seiner Anstalt einen Preis aus, welchen ein bestimmtes Bild in Oel gewinnen sollte. Damals als Schaller concurrenirte, ward die Aufgabe aus Göthe's Iphigenia entnommen, und Orestes und Iphigenia zur Darstellung bestimmt, die Scene wie dieser ruft: Berühre nicht meine heiligen Locken! Schaller gewann den zweiten Preis, zeigte sich aber bald des ersten würdig, und war von nun an der Schützling des Direktors Niedermayer. Er übertrug ihm die Ausführung mehrerer historischer Gemälde auf Porzellanplatten, deren einige in den Besitz des Herzogs von Sachsen - Teschen kamen, so wie in jenen anderer Fürsten. Die wichtigsten Bestellungen wurden damals dem jungen Schaller an- vertraut. Nebenbei zeichnete er mit gewissenhafter Genauigkeit nach antiken Vorbildern und nach der Natur, studirte mit eben so großen Eifer Anatomie , und wurde zuletzt in diesen Theilen der Kunst so vollkommen, dass man ihm die Professur der Anatomie und der Elementarzeichnung an der k. k. Akademie übertrug. Von dieser Zeit an widmete er seine Thätigkeit dem Unterrichte und der Oelmalerei, und es finden sich daher von ihm auch historische Bilder, die in Auffassung und Durchführung ein ausgezeichnetes Talent verrathen, dem aber die Gelegenheit fehlte, selbes durch grossartige Aufträge in noch höherem Grade zu erproben. In ei- nigen Kirchen Oesterreichs sind Altarbilder von ihm, und darun- ter ist namentlich ein schönes Gemälde der Himmelfahrt Mariä, welches nach Mähren kam. Ein anderes gerühmtes religiöses Bild, 1833 ausgeführt, zeigt den heil. Stephan, wie er Almosen austheilt. Dieses Werk erwähnt auch Graf v. Raczynski in seiner Geschichte der deutschen Kunst. Ein grosses historisches Bild, welches den Androklus vorstellt, wie ihm in der Wüste der Löwe Nahrung bringt, kam in den Besitz des Dr. Steinbauer in Wien, eine halble- bensgrosse Venus, vielleicht das schönste Malwerk des Meisters, erwarb der berühmte Irrenarzt Dr. Gern. Ein kleines, schönes
Dann schrieb dieser vielseitig gebildete, und auch seines lie- benswürdigen Charakters wegen allgemein geachtete Künstler; ei- nige Abhandlungen über Kunst, die er, nebst einigen Notizen über sein Leben und Wirken, dem damaligen beständigen Sekretär der Akademie, L. Maurer, übergab. Schaller war Mitglied dieser Aka- demie und Correktor an der Schule des historischen Elementar- zeichnens. Er starb 1844 im 72. Jahre.
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