Schadow von Godenhaus, Friedrich Wilhelm

Schadow von Godenhaus, Friedrich Wilhelm, Ritter, Hi- storienmaler und Direktor der Akademie zu Düsseldorf , ein für Religion und Kunst begeisterter Mann, der in der Geschichte der neueren deutschen Kunst einen glorreichen Namen sich gesichert hat. Im Jahre 1789 zu Berlin geboren, begann er daselbst seine Studien unter Leitung seines Vaters, des berühmten Bildhauers Gottfried Schadow, und dann übte er sich unter Weiss in der Malerei. Darauf copirte er ein Jahr in der Gallerie zu Potsdam ; allein die Jahre 1809 und 1807 riefen ihn zum Kriegsdienste, und erst 1810 ward es ihm vergönnt, in Rom seine unterbrochenen Studien wieder mit ganzer Seele verfolgen zu können. Hier hatte damals ein schöner Verein von deutschen Künstlern gebildet, die in heiligem, großartigem Streben die Erweckung der Malerei an den deutschen Namen knüpften. Cornelius, Overbeck, W. Scha- dow, P. Veith, Wach u. s. w. heissen diese Männer, welche die Wie- dereroberung des verlorenen Paradieses sich zur Aufgabe des Le- bens machten, was ihnen nicht ohne grossen Kampf möglich wer- den sollte. Die Mittel suchten einige anfangs in der deutschen ro- mantischen Poesie, dann in der altdeutschen Schule, und in Rom in jener der älteren italienischen, zunächst der florentinischen Mei- ster. Schadow hielt sich damals ebenfalls zur Art der alten italieni- schen Maler, und wählte am liebsten Gegenstände aus der Bibel , oder aus dem Bereiche der mystischen Allegorie. Auch der Glaube, welcher den alten Meistern einen unerschöpflichen Born eröffnete, hatte sein ganzes Innere erfüllt, und dieser führte ihn nach seiner vollsten Überzeugung in den Schooss der katholischen Kirche. Für diesen seinen Glauben, für seinen Gott, für alles Gute, das er liebt, schlägt ein jeder Puls dieses begeisterten Künstlers. Sein und seiner Schule Ruf ist schon seit Jahren ein europäischer, doch glaubte der Künstler anfangs selbst nicht, dass er im Stande sey

Anfangs malte er besonders Bildnisse nach der Natur, da er selten zum Componiren aufgefordert wurde. Die erste Gelegenheit dazu wurde ihm in Rom in der Villa des preussischen Consuls Mendelsohn-Bartholdi, der dieselbe mit Frescomalereien zieren liess, welche die weiteren so reissenden Fortschritte der Kunst herbei- führten, und an die sich jene der Villa Massimi zu neuem Ruhme der Kunst anschliessen, wo aber Schadow nicht mehr gemalt hat, sonder Koch, Overbeck, Führig und Schnorr. Im Saale der Villa Bartholdi malte Schadow die Darstellung mit Jakob's blutigem Röcke und Josephs Traumdeutung im HKerker. Diese Bilder sind in Farbe und Wirkung nicht ohne Verdienst, an Styl und Zeichnung aber stehen sie den Werken seiner Mitarbeiter Corne- lius, P. Veit und Overbeck nach; denn Schadow war bei seiner Ankunft in Rom nur im Stande, einen guten Kopf zu malen. Al- lein angestrengtes Studium liess ihn bald die Mängel ersetzen und schon die nächsten Bilder, eine Himmelskönigin, für die Frau von Humboldt ausgeführt, und jene beiden, die er für den Kronprin- zen Ludwig von Bayern in Ode malte, bezeugen die merklichsten Fortschritte. Diese sind eine heil. Familie, welche er später für den König von Preussen wiederholen musste, und das lebensgrosse Bildnis einer Römerin, deren ausdrucksvolle Schönheit damals viele Bewunderer fand. Dieses treffliche Bild schliesst sich an eine frühere Arbeit des Künstlers, an die Bildnisse der Töchter des Mi- nisters von Humboldt. Nicht minder gut sind auch die Bild- nisse zweier Söhne eines polnischen Fürsten auf länglicher Tafel in Lebensgrösse gemalt. Der ältere Knabe stützt das Köpfchen auf die Hand und blickt nach dem kindlichen Bruder, welcher die Ärmel in ein purpursammtes Kissen druckt. Einen noch grössern Ruf erwarb sich aber Schadow durch ein grosses Bild, in welchem er Thorwaldsen, seinen Bruder Rudolph und sich selbst zu einer Gruppe vereinigte, im Besitze der Fürstin von Hohen- zollern. Die Brüder Schadow feiern hier unter dem begeisternden Schutze Thorwaldsen's den Bund der Malerei und Sculptur, Ru- dolph reicht dem Bruder die Hand, und im Hintergrunde steht die berühmte Statue der Spinnerin des ersteren; denn die Hand- lung geht im Atelier desselben vor, im Momente als Schadow ein- tritt. Thorwaldsen, der mit dem Modellirstäbchen einen Lorbeer- zweig wie spielend zwischen den Fingern bewegt, legt seine Rechte auf Rudolph's Schultern, der mit der Mütze auf dem Kopfe und in Hemdärmeln sitzt, mit einem nackten, meisterhaft gemalten Arme. Ein anderes Bild von hoher Kunstwahrheit ist das einfach schöne lebensgrosse Haupt eines Camaldulensers in der Blüthe männlichen Alters, Studium für ein grösseres Bild, das auf der Kunstausstellung zu Berlin 1819 seine Wirkung auf keinen der Beschauer verfehlte.

In dem bezeichneten Jahre verliess Schadow Rom, um nach Berlin zurückzukehren, wo er jetzo zum Professor der Akademie

Das letzte Bild, welches Schadow in Berlin ausführte, eine seiner schönsten Produktionen, die man bis dahin von ihm sah, stellt die freigeborne Poesie dar, eine von der Erde zum ewigen Aether aufschwebende geflügelte Jungfrau. Dieses Bild stellte er bei seinem Abschied von Berlin aus, ehe er nach Düsseldorf abging. Allein seine Poesie kehrte dahin wieder zu ihm zurück, um sich mit den schönen Kindern der Erde zu verkörpern. In Düsseldorf feierte die Himmelstochter bei ihm und seinen Schülern eine neue Wie- dergeburt.

Im Jahre 1826 wurde Schadow zum Direktor der Akademie in Düs- seldorf ernannt, da Cornelius, der daselbst einige Jahre früher den Samen zu einer neuen Schule ausgestreut und schon Früchte der- selben gesammelt hatte, in gleicher Eigenschaft nach München be- rufen wurde, wohin ihm auch seine Schüler folgten. Schadow be- trat aber seinen neuen Wirkungskreis erst 1827, ebenfalls von seinen Schülern umgeben, die er in Berlin herangebildet, nämlich mit Hil- debrandt, Hubner, Lessing und Sohn, jetzt selbst längst bekannte Meister, die man aber als den Stamm der neuen Düsseldorfer Schule betrachten muss, welchen Schadow zur üppigsten Blüthe befruchtete, da er in kurzer Zeit auch noch viele andere Knaben trieb. Die von Schadow gegründete Schule zählt in ununterbro- chener Succession schon viele Glieder, die zum Theil bereits selbst Meister und Lehrer sind. Alle diese Künstler, worunter wir als die älteren Steinbrück, Stilke, Deger, Rethel, Bendemann, Rei- nigk, Götting, Kretschmar, Schrödter, Scheuren, Schirmer, Preyer, u. s. w. nennen, erscheinen an ihrer Stelle auch in diesem Lexicon; es gibt aber noch andere Werke, welche ausschliesslich die Düssel- dorfer Schule und ihr Wirken zum Gegenstande haben, wie der erste Band der Geschichte der neueren deutschen Kunst von Gra- fen A. Raczynski, Paris (französisch) und Berlin (deutsch) 1836; die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errich- tung des Kunstvereins im Jahre 1829, von H. Püttmann, Lpz. 1859; Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben, von F. v. Uechtritz, 1. Bd. Düsseldorf 1859. Die Namen von 30 der berühnte-

und die vaterländische Geschichte des Mittelalters zu bearbeiten hatte, aber bei dem grossartigsten Streben dennoch keine eigent- liche Popularität gewinnen konnte, weil diese Gegenstände der herrschenden Richtung der Zeit und dem Geschmacke des grösseren Publikums zu entfernt gelegen, und zu wenig äusseren Reiz besitzen, um eine allgemeine angenehme Stimmung hervorzurufen. Man vermisste an den grossartigen Compositionen, welche die weiten Räume füllen, jenen Zauber der Farben und Lichtwirkung, und die Feinheiten der Gemälerei, welche die Düsseldorfer Schule von vorne herein pflegte, wodurch sie alle jene Vorzüge, welche das Gemüth, die Sinne und das Auge der grossen Menge tesselten, früher erlangt, als die Münch- ner Schule des Cornelius, von welcher aber jene späteren Schulen der Professoren Hess und Schnorr zu unterscheiden sind, die nach ihren Leistungen ebenfalls in eigenthümlichem Charakter erschei- nen. Diese Kunstbestrebungen hatten glänzendere Erfolge, als jene der älteren Schule, deren strenge und ernste Fresken dadurch dem Sinne nur noch ferner gerückt wurden. Die Düsseldorfer Schule, die jener des Cornelius gegenüber tritt, hatte von jeher ein Feld gewählt, auf welchem allgemeinerer Beifall geerntet werden musste, da ihre Ausdrucksweise dem modernen Gemüth verständlicher war, und durch die ausgebildete Technik der Oelmalerei ein Reiz der äusseren Erscheinung erzielt wurde, welcher den Werken der äl- teren Schwester fehlt. Diese strebte vorzugsweise nach Stil der Formen, welche als Resultat einer freien, phantasievollen Erfin- dung zu betrachten sind, als Träger des ernsten Gedankens, der sich selbst genügt, unbekümmert um das, was das Auge entzückt; allein über diesem Streben geschah dem feinen Naturstudium, der Ausbildung des Farbensinnes und der Erforschung der Geheimnisse der Technik Eintrag, und dieser Mangel der Schule wurde bei Beurtheilung ihrer Werke manchmal sogar vor allem hervorgeho- ben, statt das Wesentliche derselben zu erfassen. Von diesem Stand- punkte aus betrachtet, musste natürlich die Düsseldorfer Schule unendlich gewinnen, da sie mit allen Feinheiten und Reizen der Oelmalerei statt alter Epopäen moderne Balladen, statt frei entwor- fener strenger Charaktere sentimentale Gestalten der Wirklichkeit in kleineren romantischen Compositionen zur Anschauung brachte, und mit diesen die Landschaft und das Genre zu einer Vollkommen- heit ausbildete, welche den Erzeugnissen dieser Schule zum Theil den höchsten Reiz verliehen. Die Düsseldorfer Schule ist also ur- sprünglich keine streng historische, und wenn ihr die Aufgabe gege-

ben wurde, auf ernstere geschichtliche Darstellungen einzugehen, konnte die Kritik bei aller Anerkennung ihrer Vorzüge, doch nicht verhehlen, dass man in diesem Falle ein freiwilliges Beschränken auf Schilderung blosser Zustände oder einen Mangel an durchgreifender Herrschaft und innerer Belebung des Gedankens bemerke. In der neuesten Zeit fand sich indessen die Kritik bemüßiget, auch in dieser Hinsicht ihr Urtheil zu mässigen, da in einzelnen Erschei- nungen selbst auf streng historischer Basis Ausgezeichnetes geleis- tet wurde. Die Düsseldorfer Schule huldigt aber im Ganzen noch immer der älteren Schule eines Cornelius gegenüber einem freie- ren, aber auf gemüthlicher Auffassung beruhenden Naturalismus, P. von Cornelius, welchem seit 1841 in Berlin ein neuer Wirkungs- kreis gezogen ist, muss noch immer als der Repräsentant der älte- ren Schule des 19. Jahrhunderts betrachtet werden, die sich fortan durch das Streben nach großartig stylistischer Auffassung auszeich- net, Bei einseitiger Beurtheilung und im Vergleiche mit der Düs- seldorfer Schule, wird sie aber auch in Berlin die geringere Zahl der Bewunderer für sich haben,

Schadow malte in Düsseldorf abwechselnd historische Bilder und Portraits, von letzteren gehören aber die meisten der ruh- rener Zeit seines Aufenthaltes in jener Stadt an. Unter diesen rühmte man vor allen die Bildnisse des Prinzen Friedrich von Preussen und des Prinzen Wilhelm von Solms, Ruhestücke, in einer Rundung. Die Köpfe dieses Bildes sind von hoher Wahrheit, so wie denn Schadow überhaupt bis hier im Bildnisse viel grössere Mei- sterschaft entwickelt hatte, als in seinen Phantasiegebilden. Es ist im Besitze der Herzogin von Cumberland. Ebenso meisterhaft sind auch die Portraits der Kinder Schadows in ganzer Figur. In der Folge malte der Künstler das liebliche Bild seiner Tochter zu wiederholen Malen. Unter den Familienbildern rühmte man be- sonders jenes des Banquier Bendemann, auf welchem ausser die- sem und seiner Familie auch der Maler Hübner als Schwiegersohn, dann Hildebrandt und J. Sohn erscheinen, als Freunde des Malers Bendemann und der Familie. Alle genannten Künstler haben an diesem Bilde gemalt; und dennoch möchte man es für das Werk eines einzigen halten, so sehr bildet es ein harmonisches Ganze. Dann malte Schadow auch mehrere einzelne Bildnisse, die nicht alle, namentlich bekannt geworden sind. Darunter wird das eines Malers, oder wer es seyn mag, eine jugendliche kräftige Männer- gestalt, als ein vollendetes Meisterstück gerühmt, und abgebildet in den hannoverschen Kunstblättern, 1828, Nr. 3, Unter den in der Zeit seines früheren Aufenthaltes in Düs- seldaif ausgeführten Staffeleibildern, erregte besonders jenes Bild Aufsehen, welches er aus Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre entnahm. Es ist dies das Bild der Mignon, welches für das zarteste Wesen erklärt wurde, das je der Pinsel auf die Lein- wand hauchte, als der höchste Ausdruck alles dessen, was bis dahin Schadows Poesie sich erhoben. Indessen entging dieses Werk auch nicht ganz dem Tadel übertriebener Sentimentalität, während andere in dem Himmelsgesicht dieses zwischen Leben und Verklärung schwebenden Wesens die Verklärung des Schmer- zes lesen. Im Kunstblatte von 1828 steht über dieses in der Samm- lung des Baron Speck-Sternburg befindliche, und für den Dich- ter Michael Beer in anderer Haltung wiederholte Bild eine weit- läufige Erörterung, und dabei wird auch bemerkt, dass bis da- hin in allen Werken des Meisters die Trauer vorherrsche; dass man noch immer allzuschrei das Ringen mit störenden Elementen gewahre, welches den Künstler noch nicht zur ganz freien Gestal- tung des in ihm lebenden Gedankens habe gelangen lassen. Der alte Schmerz der Erde, heisst es weiter, habe unwillkührlich seine Schöpfungen durchdrungen, und wenn auch seine edlen Gestal- tungen hinausschauen zu dem Ewigen und Schönen, so sehe man doch immer noch die Anstrengung in der Erhebung, die dem freien Aufschwung der Seele einen Zwang anlegenden Rücksichten; Da- her kommt der Mangel an Freudigkeit, an ursprünglicher Heiter- keit, welche die fessellose Seele verkünde, jene trinkene Unschuld des Geistes, die mit keinem Zweifel, Keinem Sinnen und Refecti- ren zu thun habe. Auch seine Poesie, das Oben erwähnte Bild, habe sich kaum entrungen den Kämpfen der Erde; sie habe der Flügel bedurft, um zum Göttlichen aufzuschweben, während Rapha- els Poesie auch dann noch fliegen würde, wenn sie die Fittich- e abgeworfen hätte., Nach der Vollendung des Gemäldes der Mignon ging Schadow an die Ausführung der vier colossalen Figuren in der neuen Werderschen Kirche zu Berlin, grossartige Gestalten, in religiö-

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