Schadow, Friedrich Wilhelm, Ritter.
der Begeisterung entworfen, und auch mit voller Freiheit des Gei- stes ausgeführt. Es beginnt jetzt die Zeit, in welcher sich Scha- dow der hemmenden Fesseln entledigte, und mit raschen Schritten dem Ziele sich näherte, welches er nicht mehr zu erreichen wähnte. Schadow äusserte sich mehrmals, von ihm und seinen Altersge- nossen sei es ungerecht, das zu fordern, was man erst von sei- nen und deren Schülern erwarten dürfe. Geboren in einer Zeit, wo das Licht des Geistes nicht in die Kunst leuchtete, wo man vom Maler keine innere Beleuchtung, keine gläubige Anschauung, wo man nichts verlangte, als ein Contrafey der erscheinenden Na- tur, wo die Lehrer auf nichts anderes sahen, als auf correcte Zeich- nung, Licht und Schatten, Consequenz und Beobachtung der Per- spektive, Schüler aus einer solchen Zeit, auch wenn ein Inneres ihnen aufging, auch wenn ihnen später die ganze Herrlichkeit der alten Italiener leuchtete, konnten nicht gleich wie jene Meister schaffen, die in der goldenen Zeit der Kunst und des künstleri- schen Glaubens mit kühnem, freyem Pinsel ihre ewigen Werke ans Licht riefen. Das Leben derer, die, vom Strahl der neuen Sonne erweckt, sich hinausrangen aus dem Schlendrian alltäglicher Dürftig- keit, sei dem Kampfe geweiht. Die Lebensader sei durchdrun- gen von jener Polemik, und der Geist könne noch nicht zu der Ruhe, Freiheit und Fröhlichkeit durchdringen, in der das Höchste der Kunst gedeiht. Ihren Schülern bleibe es vorbehalten, die Früchte ihres Kampfes zu ernten. Auf dem errungenen Felde würden diese erst ungehindert die jugendlichen Kräfte entfalten, und das Schauen und ergreifen, was ihre Lehrer noch in nebelhafter Ferne erblickten. Doch schon die Mignon beweiset, dass der Mei- ster in Zeit von wenigen Jahren der Nebelterne näher gerücht, als seine Bescheidenheit hoffte. Dieses Bild gehört schon zu den schön- sten Erzeugnissen der neueren deutschen Malerei. Graf Raczyński hält aber unter den früheren von Schadow in Düsseldorf ausge- führten Bildern dasjenige für das gelungenste, welches das Gleich- niss von den klugen und thörichten Jungfrauen darstellt. Raczynski sah es nur in einer grossen Zeichnung, liess aber dieselben als ein Werk des vollkommensten Einklanges für seine Geschichte der deutschen Kunst stechen. Dieses Gemälde enthält 17 beinahe le- bensgroße Figuren. Im Jahre 1837 brachte der Künstler den Car- tuon und eine Farbenskizze zur Ausstellung, und dann begann er die Ausführung in Oel für das Städel'sche Institut zu Frankfurt a. M. Von jeder der Figuren existieren ausgeführte Studien.
Im Jahre 1850 malte Schadow für den Rheinisch-Westphäli- schen Kunstverein eine Charitas, eine Mutter mit ihren Kindern in lebensgroßen Figuren. Dieses Bild erklärt Graf Raczynski als eine Eingebung des edelsten und liebenswürdigsten Gemüths, der reinsten Liebe und Glückseligkeit im Wesen der Frau. Doch auch anderwärts sehen wir, dass in diesem Bilde alle Vorzüge des Künst- lers in hohem Grade vereinigt seien. Schadow hielt es selbst höher Achtungswerth, und kaufte es desswegen nach der Verloosung wieder zurück. Ein anderes grosses Gemälde stellt Christus auf dem Oelberge dar. Auch dieses Bild trägt das Siegel eines ernsten Gedankens, und vor allem eines religiösen Gefühls, welches die Seele dieses Künstlers ganz durchdringt. Wie immer, so ist auch dieses Gemälde mit Sorgfalt ausgearbeitet. Eine zweite Darstellung aus dem Leben Jesu, 1836 vollendet, zeigt den göttlichen Erlöser bei den Jüngern in Emaus. Dieses erhabene Bild gibt Raczynski in seinem Prachtwerke im Holzschnitte. Ein drittes Gemälde mit dem Leichname des Heilandes im Schoosse der Mutter von Engeln umgeben, ein ergreifendes Bild, stiftete 1836 der Rheinisch-West-
Begründer der Düsseldorfer Schule und Direktor der Akademie. Seine Werke umfassen Porträts, historische Bilder und Skizzen. In Bezug auf die erwähnte Darstellung der Tochter der Herodias in der Sammlung des Grafen Raczynski ist festzustellen, dass diese 1838 vollendet wurde. Nach dem Aufenthalt in Italien, wo er 1840 zur Herstellung seiner Gesundheit nach Rom reiste, fertigte er dort ein Bild, das die himmlische und die irdische Liebe darstellt. Im Juli desselben Jahres begab er sich von Rom nach Neapel; im Oktober kehrte er nach Düsseldorf zurück, wo wie immer Kunst und Religion sein Heilthum ist. Im Jahre 1841 malte er die Pietas und Vanitas in ihren Beziehungen zur Religion, welche unter der Gestalt des Heilandes das dritte Feld einnimmt. Ein drittes Bild aus dieser Zeit ist jenes der heil. Veronika, von hoher Schönheit in dem schmerzlichen Antlitz des Heilandes auf dem Schweisstuche.
Schadow schritt bis auf die neueste Zeit in ernstem Streben auf der Bahn der Kunst fort, hatte aber zuletzt das Missvergnügen, durch mehrfache Anfechtung die unter ihm so freundlich gestalteten Verhältnisse getrübt zu sehen. Allein der Düsseldorfer Kunsthimmel klärte sich in neuester Zeit wieder auf, und so feiert die Kunst daselbst wieder ungestört ihre Triumphe. Schadows Leben ist wie von jeher, so noch immer dem Unterricht, durch Wort und That der Kunst geweiht. Wie bestimmt derselbe die Verhältnisse erfasste, unter welchen die Kunst geworden, was sie jetzt ist, beweist seine Rede, welche er in dem wissenschaftlichen Congress, der sich im September 1842 zu Straßburg versammelte, gehalten hat. Der Congress warf in seinem Programm die Frage nach dem Einflusse des Christenthums auf die bildende Kunst, und nach dem Unterschiede zwischen den Kunstschulen von München und von Düsseldorf auf. Deutsche Gelehrte und Künstler wurden zur Beantwortung dieser Frage eingeladen, und Schadow übernahm es, dem an Deutschland gerichteten Vertrauen von dieser Seite zu entsprechen. Er hielt zu Straßburg seine Vorlesung in französischer Sprache, die auch in Uebersetzung erschien: Ueber den Einfluss des Christenthums auf die bildende Kunst, von W. Schadow, Direktor der Akademie zu Düsseldorf etc. Düsseldorf 1842, bei Buddeus. In demselben Jahre ernannte ihn die Universität zu Bonn zum Doktor der Philosophie. Dann ist Schadow auch Mitglied mehrerer Akademien, Ritter des rothen Adler-Ordens, und als 1842 Gottfried Schadow der Vater unsers Künstlers den Orden pour le mérite erhielt, wurde ihm die Anwartschaft auf die Stelle desselben in Berlin versichert. Im Jahre 1843 wurde Wilhelm Schadow in den Adelsstand des Königreichs Preußen erhoben, und ihm gestattet, den Namen des ihm zugehörenden Rittergutes Gudenhaus seinem Familiennamen hinzuzufügen.
Mehrere Werke dieses berühmten Meisters sind auch durch Nachbildungen in Kupfer und auf Stein bekannt. Lehmann lithographirte das Bildniß des Dichters C. Immermann. Das Bild der Mignon wurde von Selb, und dann von H. Sennefelder nach einem Gemälde von Huxhol auf Stein gezeichnet. Die Madonna mit dem Jesuskinde ist bekanntlich durch Kupferstecher wie Halm, Lechner, Kugler etc. verbreitet worden.
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