Scarcella oder Scarsella, Ippolito

Scarcella oder Scarsella, Ippolito, genannt Scarsellino

von Ferrara, wurde von seinem Vater Sigismondo unterrichtet, bis

er im Stande war, in Venedig seiner weiteren Ausbildung obzulie-

gen. In dieser Stadt verweilte er sechs Jahre, und studirte beson-

ders die Werke des Paolo Veronese, doch mit Berücksichtigung

von jenen der übrigen grossen Meister, besonders Titian's, Par-

meggianino's, und der Carracci, welche Scarsellino in Bologna

mit grosser Aufmerksamkeit betrachtet hatte. Indessen erkennt man

in den Werken dieses Meisters meistens den Nachahmer des P. Ve-

ronese, und daher nannten ihn die Ferrareser den Paolo ihrer

Schule. Bilder dieses Styles sind sein heil. Bruno in der Carthause

daselbst, die Geburt der heil. Jungfrau in Cento, u. s. w. Nach

mehr gepriesen ist aber seine Himmelfahrt und die Hochzeit zu

Cana bei den Benediktinern zu Ferrara ; dann eine Pieta und St.

Johann der Täufer in der Kirche des letztern, das »Noli me tan-

gere« bei St. Nicolo, die Epiphanie im Oratorio della Scala, wel-

che er im Wetteifer mit Annibale Carracci malte, und zahlreiche

kleinere Wiederholungen dieser und anderer Altarblätter für Pri-

vathäuser. Die Bilder dieses Meisters waren in der Lombardei

und im Kirchenstaate sehr zahlreich. In Rom sieht man deren auf

dem Capitol; dann bewarben sich die Häuser Albani, Borghese,

Corsini, Lancelotti um solche. Lanzi hatte Gelegenheit viele Bil-

der von Ippolito's Hand zu sehen, an welchen ihm besonders die

strengé Zeichnung, die graciösen Gestalten, und die leichten Dra-

perien auffielen, welche die Figuren wohl bedecken, aber ohne

sie zu verhüllen. Scarsellino offenbaret in seinen Compositionen

Einige Gemälde dieses Meisters sind im Kupferstiche bekannt, P. Peiroleri stach 1738 die heil. Familie vor dem Hause sitzend, mit Joseph, der den Esel über die Brücke führt. Das Original war damals in der Sammlung des Baron Thiers zu Paris. Eine an- dere heil. Familie, in einer Landschaft mit dem im Buche lesen- den Joseph, ist uns durch die Blätter von R. Sadeler und der Si- bylla Küsslin bekannt. Ersterer stach auch die Predigt des Johan- nes. H. N. Schmitz stach das genannte Bild der Pinakothek zu München, damals in Düsseldorf. Auch im lithograph. Gallerie- werke ist dieses Gemälde nachgebildet. St. Mulinari mißliete eine Zeichnung der florentinischen Gallerie, welche die heil. Familie mit St. Catharina darstellt. St. Fessard stach die Madonna mit St. Barbara und Carolus Borromeus für das Dresdner Galleriewerk. David Genois lieferte ein grosses Blatt mit der Anbetung der Könige.

Bartsch, P. gr. XVII, p. 26, beschreibt von seiner eigenen Hand ein eben so gut gezeichnetes als leicht und geistreich radirtes Blatt, welches sehr selten zu finden ist.

Eine sitzende Heilige, mit einer Blumenvase, die Augen nach oben links gerichtet, wo ein Engel mit Blumenkrone und mit Palme erscheint. Im Grunde rechts ist ein anderer En- gel, und links sieht man ein Pferd. Unten steht: Ippolitus Scarsellinus in. et pinx. H. 6 Z. 5 L., Br. 5 2 4 L. SCARSCELLINO, s. Ippolito Scarcella. SCARSellino, Girolamo, s. Scarsellino, Scarfaglia, Lucretia, s. Scarafaglia.

  1. Medailleur, lebte im 15. Jahrhundert. Siner erwähnt Bolzenthal in seinen Skizzen zur Kunstgeschichte,

Scarpagnino, s. Carpaccio.

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