Sanuto oder Zanetti, Kupferstecher von Venedig

Sanuto oder Zanetti, Kupferstecher von Venedig , ist nach seinen Lebensverhältnissen unbekannt, was theilweise aus sei- nen Arbeiten zu erklären ist, die nur einen geringen Mei- ster verrathen, wenn auch jetzt seine Blätter der Kuriosität wegen gesucht und gut bezahlt werden. Sie sind ein Beweis schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts der Verfall hereinbrach und ihre Reinheit gefährdete. Als Beispiel 3 herühmte Bacchanal, das eben so unmoralisch, in der Conception als leichtfertig behandelt ist. Im Machwerke ist Sanuti überhaupt ganz eigenthümlich und willkürlich von der gewohnten Weise ab- weichend. Auch in der Zeichnung ist er ganz schwach. Diess ist aber wahrscheinlich nicht der einzige Grund, dass ihn Ticciati übere- gehen zu müssen glaubte. Seine Thätigkeit fällt um 1510—1570. Bartsch, P. gr. XV. p. 4090 ff. beschreibt fünf Blätter von die- sem Meister, glaubt aber damit das Verzeichniss als geschlossen, Wir geben hier mehrere Zusätze.

  1. (B. 1) Die Vermählung der heil. Jungfrau mit Joseph. Der Prie- ster legt unter der Tempelhalle in Gegenwart von Männern und Frauen die Hände der Verlobten in einander. Im Grunde des reich verzierten Tempels ist der grosse Leuchter, und oben schwebt in einer strahlenden Sonne der heil. Geist. Links nach unten steht der Buchstabe R., wesswegen Bartsch die Composition dem Raphael beilegt, mit welchem sie aber keine Ähnlichkeit bietet. Rechts ist das Zeichen des Ste- chers. H. 13 Z. 7 L., Br. 7 Z. 8 L.

  2. (B. 2) Der Kindermord, dieser Artikel des Marca di Ra- venna Nr. 7 beschriebene Giulio B. Bandinelli's, de-

  3. Die Marter des heil. Lorenz, reiche Composition von Baccio Bandinelli, nach Marc Anton's Stich Nr 132 (B. 104) copirt. Diese im Ganzen mittelmäßige Copie wurde dennoch von Ungeübten mit dem Originale verwechselt. Die unterscheidenden Monogrammen hat B. Xl. 235 angegeben.

  4. Johannes der Täufer, ein dem Verfasser des Peintre-graveur unbekanntes Blatt. Im Cataloge der Sammlung des Grafen Fries zu Wien wird es erwähnt, fol.

  5. Der Baum des Lebens, allegorische Darstellung sieben Bilder aus dem alten und neuen Testamente zwischen Scenen des Todtentanzes etc. Unten im Rande steht: Creat — M. D.LXXII. — G. S. Dieses äusserst seltene Blatt kannte Bartsch nicht, gr. fol.

  6. Apollo und Marsyas, der Sieg des Gottes über letzteren und dessen Bestrafung, in einer Folge von drei Blättern, welche das grösste Imp. qu. fol. bilden. Auf dem mittleren ist die Schindung des Marsyas dargestellt, rechts der Wettstreit und links der Barbier, welcher dem Schilfe das Geheimniss des Midas anvertraut. Midas sieht man im Hintergrunde, wie ihm zur Bedeckung der Ohren eine Krone aufgesetzt wird. Da erscheinen auch die Musen aus Rafael's Parnass und der Marktplatz von Venedig. Dieses Blatt, welches Bartsch nicht kannte, hat die Aufschrift: Apollinis et Marsiae Tabula ex clariss. Pictoris Antonii da Correggio Pictura, und eine andere unter der Gruppe der Musen, besagts Ex Parnasi Raphaelis pictura ut vacaum hoc completur. Das Gemälde von Correggio war auf den Deckel eines Claviers, befindet sich in der Sammlung des Marchese Litta zu Mailand. Der Stich hat die Dedication an Alphons II. von Este, Herzog von Ferrara, vom 18. July 1562. Der mittlere Theil dieses Stiches ist sehr gut gezeichnet und mit Zartheit behandelt; weniger gelungen sind nur die Seitenblätter, so dass es zweifelhaft bleibt, ob das Ganze von Giulio. Es gehört zu den Seltenheiten. H. 10. Z. 2 — 6 L., Br. 15 Z. 8 — 10 L. Bei Venedig 18 Thlr.

  7. Venus umarmten Adonis, der im Begriffe ist, auf die Jagd zu gehen, nach einem der schönsten Gemälde Titian's, das er für Philipp II. malte, jetzt in Neapel. Dieses sehr seltene Hauptblatt trägt Sanuti's Namen. Rechts oben ist eine Tafel itae deditio an M. Utiner, s. gr. fol.

  8. (B. 4) Zwei geflügelte Genien tragen eine Kugel, auf welcher Amor steht und einen Pfeil nach links hin sendet. Ohne Namen. H. 6 Z. Br. 9 Z.

  9. (B. 5) Ein Bacchanal oder wilder bacchischer Tanz in einem Gehölz, rechts ein geflügelter maskirter Bacchant eine alte Bacchantin führend, links eine sehr unschöne Gruppe. Rechts unten steht: IYLIVS SANNVTVS. F. Der Maler ist nicht angegeben, einige glauben aber darin den Dom. Campagnola zu erkennen. Sehr selten, gr. qu. fol.

Im ersten Drucke vor dem Namen und vor der Retouche; im zweiten mit dem Namen und retouchirt. Diese Variationen unterscheidet Bartsch nicht.

40.) Die Strafe des Tanhaus, von Bartsch nicht erwähntes, 45 Ausserst leicht und geistreich behandeltes Blatt, welches aber sehr selten vorkommt. gr. fol.

  1. (B. 3.) Die Geburt eines monströsen Kindes zu Venedig 1540- Man sieht dieses in Mitte des Vorhundes, wie es ein Weib mit dem Kindle hält, die Wärherin sitzt im Leibbette, unterstützt von einer Hebamme und geht hin. SANZ IN VENET FAC. Im Rande Hist Beschreibung des Gegenstandes in lateinischer Versform— 9 L. 9 L. Br. 6 Z. 0 L v. b. scharfes

  2. Eine prachtvolle Vase mit den Henkeln, der Bauch ist mit Figuren u. s. w. verziert. Dieses höchst seltene und schöne Blatt kannte Bartsch nicht, gr. fol.

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