Rubens: Peter Paul, ein Künstler

Rubens: Peter Paul, ein Künstler, der unstreitig zu den merk- würdigsten und bedeutendsten Erscheinungen der neueren Kunst- geschichte gehört, welcher aber vorzugsweise das Schicksal gehabt hat, entweder mit ungemessener Bewunderung allgemeinhin ge- priesen, oder mit einseitigem und ungerechtem Tadel herabge- setzt, niemals aber nach seiner Art und Geist aufgefasst und ge- würdigt zu werden. Ja selbst über die Geburtsstadt des Künst- lers ist man erst in neuester Zeit einig geworden. Köln und Ant- werpen haben auf diese Ehre Anspruch gemacht, aber lange dauerte der Kampf, bis die Sache entschieden ward. Dieses gelang erst 1840 bei Gelegenheit der zu Antwerpen begangenen 200 jährigen Gedächtnissfeier des Rubens. Schon im ersten Decennium des ge- genwärtigen Jahrhunderts trat der Kunsthändler F. X. de Burtin in Brüssel, der durch einen Traité theorique et pratique des con- naisances etc. bekannt ist, als Widersacher Köln's auf, allein seine historischen Forschungen nach positiven Beweisen über die Geburt des Künstlers in Antwerpen, so wie seine polemischen Gründe scheinen keinen sonderlichen Erfolg gehabt zu haben, da die spä- teren Verzeichnisse der Gemalde der Museen zu Brüssel und Ant- werpen allenthalben Köln als Geburtsort beifügen. In neuer Zeit wollte Antwerpen 1833 der Stadt Köln wieder ihr Vorrecht strei- tig machen (S. Beiblatt zu Köln. Zeit. Nro. 18, und Kugler's Mu- seum Nro. 50), jedoch nicht mit glänzenderem Erfolge, und wurde der Streit wieder aufgegriffen. Damals erwies F. Verachter, Archivar in Köln, bei Gelegenheit der zu Antwerpen begangenen 200 jährli- gen Jubelfeier des Rubens in Nro. 243 der genannten Zeitung aus authentischen Quellen, dass der Stadt die Ehre, des Rubens Ge- burtsstadt zu seyn, nicht mehr streitig gemacht werden könne. Dennoch erhob sich dagegen in Antwerpen eine Stimme, die aber in Nro. 249 desselben Blattes beleuchtet und widerlegt wurde, und ein

weiterer Nachtrag: von M. J. de Noël ertheilte in Nro. 251 dem gewonnenen Ergebnisse unwiderlegbare Verstärkung. Die Gevaerts haben selbst auf die Aussagen zweier Zeitgenossen gar keine Rücksicht. Es heisst nämlich schon in dem dem Gevaerts irrig zugeschriebenen lateinischen Lebensabriss des Künstlers, und in dem Werke des S. Gelenius (De admiranda magnitudine etc. p. 407), dass der Künstler in Köln geboren sei, und zwar in dem in der Sternengasse gelegenen Stammhause des Grafen J. M. Grunsfeld. Diese schon wegen ihrer Gleichzeitigkeit sehr beachtenswerthe Angabe bekräftiget auch eine Stelle in einem eigenhändigen Brief des Meisters an den Maler Geldorp von 25. Juli 1637, worin er sagt, dass er das für Köln bestimmte Bild der Märter des heiligen Petrus mit besonderer Liebe behandele, weil er überhaupt für diese Stadt eine grosse Zuneigung habe, da er in derselben bis zum zehnten Jahre erzogen wurde sei.

Dieser Brief ist der Theil einer Sammlung von unveröffentlichten Briefe des Meisters, die nicht nur für die genauere Kenntniss von dem Leben und den Werken desselben, sondern auch für die Geschichte seiner Zeit von grosser Wichtigkeit sind. Diese Sammlung erschien 1840 zu Brüssel, unter dem Titel: Lettres inédites de P. P. Rubens, publ. par E. Gachet, sie ist aber von dem unterlassenen Briefwechsel zwischen Rubens und dem Abte von Genlou wohl zu unterscheiden, von welchem die Lecons de P. P. Rubens, ou fragmens epistolaires sur la religion, la peinture et la politique extraits d'une correspondance inédite etc. par F. Bous- sard. Bruxelles 1858. Auszüge lieferten.

Die von Gachet gesammelten Briefe sind für die Lebensgeschichte des Künstlers von Wichtigkeit. Sie sind meistens in lateinischer Sprache geschrieben, und selbst wenn Rubens in niederländischer oder französischer Sprache schrieb, unterzeichnete er „Pietro Pauo Rubens«. Das früher Bekannte findet man in Rav- mer's historischem Taschenbuche 1833. S. 185 ff. von Dr. G.F. Waagen auf das vollständigste und übersichtlichste zusammengefasst. Diese Biographie wurde deswegen 1840 von R. Noël in das Englische übersetzt. Auch wir nahmen diese Monographie zur Grundlage, mit Benützung der Nachrichten in Waagen's Werk: Kunstwerke und Künstler in England und Paris: 1—35. Berlin 1837 und 1851, in der Sammlung der Briefe von Gachet u. s. w..

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