Rowlandson, Thomas

Rowlandson, Thomas, Zeichner und Radierer , geb. zu Lon- don 1756, gest. 1827. Der Name dieses genialen Künstlers, der in Deutschland wenig bekannt ist, hat in England eine lange Reihe von Jahren eine wohlverdiente Berühmtheit genossen, und es ist keinem Zweifel unterworfen, dass, wenn die Ungebundenheit sei- ner Lebensweise es zugelassen hätte, seine Arbeiten mehr auszu- führen, seine grosses Talent auch im Auslande anerkannt worden wäre.

Rowlandson gab schon früh Beweise seines Talents, er zeich- nete, kaum 10 Jahre alt, die Bilder seines Lehrers Dr. Barvis und seiner Mitschüler (unter denen auch der tragische Schauspie- ler Holman war) auf die drolligste Weise, und die Ränder seiner Schulbücher waren mit ähnlichen Scenen bedeckt. Im 16. Jahre seines Lebens ward er nach Paris geschickt, wo er eine der dort bestehenden Zeichnenakademien besuchte und sehr rasche Fortschritte im Zeichnen nach dem menschlichen Körper machte. Auch von Paris, wo er zwei Jahre blieb, brachte er eine Menge von satyrischen Skizzen mit. Nach seiner Rückkehr setzte er in London seine Studien in der dortigen Akademie fort, dachte aber immer noch

Rowlandson, Thomas.

nicht daran, im strengen Sinne des Wortes Künstler zu werden, Endlich trat ein Wendepunkt in seinem Leben ein. Rowland- son's Vater, ein Kaufmann , der immer eine grosse Vorliebe für Spekulationen gehabt hatte, verwandte grosse Summen auf Ver- suche von Manufaktur-Anlagen, gerieth dadurch in Verlegenheit, und sein Sohn war, ehe er noch das Mannesalter erreicht hatte, genöthigt, von den Früchten seines eigenen Fleisses zu leben.

‘Glücklicherweise nahmen sich reiche Verwandte seiner an, von welcher er nach ihrem Tode eine beträchtliche Summe ererbte, die ihn in den Stand setzte, seiner ungebundenen Lebensart freien Lauf zu lassen. Schon in Paris fasste er die unglückliche Leiden- schaft für das Spiel, und diese verliess ihn auch in London nicht, so dass er in nicht langer Zeit mehrere Tausend Pfund verspielt hatte,' und nach und nach die bedeutende Erbschaft verschwand. Zu seinem Ruhme aber sei es gesagt, dass er immer als Mann von Ehre erschien, und wenn er alles verloren hatte, was er be- sass, begab er sich nach Hause, entwarf eine Reihe von Zeich- nungen, und sagte dann mit stoischem Gleichmuth: »ich habe ei- nen Narrenstreich gemacht, aber hier (und damit zeigte er auf seine Pinsel) ist meine Hilfsquelle«.

Die Vielseitigkeit seines Talentes, die Fruchtbarkeit seiner Ein- bildungskraft, die Zierlichkeit in der Anordnung seiner Grup- pen und die beinahe wunderbare Schnelligkeit, mit welcher er Zeichnungen eines jeden Gegenstandes hinwerfen konnte, würden ihn, wenn er seine Studien mit Ernst verfolgt hätte, ohne Zweifel zu einem der ersten Geschichtsmaler gemacht haben. Sir Joshua Reynolds und Füssly haben öfter erklärt, dass sich einige Zeich- nungen neben denen eines Rubens oder irgend eines andern gro- ssen Zeichners der alten Schule sehr wohl würden haben sehen las- sen können. Rowlandson's ungebundene Lebensweise liess ihn nie zu etwas Ausgeführten kommen, und so bestehen denn die Erzeug- nisse seines Genies, das mit dem des bekannten Gilray eine grosse Verwandtschaft hatte, aus einer unübersehbaren Reihe von leicht getuschten, und in Farben aufgehobenen Zeichnungen, welche grösstentheils in den Besitz des wackern Kunsthändlers Ackermann in London kamen. Ackermann war der treueste Freund und beste Rathgeber Rowlandson's, und ihm hat man es zu danken, wenn die genialen Entwürfe dieses Künstlers durch die Heraus- gabe mehrerer humoristischer Werke, wie: Dr. Syntax auf male- rischen Reisen (Tour in search of the picturesque), wovon in 7 Jah- ren 30.000 Abdrücke in immer erneuerten Ausgaben verkauft wur- den; der Tanz durchs Leben (the dance of Life) und der Todten- tanz' (the english dance of Death, 2 Voll. 1815—16. 8.), den Kunstfreunden bekannt wurden.

Zu diesen Dichtungen (in Butler'schen Versen) von dem ver- storbenen geistreichen Coomb, entwarf der phantastische Sittenma- ler Rowlandson in leicht skizzirten aber geistreich radirten und colorirten Karikaturbildern eine ganze, ins englische Leben ein- greifende Reihenfolge von Sittendarstellungen, oder vielmehr, der verkappte Dr. Syntax singt zu diesem Cyklus seine Gedichte.

Rowlandson hat auch 24 Scenen zum Landprediger von Wakefield gegeben, die ebenfalls bei Ackermann erschienen. Eine zierliche Ausgabe des englischen Gebetbuches (The Com- mon Prayer Book) hat er mit Kupfern geziert. | Dann haben wir von Rowlandson auch ein New Caricature Magazinel, or Mirror of Mirth, welches von 1810 an, in roy- fol. erschien, mit eigenhändigen Radirungen.

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