Roux, Jakob Wilhelm Christian

Roux, Jakob Wilhelm Christian, Zeichner und Maler, Professor an der Uni- versität zu Heidelberg , wurde 1771 zu Jena geboren. Dieser vielseitig gebildete und verdienstvolle Künstler hält

Auch für die Wissenschaft hat Roux Bedeutendes geleistet. Schon lieferte er die Tafeln zu Loder's anatomischem Werke geliefert, und 553 zu Tiedemann's klassischem Werke (Abbildungen über den Verlauf der Pulsadern des menschlichen Körpers etc, Karlsruhe 1821 gr. Imp. Fol.) gehören zum Ausge- zeichnetsten, was die neuere Zeit auf diesem Felde wissenschaftli- cher Kunstleistungen gesehen hat. Ueberhaupt war bei Roux mit dem Kunsttalente eine entschiedene wissenschaftliche Richtung des Geistes, eng verschwistert. Zu einer feinen Beobachtungsgabe hatte sich ein unüberwindlicher Hang gesellt, eine Sache in ihren tie- feren Gründen zu erforschen, und bis zu ihren letzten Resultaten zu verfolgen. So hatte er durch seine Untersuchungen über die Farben als Pigmente immer weiter geführt, endlich die Farbe selbst von ihrer physikalischen Seite zu ergründen gesucht. Das Werk, welches wir hierüber von ihm haben, ist betitelt: Die Farben. Von Dr. J. Roux. 5 Hfte. Heidelberg 1824 — 1829. Grosse und lange Forschungen machte er zur Vervollkommnung der Technik der Wachsmalerei. Schon die Gemälde, welche seiner neuen Erfindung vorausgegangen waren, sind auch von techni- scher Seite beachtenswerth. Die Wahl des Grundes, der Öle und Pigmente war aufs sorgfältigste bedacht und geprüft, kein Mittel wurde angewendet, von dessen Wirkung der Künstler sich nicht im Voraus, vollkommene Rechenschaft gegeben hatte. Seine Oel- gemälde werden gewiss eine geraume Zeit überdauern und seine frühesten Pastellbilder haben sich bis zur Stunde treulich erhalten.

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XII, 32

So entstand nach und nach eine Reihe von Gemälden, in wel- chen vorzugsweise das Wachs als Bindemittel angewendet ist. Hie- her gehören: 1) Kopf einer Venus nach Titian, auf Holz gemalt, nach Art eines Miniaturgemäldes, einer der ersten gelungenen Ver- suche in dieser Art. 2) Portrait des Kirchenrathes Paulus auf Holz- grund, ein in jeder Hinsicht treffliches Bild, in sprechender Wahr- heit geistvoll gedacht, und von der gediegensten Fülle des Colo- rits, 3) Ein junges Mädchen mit rothem Schawl drapirt, ein weis- ses Tuch turbanartig um den Kopf geschlagen. In der Hand hält sie eine Zeichnung. Wenn die Wachstechnik in dem vorgenann- ten Bilde die markige Kraft einer männlichen Carnation bewährt, 50 zeigt sie sich hier geschmeidig genug, um jede Zartheit der weib- lichen Form auszudrücken. Der leicht verhauchte Schmelz der Farben, ihre sanft leuchtende Klarheit muss auch den Nichtkenner be- freuen. 4) Andreas Daria, nach einem wenig bekannten Gemälde Tizian's, auf Leinwand gemalt. Hier ist die Wirkung des Ti- tianischen Gemäldes vollkommen erreicht. 5) Die heilige Magda- lena in einem einsamen Walde, ähnlich motivirt, wie das be- kannte Bild des Correggio, auf Holz gemalt, nicht minder er- freulich durch Reinheit der Carnation und harmonische Haltung der Farbentöne. Beiwerk und Hintergrund dient zugleich zum Beweise, dass die Wachstechnik auch für die Landschaftsmalerei anwendbar ist. 6) Ein weiblicher Kopf, auf einem nicht grundierten Thontafel gemalt. Die Farben, welche in diesem höchst merkwür- digen Bilde mit Wachs gebunden wurden, bestehen aus farbigen Fritten, (verglasten Farben). 7) Ein weiblicher Kopf, alla prima gemalt. Ausser diesen sind noch andere Wachsbilder von Roux vorhanden, darunter ein ausgezeichnetes Portrait des Componisten Händel, welches in den Besitz eines Privaten übergegangen ist. Die unübersehbaren Schwierigkeiten, die zahlreichen Berufsgeschäfte, welchen Roux mit der grössten Gewissenhaftigkeit obzulegen gewohnt war, die häufigen Bestellungen im Fache der Portraitma- lerei, die Thätigkeit eines ausgebreiteten zahlreich besuchten Zeich- nungsunterrichtes hinderten den Künstler an der Vollendung einer größeren Anzahl Gemälde in dieser Kunst. Was die Wahl der dargestellten Gegenstände betrifft, so wäre es einem Künstler, der Licht und Schatten gar wohl in seiner Gewalt hatte, und über- diess so glücklich gewesen war, ein Mittel zu finden, welches von Natur schon eine gewisse Klarheit besitzt, ein Leichtes ge- wesen, mit einem Schau- und Prachtstück vor das Publikum zu tre- ten, aber eben dadurch, dass Roux den anspruchlosesten, aber schwierigsten Stoff gewählt, dass er seine Erfindung an Gegenstän- den versuchte, wo die Farben zugleich als die einfachste und com- plicirteste, Eins ist mit dem zarten psychisch-organi- schen Leben an der Carnation, gerade dadurch ist die sicherste Bürgschaft für die Gediegenheit seiner neuen Technik geleistet.

Roux hatte für seine Sache mit Wärme gekämpft, und uner- müdet dieselbe verfolgt. Der Vergleich späterer Erfindungen mit jener unseres Künstlers, wird lehren, ob es ihm möglich geworden, seiner Technik die erwünschte Vollkommenheit zu verleihen. Wir verweisen nur auf die Verfahrungsarten von Kniries und Fernbach, wovon die des ersteren, neben der Fernbach'schen Encaustik, von C. Rottmann bei seinen encaustischen Bildern aus Griechenland versucht, und jene des letzteren bei J. von Schnorr's Prachtgemälden des k. Saal- baues zu München angewendet wurde. In den einschlägigen Arti- keln haben wir näher darauf hingewiesen. Roux starb 1831 in Heidelberg.

Schliesslich erwähnen wir noch, dass Roux auch mehrere seiner Zeichnungen in Kupfer radirt habe, grösstentheils landschaft- lichen Inhalts.

  1. Studententumult zu Jena am 17. July 1792. Roux ad vivum del. et sc., qu. fol.

  2. Licht der Stadt Jena, schwarz und colorirt, 8. gr. qu. olio.

  3. Wieland's Grab zu Osmannstadt, 8. gr. qu. fol.

  4. Goethe's Garten bei Weimar, 8. gr. qu. fol.

  5. Herder's Lieblingsplatz auf dem Elsterberge, 8. gr. qu. fol.

  6. Schiller's Garten bei Jena, 8. gr. qu. fol.

  7. Das Schloss von Dornburg, kl. u. fol.

  8. Die Capelle in Bürglen, wo Tell's Wohnung stand, fol.

  9. Die Ruinen von Habsburg, fol.

  10. Der Wasserfall der Stolpe über Heindorf, fol.

  11. Malerische Ansichten von Jena, ein Heft von 6 Blättern; mit Text von Prof. Schütz, qu. fol.

  12. Ansichten der Stadt Jena in den Oktobertagen 1806, acht geätzte Blätter, schwarz und illuminirt. Jena 1806; kl. 4.

  13. Malerische Ansichten von Heidelberg und seinem Schlosse; — 66 Blätter, nach der Natur gezeichnet, und radirt von Prof. Roux. Mit Text von A. Schreiber. Die Blätter sind schwarz oder colorirt, qu. fol.

  14. Auswanderung einer sächsischen Künstlerfamilie in die Schweiz beim Ausbruche des Kriegs 1813. Nürnberg 1814 (Campe.)

  15. Malerische Reise am Rhein von den Vogesen bis zum Sie- bengebirge, von A. Schreiber. Mit 40 von Prof. Roux nach der Natur aufgenommenen und radirten Blättern, schwarz oder colorirt, qu. folio. Dieses Werk findet sich mit deutschem und französischem Tafeltext, so wie das folgende, wozu dieselben Kupfer benutzt wurden. Vollständiges Gemälde der Rheinlande von Schaffhausen bis Holland und den schönsten, arabischen Gegenden. Prachtausgabe des Handbuches für Reisende am Rhein, von

Dann machen diese Blätter auch einen Theil der bei Enkelmann in Heidelberg erschienenen Malerischen Ansichten des Rheins, der Mosel, der Hardt- und Taunusgebirge,

72 Blätter, gezeichnet von Fries, Kunz, Rottmann, Roux und Xeller. Mit erläuterndem Text, gr. 4°. fol.

Dann noch folgende Werke mit eigenem Texte gebildet.

  1. Das Harztgebirge und die Gegend von Worms und Nie- derstein, 90 Ansichten von Roux nach der Natur gezeichnet und radirt, Mit deutschem und französischem Texte,

  2. Der Rheingau bis Bingen. In sechs malerischen Ansichten, gezeichnet und radirt von Roux. Mit deutschem und fran- zösischem Texte,

  3. Bingen, Kremskloster, das Nahe und der Donnersberg. In 6 Ansichten nach der Natur gezeichnet und radirt, mit deut- schem und französischem Texte.

  4. Der Rhein von Bingen bis Coblenz. In 12 Ansichten, mit deutschem und französischem Texte.

  5. Der Rhein von Coblenz bis Bonn. In 9 Ansichten mit kur- zem Texte, gr. 4°.

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