Rottmann, Carl, Landschaftsmaler , einer der ausgezeichnetsten jetzt lebenden Künstler , wurde 1748 zu Handschuchsheim bei Heidel- berg geboren, und schon von Jugend auf von seinem Vater Friedrich zur Kunst angeleitet, da dieser dieselbe selbst mit vielem Ge- schicke betrieb, indem er zeichnete und in Aquarell malte. Der junge Rottmann widmete sich ebenfalls sehr früh der Zeichen- kunst, und brachte schon als Knabe manches gelungene Bild in Aquarell zusammen, worunter eine Ansicht des Heidelberger Schlos- ses bei Sonnenuntergang sich besonders bemerkbar machte, Hier-
Im Jahre 1822 ging Rottmann nach München , da ihn der Ruf der dortigen Akademie angezogen hatte; allein er besuchte bei seiner Ankunft dennoch nur die Ateliers der berühmtesten kunstverwandten Meister, und in der Akademie bat er nur um die Erlaubnis, das grosse daselbst befindliche Landschaftsbild des Joseph Koch copiren zu dürfen. Den Sommer des Jahrs 1823 brachte er im bayerischen Hochgebirge zu; längere Zeit in dem romantischen Thale der Ramsau, welches Rottmann auch durch ein grösseres Oelbild wiedergab. Dieses Bild fand 1823 auf der Kunstausstellung zu München allgemeinen Beifall, da sich darin ein ganz anderer Geist aussprach, als bis dahin in der von conventioneiler Nachahmung befangenen Landschaftsmalerei geherrscht hatte, weil auch die besten Bilder von Dorner, W. Kobell u. a. eine erfreu- liche Erscheinung sind. Rottmann hatte seine Bilder mit tiefem dichterischem Gefühle unmittelbar aus der Natur geschöpft, und auch die zumeist nur in wenigen Figuren bestehende Staffage trägt einen entschieden elegischen Charakter an sich. Rottmann's Streben ging mehr auf das Allgemeine; über die individuelle Vollendung des Einzelnen dominirten die Hauptformen der Landschaft, die in ihren Linien und Farben eine mehr allgemeine und ideelle Wirkung hervorbringen. Dieser Richtung blieb der Künstler auch in der Folge im Ganzen treu, nur dass er durch eine genauere Ausführung der landschaftlichen Details und durch mannigfaltiger belebte Vor- gründe auch der individuellen und lokalen Naturwahrheit immer mehr zu genügen strebte. Seine früheren Bilder vergegenwärtigen uns colossale Gebirgszüge, breite Seen, Strömungen und Meeresufer mit unabsehbaren Thälern; oder sie schildern, wie die Nacht auf den tiefen Seen des Gebirgstheiles liegt, und die grauen Morgen- nebel an den schroffen Felsenwänden hinziehen, während schon die Morgensonne die zackigen Schneespitzen röthet; wie das Licht des Vollmondes am Abendhimmel mit dem Schimmer der eben untergegangenen Sonne streitet, und diese Lichtmasse im breiten Wasserspiegel widerstrahlt, oder wie am öden, von steilen Bergen umkränzten Meeresufer eine Zigeuner-Bande von der Mit- tagsrast aufbricht. Solche und ähnliche Scenen malte der Kunst- stier in seiner früheren Zeit, und belebte sie mit wenigen, oft phantastischen Figuren.
Im Jahre 1826 ging Rottmann nach Italien, und dehnte seine Reise bis nach Sicilien aus, da ihm König Ludwig von Bayern den Auftrag ertheilte, eine Ansicht von Palermo zu malen. Bei dieser Gelegenheit sammelte der Künstler einen reichen Schatz der vortrefflichsten, grösstentheils an Ort und Stelle in Aquarell- farben ausgeführten Studien. Einige derselben führte er nach sei- ner Rückkehr in Oel aus. Eine Ansicht der römischen Campagne und ein Blick auf das Colosseum in Rom, welches 1828 für die Mitglieder des Kunstvereins in München von Borum lithographirt wurde, gehören zu den frühesten, und diese sind auch noch in der früheren, den allgemeinen Charakter der Landschaft darstellen- den Weise gemalt; der schönste Erfolg krönte aber sein Streben in der 1820 vollendeten Ansicht von Palermo mit dem Monte Fe- legrino vom Kloster St. Maria e Giesu aufgenommen, welche n.
Nach Beendigung der landschaftlichen Fresken erhielt Rott- mann vom Könige den Auftrag, Griechenland zu bereisen, um Zeichnungen von Landschaften zu sammeln, die, wie man damals
Das Wirken dieses Künstlers war also bisher ein doppeltes, wobei die Ueberwindung der Schwierigkeiten der einen Technik selbst auf die vollkommene Ausbildung der anderen einigen Einfluss übte, den er aber in der letzteren Zeit auf das glücklichste beseitigte. Seine kleineren Gemälde wurden immer hoch geschätzt, in den grösseren wollte man aber mehr Poesie und Gemältheit als Technik finden. Diese Bemerkung finden wir in Kugler's Museum 1830 Nr. 24 bei Gelegenheit einer Beurtheilung von Rottmann's Ansichten von Cefalu und Corinth, man gestand aber dabei zu, dass Rottmann in München unstreitig den feinsten Geist bei der Beobachtung der Natur, den meisten Takt und das sicherste Gefühl bei dem Auffassen landschaftlicher Darstellungen habe. Urtheile über diesen Künstler liest man bereits unzählige, die meisten aber gehen so ziemlich auf dasselbe hinaus. Dem Grafen Raczynski (Gesch. d. neuern deutschen Kunst II. 333) ward eine reiche Anschauung zu Theil; er spricht sich nicht bloss mit Begeisterung über Rottmann's Werke aus, sondern nennt auch den Künstler durch seinen Geist, seine Kenntnisse, seinen Charakter ausgezeichnet. Graf Raczynski sagt: diesen Meister begeistere die Natur, aber ohne ihn zur demüthigen Unterwerfung zu zwingen, und dennoch füge sich Alles zu einem wohlgeordneten und harmonisch durch Licht und Farbe verbundenen Ganzen zusammen; die unübertrofene Leichtigkeit Rottmann's und die glückliche Weise desselben, die glänzendsten und treffendsten Lichtwirkungen wieder zu geben, zwingt ihn zu dem Ausspruche, es stocke Zauberei in seiner Palette und in seinem Pinsel. Das Gepräge dieses Künstlers findet der edle Graf so eigenthümlich, dass man niemals seine Werke für die eines andern werde nehmen können. Auch in dem oben erwähnten Artikel des Conversations-Lexikons der Gegenwart heisst es, dass dieser in Auffassung und Darstellung so originelle Künstler als eine selbstständige und vereinzelte Erscheinung dastehe, mit den deutschen Landschaftsmalern in dieser hauptsächliche Glied dieser Kette, durch Joseph Koch, einigermaßen auch äusserlich zusammenhängend, aber völlig unabhängig von der erst später aufblühenden Düsseldorfer Schule, mit deren Hauptrepräsentanten Lessing er sich durch seine poetisch-elegische Naturanschauung verwandt zeige, während er sich von
Rottmann ist seit 1841 k. bayerischer Hofmaler, und 1843 wurde er Ritter des Verdienstordens vom hl. Michael.
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