Rottenhammer, Johann

Rottenhammer, Johann, Historienmaler , wurde zu München geboren, und daselbst von Hans Tannauer (Dannauer) unterrichtet, da sein Vater Thomas, der als herzoglicher Hofstallmaler nicht viel mehr als Anstreicher war, sich das Talent seines Sohnes nicht zu leiten getraute. Tannauer — auch Thonauer geschrieben — war indessen selbst kein grosser Meister, aber ein Mann von Bil- dung, der auch von Sandrart gerühmt wird (Vorrede zum zwel- ten Bande seiner Akademie S. 212), weil er ihm Nachrichten über

bayerische Künstler lieferte. Da Dannauer nahm diesen ihm höchst ehrenden Schüler die Lehre, wie wir dieses aus den Akten der Malerzunft in Mü- nchen ersehen, wo unter dem bezeichneten Jahre steht, dass dieser

Dannauer, der indessen nie als Führer erscheint, den Hans Ri-

ottenhammer auf sechs Jahre geden habe. Nach erstandener Lehr-

zeit begab sich Rottenhammer mit Unterstützung des Herzogs nach

Italien , und kam zu einer Zeit in Venedig an, wo Tintoretto noch thätig war. Rottenhammer huldigte den Lehren dieses Meisters auf das pünktlichste, und ahmte ihn selbst in seinen oft so zwungenen Stellungen nach. Wie sehr Rottenhammer den Tinto- retto zum Vorbilde genommen habe .beweist, neben anderen ein& seiner vorzüglichsten Werke im Museum des Louvre, welches nach Waagen (Kunstwerke etc. III. 555) ganz in der Art der hel- len, warmen und fleissigen Gemälde Robusti's gemalt ist, und des-

Rottenhammer hielt sich auch einige Zeit in Rom auf, noch länger aber in Venedig, wo er viele Bilder malte, meistens in kleinem Formate und auf Kupfer. Zu seinen grösseren Werken, die er in Venedig ausführte, gehört die Verkündigung Mariens in der Kirche des heil. Bartolomäus, welche Kaiser Rudolph II. ma- len liess, als Ersatz für Dürers Marter des hl. Bartolomäus, wel- che er für seine Gallerie in Prag erwarb. Ein zweites Kirchenbild ist jenes der heil. Febronia in der Kirche der Unheilbaren. Kai- ser Rudolph besass mehrere Bilder von Rottenhammer, die er in seiner Sammlung zu Prag aufstellte, und die zu den besten Arbeiten des Meisters gehören. Seine Werke sind nicht immer gleich; die- jenigen, die er für Gemäldehändler oder für schlechte Bezahlung ausführte, flüchtig behandelt. Den anderen sieht man die Zufrie- denheit und die Liebe an, womit er malte. So ist in der Samm- lung in Staffordhouse zu London eine heilige Familie in einer Landschaft und von einem Blumenkranz umgeben, das feinste und zierlichste von Miniatur in Oel, was Waagen von Rottenhammer und Seghers gesehen hat. Von letzterem sind die Blumen. Die Bilder aus der Sammlung des Kaisers Rudolph sind wahrscheinlich jene der k. k. Gallerie des Belvedere zu Wien. Da sieht man eine Landschaft mit der Flucht in Aegypten und Blumen streuen- den Engeln. Die Landschaft ist von Vinkenbooms gemalt. Ein zweites Bild, wo der landschaftliche Theil von J. Breughel her- rühret, stellt die vier Elemente dar, 1604 gemalt. Ein drittes Ge- mälde der genannten kais. Sammlung zeigt das jüngste Gericht und die Auffahrt der Seeligen zum Himmel, und ein anderes, so wie das obige 1 F. 6 Z. hoch, den Sturz der Verdammten. Auf einem fünften, fast zwei Schuh breiten Bilde, stellte Rottenhammer den Kindermord dar, und von zwei anderen, kleineren Bildern als die zuletzt ge- nannten, zeigt das eine die Erweckung des Lazarus, das andere den Streit der Centauren und Lapithen bei der Hochzeit des Pirithous. — Ein anderes Bild, welches Rottenhammer auf Befehl des Kaisers Rudolph malte, eines der reichsten und schönsten des Meisters, kam in andere Hände, und zuletzt in die Gallerie zu Pommersfelden. Es stellt ein Göttermahl dar mit dienenden Nym- phen und Genien. Die herrliche Zeichnung zu diesem Bilde ist in J. A. G. Weigel's Aehrenlese auf dem Felde der Kunst. Leip- zig 1830 S. 0. beschrieben. Das Gemälde war noch 1820 im Be- sitze eines Privatmannes zu Carlsruhe. Es ist auf Kupfer gemalt, 24 Z. hoch, und ungefähr 30 Z. breit. Auch in der kgl. Gallerie zu Dresden ist ein Göttermahl,

Die grösste Anzahl von Werken dieses Künstlers war in Bayern, in der Pfalz und in Schwaben verbreitet, da sich Rotten- hammer nach seiner Verheirathung anfangs in München, und dann in Augsburg niederliess, weil in der ersteren Stadt Pietro Candito

Es wurde auch eine bedeutende Anzahl von Werken dieses Künstlers gestochen, worunter wir folgende Blätter ausheben.

Das Bildniss Alb. Dürers, von vorn gesehen, im Pelzmantel, mit einer Tafel in beiden Händen, nach einer Copie von Rotten- hammer von L. Kilian 1608 gestochen.

Die Erhöhung der ehernen Schlange, Composition von etwa 43 Figuren, gestochen von L. Kilian, und copiert von P. im Kleinen.

Die Verkündigung Mariä, gest. von L. Kilian.

Die Verkündigung Mariä, von R. Sadeler schön gestochen.

Die Anbetung der Hirten, gestochen von L. Kilian, zwei Darstellungen, die reichere 1601 dem Bischof Johann Adam dedi- ziert, die andere dem H. Bernhard Klingenstein.

Die Ruhe auf der Flucht in Ägypten, gestochen von H. van der Borcht. Eine ähnliche Darstellung stach auch Just. Sadeler, dann im Kleinen C. de Passe und El. Rosch.

Mehrere heil. Familien und Madonnen, gest. van E. Sadeler, L. Kilian und H. Ulrich, N. Ponce, Chataigner und Niquet, G. Zinck, P. v. d. Berge, A. Gab. Finimani, G. Zinck.

Die Erweckung des Lazarus, schöne Composition, gestochen von R. Sadeler.

Die Taufe Christi, gestochen von L. Kilian.

Die Kreuzigung Christi, oder Christus am Kreuze, schöne Composition in Tintoretto's Manier, 1618 von L. Kilian gestochen.

Maria auf dem Throne mit dem Jesuskinde auf dem Schoosse, unten spielt ein Engel die Laute, gestochen von C. de Passe. Die Himmelfahrt der Maria, schöne Composition von L. Kilian gestochen. Die Enthauptung der heiligen Catharina, von Aug. Demmel gestochen. Saulus, zwei imitierte Zeichnungen, von Mich. Laurenz. Der Engelsturz, nach dem Bilde in Wien von J. C. Krüger gestochen.

Venus schlafend von drei Satyrn beleuchtet, gestochen von J. Matham.

Das Urtheil des Paris, gestochen von Viel.

Aktäon in einen Hirsch verwandelt, gestochen von Beauvarlet.

Adonis trennt sich von Venus. Chartres exc. Paris. Der Stecher soll Dom. Custos seyn. gr. fol.

Mars entkleidet bei Venus, gestochen von Dan. Herz.

Venus von Jupiter geliebt, in Mezzot. von E. Haid.

Die Victoria, mit dem Schilde, mit Palme und Krone.

Die Felicitas, zwei grosse Blätter von L. Kilian 1614 und 1615 gestochen, in der Manier von Saenredam oder Golzius. Die sieben freien Künste, grosse Büsten, mit J. J. Haid's Druck.

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