ROSSI, COSIMO, Maler von Florenz , ein sehr bemerkenswerther Meister des 15. Jahrhunderts, von dessen Leben Vasari nicht viel benachrichtet, so wie er ihn auch mit Unrecht nur in die Reihe derjenigen stellt, deren Arbeiten leidlich sind. Die Angaben über seine Lebensgrenzen sind widersprechend, indem die späteren Com- mentatoren den Biographen von Arezzo corrigiren wollten; doch auch diese sind nicht ganz ins Reine gekommen. Baldinucci IV. 6 ff. lässt unsern Cosimo, den Sohn des Lorenzo di Filippo di Rossello im Jahre 1416 geboren werden, und dehnt dessen Leben bis aus, so dass der Meister ein Alter von 40 Jahren erreicht haben müsste, während ihn Vasari im 68. Jahre sterben lässt. Piacenza setzt seinen Tod erst nach . Auch in Bezug auf seine Schule sind die Angaben nicht gleich. So hält ihn Baldinucci für einen Schüler des Alessio Baldovinetti, und andere schrieben ihm nach; allein aus der eigenthümlichen Grazie , die man in den Wer- ken seiner früheren Zeit gewahrt, kann man ziemlich bestimmt auf die Schule des Gio. Angelico da Fiesole schliessen, mit wel-
chem er sogar am jüngsten Gerichte gearbeitet haben soll, nur zeigt sich, dass er sich später von dessen Richtung ab und jener des Masaccio zuwandte, jedoch ohne jener Zartheit seiner früheren Schule sich zu entäußern. Davon machen aber die Werke seiner späteren Zeit eine Ausnahme, indem dieselben in einer ganz flüchtigen Manier hingemacht, und wenig zu beachten sind, so dass von Rumohr (Ital. Forschungen II. 276) nur noch in Cosimos Be- handlung der Tempera, welche mit einer gewissen Derbheit man- che technische Vortheile verband, einen Fortschritt findet, im Ueb- rigen eine unerweckliche und hässliche Manier erkennt. Dagegen ist dasjenige, was er in seinem frischen Lebensalter geleistet, von hohem Interesse. Die Formen haben größere Fülle, freiere natürliche Bewegungen, und in den Köpfen bemerkt man Mannigfal- tigkeit und streng ausgeprägte Individualität; während in den Wer- ken der späteren Zeit häufig breitbackige Gesichter mit langen höl- zernen Nasen erscheinen, und man vergebens nach den edlen und idealen Formen seiner Blüthezeit sucht. Die Zeichnung ist sehr
Zu den letzten Werken seiner letzten Zeit gehören auch die Mal- ereien in der 1473 von Pintelli erbauten Kapelle des Papstes Sixtus IV. zu Rom. Er malt mit S. Botticelli, Ighor Ghirlandaio, dem Abte von St. Clemente, mit Luca aus Cortona und Pietro Perugino. Der Papst soll demjenigen, der nach seinem Urtheile das Beste leisten würde, eine Belohnung versprochen haben; allein die Ken- nerschaft des heiligen Vaters lieh sich von den schönen Farben und dem Glanze des Goldes täuschen, welches Rosselli verschwän- derisch angebracht hatte, und die übrigen Maler sahen sich nicht allein vorgezogen, sondern mussten auch ihre Malereien durch Gold und Farbenprunk denen des von ihnen früher verlachten Co- simo gleich machen. Letzterer malte da den Untergang Pharao's im rothen Meere, die Predigt des Herrn am See Tiberias, mit der Heilung des Aussätzigen, und das Abendmahl des Heilandes, wo man in der Ferne zugleich auch die Gefangennehmung und die Kreu- zigung sieht. Dieses letztere wurde nach Taja's Versicherung zwei- mal ausgebessert; das letztemal 1550. Diese Malereien Cosimo's sind unter jenen der Sixtina im Allgemeinen die schwächsten, und es schadet ihnen auch noch die zu wenig sparsame Anwendung des Goldes, womit der Meister nicht nur Verzierungen der Gewänder, sondern auch die Lichter derselben erhöht hat. Sie sind noch alle wohl erhalten. Damit schließt Vasari das Verzeich- niss der Werke Rosselli's, wir müssen aber noch einiger anderer erwähnen, die sich im Auslande befinden. Darunter steht ein gros- ses Altarbild im Besitze des Young Ottley zu London oben an, von welchem Waagen, I. c. I. 307 sagt, es sei ihm mit Ausnahme des Frescobildes in S. Ambrogio das liebste Werk des Meisters. Es stellt Christus am Kreuze dar, mit prächtiger Krone auf dem Haupte, in einem schwarzen, mit Edelsteinen besetzten Gewande, mit den beschuhten Füssen einen Kelch berührend. In der Luft schweben sechs Engel und acht Cherubim und Seraphim, sämml- lich von grosser Schönheit. Rechts kniet Johannes der Täufer und St. Dominicus, links Petrus Martyr und Hieronymus. Die Köpfe sind nach Waagen höchst lebendig und individuell, die Motive fein und edel, die Zeichnung sehr sorgfältig, die Färbung warm und klar, das Impasto der Temperamalerei höchst meister- lich. Dem schönen Frescobilde in S. Ambrogio entsprechen auch einige Bilder im k. Museum zu Berlin, woman in Deutschland des
Cosimo Rosselli hatte auch Schüler. Einer derselben, Piero di Cosimo genannt, half ihm zu Rom in der Sixtina, wo er im Bilde der Predigt Christi die Landschaft malte, die für das Beste des ganzen Gemäldes gilt. Ein anderer Schüler war Andrea di Cosimo, der Grottesken malte. Cosimo hatte auch einen Sohn, der Bau- meister war. Vasari besass in seiner Sammlung das von Agnolo da Dono gezeichnete Bildniss des Meisters. Im Holzschnitte findet man Cosimo's Bildniss vor dessen Lebensbeschreibung von Vasari Nr. LXVI.
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