Rossellino, Bernardo und Antonio

Rossellino, Bernardo und Antonio, zwei berühmte Künstler von Florenz , denen Vasari eine eigene Biographie widmete, zwar die 60ste seiner Vite de piü excellenti pittori, scultori e architetti, die uns jetzt in einer trefflichen Uebersetzung von Schorn vorliegen. Vasari bedurfte indessen mancher Berichtigung und mehrerer Zusätze, die in Schorns Uebersetzung unter dem Texte vorkommen, und einen wichtigen Beitrag lieferte auch Dr. Gay- ci in seinem Carteggio inedito d'artisti etc. I. tom. Firenze 1859.

Antonio. Sind Documente abgedruckt, welche über die Familie dieser beiden Künstler Aufschluss gehen, und woraus sich ergibt, dass dieselbe gleich jene der »della Robbia«, mehrere Künstler zählte. Es ist dies die Familie der Gamberelli, und Rossellino, ist nur der Beiname der genannten Künstler. Der Vater derselben heisst Matteo di Do- menico Gamberelli, wie auch aus einer Inschrift in der Kirche S. Miniato erheilet, welche Manni in den Sigilli II. 107 bekannt ge- macht hat. In den Urkunden bei Gaye nennt sich daher der er- stere der genannten Künstler Bernardo di Matteo di Domenico. Antonio Gamberelli ist sein Bruder, mit dem Beinamen Rossel- lino, und drei andere Brüder, alle Bildhauer, die aber nicht be- kannt sind, heissen Domenico, Giovanni und Maso. Dr. Gaye gibt Nro. 73 Bernardo's Denunzia de beni, welche 1457 da- tirt ist. Er hatte drei Söhne: Gilio, Gio. Battista und Girolamo, und eine Tochter Francesca. Gio. Battista machte sein Te- stament, in einem Alter von 28 Jahren. Giovanni und Tommaso, die Brüder Bernardo's, testirten 1406, letzterer erneuerte aber 1502 wieder das Testament.

Bernardo Rossellino war ein höchst ausgezeichneter Meister, sowohl in der Architektur als in der Bildhauerkunst, in beiden Schüler des Donatello. Vasari nennt von ihm nur ein ein- ziges Werk der Sculptur, nämlich das Grabmal des florentinischen Geschichtschreibers Lionardo Bruni im St. Croce, der den 9. März

1445 starb. Dieses Monument gaben Gonnelli (Mon. sepolc. tav. 2, und Cicognara (Stor. della scult. II. 25) in Abbildung. Sein Werk ist auch das Grabmal der Beata Villana in St. Maria No- vella, welches Vasari dem Desiderio da Settignano beilegt. Ber- nardo begann es 1451, vor Desiderio's Zeit, wie aus dem Con- trakte erhellet, der bei Richa III. 51 und Cicognara IV. 147 be-

kannt gemacht ist. Letzterer gibt dieses Denkmal II. tav. 61 in Abbildung und Gonnelli ein Gleiches II. 1... Ferner ist von ihm das schöne Denkmal des berühmten Rechtsgelehrten Filippo Lazzari, welches 1464 auf Kosten der Verwaltung von S. Jacopo in S. Domenico zu Pistoja errichtet wurde. An diesem Denkmale ist das Relief mit der perspektivischen Darstellung ei- nes Hörsaales merkwürdig. Abgebildet bei Cicognara IV. 158. und in den Mon. sepolc. tav. 44. In der Guida di Pistoja von Tolomei, wird ihn pag. 30 auch muthmasslich das schöne Basrelief zum Andenken des Bischofs Donato Medici in der Capelle Pappagalli im Dome daselbst zugeschrieben. Diese sind die Bildhauerarbei- ten, welche man bisher als Werke Bernardo's erkennt. Er zeigt darin eine ähnliche Richtung wie sein Bruder, nämlich jene nach zarter Anmuth und Weichheit der Behandlung.

Weiter verbreitet sich Vasari über die Bauwerke dieses Künstlers, sowie er denn überhaupt als Architekt großen Ruhm hatte, den er als einer der ausgezeichnetsten Nachfolger des Bruneleschi auch verdien- te. Pabst Nicolaus V. (1447-1455) fand in ihm den Mann, der seine weitaussehenden Pläne zu realisiren im Stande war. Dieser Papst fasste um die Mitte seines Jahrhunderts, den Entschluss, die Stadt Rom zu verschönern, um sie auch zum Mittelpunkte der Künste und Wissenschaften zu machen; Es lag mit in seinem Plane den Vatikan so zu erweitern und zu schmücken, dass er der pracht- vollste Palast in der Christenheit würde. Die Zeichnungen wa- ren vollendet, geprüft und gebilliget, die Arbeiten bereits ange- fangen und die Gebäude dem Belvedere gegenüber, nebst einem Theil der weiten Ringmauer standen, schon als der Tod den Un- ternehmungen des feurigen Papstes ein Ende setzte. Papst Nico- laus wollte auch dem heil. Petrus eine neue, prachtvolle Kirche

Rossellino, Bernardo und Antonio.

bauen. Bernardo fertigte das Modell, und entwickelte daran'allen Reichthum seiner Kunst, Vasari sagt, der heilige Vater habe diese Kirche so gross, reich-und ausgeschmückt bauen wollen, dass es besser sei davon zu schweigen, als zu erzählen. Dieser Bau unter blieb aber, und auch das Modell war schon zu Vasari's Zeit nicht mehr vorhanden. Dann zeichnete Rossellino auf Befehl des Papstes auch drei neue Straßen, die nach St. Peter führen sollten. Er brachte auf der einen Seite Logen, auf der andern Buden an, wobei er die reichern und edlern Gewerbe von den minder bedeutenden schied und in besondere Straßen zusammen legte. Über den Bude den und Logen sollten prächtige, nützliche und bequeme Häuser, in schönem Styl aufgeführt werden. Allein der frühe Tod des Papstes unterbrach die Arbeiten. Der Turrione di Nicola gibt der Nachwelt noch Zeugniss von dessen grossartigem Willen. Nicola us V. hatte indessen mit Hülfe seines Architekten dennoch viel so wohl in Rom als in verschiedenen Gegenden Italiens Prachtgebäude erstehen sehen. Der Papst hatte im Sinne, und vollführte es auch zum grossen Theil, in Rom die von Gregor dem Grossen gestifteten 40 Ablasskirchen allmählig herzustellen, und neu aufzubauen. So wurden St. Maria Trastevere, St. Prassede, S. Teodor, S. Pietro in Vincola und viele andere der minder grossen Kirchen in guten Stand gesetzt. Dahin besserte er die Stadtmauern aus, und erneute sie an vielen Stellen. Er baute auch einige Thürme und gab dem Schloss St. Angelo aussen ein neues Befestigungswerk, während es innen viele Zimmer und Verzierungen anbrachte. Der Papst liess durch ihn den Markt zu Fabriana erneuern, wo er auch die Kirche des heil. Franz herstellte, welche dem Einstürz stürz drohte. Die Benediktinerkirche in Gualdo führte er fast von Neuem auf, und bei der Restauration der Kirche des heil. Franz von Assisi brachte er stärkere Stützen an. In Civita Castellana erbaute er mehr als den dritten Theil der Mauer, in Civita Vecchia errichtete er viele schöne Gebäude und zu Narnı erweiterte er die Festung. Dann sagt Vasari, dass Rossellino in Orvieto eine grosse Festung mit einem prachtvollen Pallast erbaut habe. Dieser Auss gabe widerspricht della Valle; indem er bemerkt, die Festung Roca sei wohl einige Jahrhunderte früher entstanden, und die zu Or vieto befindlichen Pallaste hätte Ippolito Scalza, der Zeitgenosse des Michelangelo's erbaut. Zu Spoleta aber vergrösserte und erweit erte er die Festung, und in Viterbo setzte er mit vielen Kosten und nach grossartigerm Sinne die Bäder wieder in Stand. Da brachte er sogar Fürstenwohnungen an, aber alle diese Gebäude sind verfallen. Die Burg in Spoleto ist aber noch ein Zeuge seiner Kunst, wo die schönen offenen Hallen des grossen Hofes ihn als ausgezeichneten Meister verkünden. Vasari zählt nur die Werke auf, welche Rossellino im Pontifikat Nikolaus V. ausführte; allein B. v. Rumohr, Ital. Forsch. II 180, ff. hat erwiesen, dass Bernardino nicht bloss bei Nikolaus V. sondern auch bei Pius II., der jenem nach dem kurzen Pontif ficate Cälestius II folgte, in Diensten war, und wahrscheinlich für ihn die grossen Bauanlagen von Pienza ausführte. Der Papst macht selbst in seinen Commentarien lib. IX. p. 425 eine auf Veranlassung seiner Anwesenheit in Pienza im Jahre 1462 eine ausführliche Schilderung seines dortigen Pallastes und nennt den Baumeister Bernardo vom Florenz. Vasari erwähnt dieses Pallastes ebenfalls schreibt ihn aber irrig dem Francesco di Giorgio zu. Bernardo, welcher sicher mit unserm Rossellino eine Person ist, da auch an den Bauten der Engelsburg zu Rom, zu Spoleto und Pienza eine hinlängliche Verwandtschaft nachgewiesen werden kann, begann sein

Antonio Gambarelli wurde Rossellino del Proconsolo genannt, weil seine Werkstätte an einem Platze im Florenz lag, der so hiess. Dieser Künstler, ein Schüler Donatello's, ist nur als Bildhauer bekannt, aber als solcher von grosser Bedeutung. Sein Streben geht weniger auf Energie als auf zarte Anmuth. Er machte hierin und in Weichheit der Ausführung einen bedeuten- den Fortschritt, wozu ihm nach Cicognara (Stor. geM. Scult. IV, 455) theils die von nun an immer zunehmenden technischen Er- fahrungen, theils auch das Studium der Werke Ghiberti's mögen verholfen haben; B. von Rumohr (II, 298) findet ihn aber klein- lich in der Zeichnung, sowie er ihm auch in Hinsicht auf Com- position und Gestaltung nur eine untergeordnete Stelle einräumt. Von seinen Werken nennt Vasari vor allen einen mit grosser Zier- lichkeit und höchst fleissig ausgeführten Brunnen von Marmor, der im zweiten Hofe des Palastes Medici (jetzt Riccardi) stand, aber verschwunden ist. Er war mit Kindern geziert, die Del- phine zügeln, welche Wasser ausspeien. In S. Croce zu Florenz ist noch das Grabmal des Francesco Nori und darüber eine Ma- donna in halberhobener Arbeit, verschwunden ist aber die von Va- sari erwähnte Madonna des Hauses Tornabuoni. Wohl erhalten ist in S. Miniato a Monte ferner das Grabmal des Cardinals von Portu- gal, wovon Vasari sagt, es sei bewunderungswürdig und mit solchem Fleisse verfertiget, dass kein Künstler glauben darf, er werde je- mals etwas sehen, was diese Arbeit in irgend einer Weise an Feinheit und Anmuth übertreffen könne. Auf dem Sarge sind schöne Kinder und der Verstorbene, und in einer runden Einfas- sung sieht man die Madonna. Dann sind auch liebliche Engel an- gebracht, von denen der eine die Krone, der andere die Sieges- palme hält. Vom Bogen herab geht ein schön geordneter Vorhang von Marmor. Dieses Grabmal, welches in den Mon. sepolc. della Toskana Nr. 33 abgebildet ist, wurde nach Vasari 1450 aufge- stellt, allein die Inschrift, welche der Bischof Alvaro setzen liess, sagt, dass dieses Monument 1406 errichtet wurde, was auch wahr- lich ist, da 1450 das Todesjahr des Cardinals ist, und Capelle und Denkmal unter Besorgung des genannten Bischofs entstand. Die- ses Monument gefiel dem Herzoge von Amalfi, dem Neffen Pius I, so wohl, dass er seiner Gemahlin in Neapel ein ähnliches errich

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