Roqueplan, Camille Joseph Etienne, Maler, einer der eigenthüm- lichsten und geistreichsten Künstler der gegenwärtigen Zeit, wurde 1803 zu Mâle (Bouches-du-Rhône ) geboren, und von Baron Gros unterrichtet, folgte aber nicht wie dieser der streng histori- schen Richtung ausschliesslich, sondern sein vielseitiges Talent nahm auch das reiche Gebiet der Genre - und Landschaftsmalerei in An- spruch, und pflegte dasselbe mit dem grössten Erfolge. Er malt nicht mögliche, nur eigentliche historische Bilder hat er bisher we- nig gemalt, und wenn solche vorkommen, so sind es gewöhnlich liebliche Staffeleibilder, besonders jene seiner späteren Zeit, wie seine Magdalena in der Wüste von 1838 u.s. w. Einige gehören noch der früheren Richtung an, wo unter der theatralischen Anordnung manchmal das Psychologische und rein Menschliche leidet, wie in dem Gemälde, welches eine Scene aus der Bartholomäus-Nacht vor- stellt, die Gräfin Diana von Turgis, die kniend zu ihrem Gelieb- ten fleht, er möchte seinem Glauben entsagen. Doch dieser siegt über die Thränen der Geliebten und der junge Hugenotte eilt sei- nen Brüdern zu Hülfe. Dieses Bild wurde 1836 auch in Deutsch- land bekannt, und in den Berlinischen Nachrichten desselben Jah- res Nro. 233 beurtheilt. Sehr zahlreich sind seine Genregemälde aus den höhern Zirkeln. Er führt uns in Gemächer aus der Zeit des Mittelalters, in die Prunkzimmer des dreizehnten bis zum fünf- zehnten Ludwig, und gibt dieselben mit aller Pracht des Costüms, der Möbel, Gefässe, und selbst die Kräuselzange und die Pudel- schachtel darf nicht fehlen. Atlas, Taffet und alle schimmernden Stoffe versteht er meisterhaft darzustellen. Solche Bilder, mit allem Zauber von Licht und Farbe, sind in ihren reichen Rahmen nach style de François Gegenstände, nach welchen man eine wahre Jagd macht; denn kaum ist ein Bild vollendet, so trägt es ein glückli- cher Käufer davon. Roqueplan ist ein Maler der Mode, der in seiner sonderbaren Richtung bewundert wird. Und wirklich ist er ein höchst eigenthümlicher, geistreicher Meister, der zur Freude seines Publikums den Rococo-Geschmack in die Malerei einge- führt hat. Roqueplan ist Manierist, aber er weiss alle seine Män- gel durch eine seltene Kenntniss der Farbengeheimnisse zu erse-
Einen anderen Theil seiner Werke machen die Landschaften und Marinen aus, die ebenfalls wieder Meisterwerke ihrer Art sind. Roqueplan versteht die Natur und findet sich heimisch darin. Sie erscheint in seinen Bildern geöffnet und tritt uns in heiterer Klar- heit entgegen. Seine ausserordentliche Kenntniss der Perspektive wirkt hier nicht selten Wunder. Es sind diese Bilder von gröss- tem Farbenzauber, und von schlagender Lichtwirkung, voll Wahr- heit und Natur. In dieser Hinsicht ist seine Marine im Luxem- bourg vor vielen anderen zu nennen. Die Sonne blickt durch die zerrissenen Wolken, beleuchtet die Felsen des Ufers und einzelne Theile des alterthümlichen Städtchens. Im Vordergrunde sind Bar- ken und vom Ruderschlage schäumen die Wellen. Es finden sich zahlreiche landschaftliche Darstellungen und Seebilder von diesem Künstler, alle mit poetischem Gefühle aufgefasst, fein und leicht im Tone, von markiger und lebendiger Färbung. Er liebt überhaupt ein lebhaftes Colorit, verfällt aber nie ins Greile.
Dann malte Roqueplan auch eine grosse Anzahl von Bildern in Aquarell, wahre kleine Meisterstücke, so wie denn auch seine Bilder in Oel meistens im kleinen Formate ausgeführt sind. Diese Aquarellbilder gleichen an Glanz und Kraft des Farbentons fast den Oelbildern.
Mehrere seiner Gemälde und Zeichnungen sind durch die Li- thographie und im Stiche bekannt. Die Schlacht von Elchingen, welche er 1837 für das historische Museum zu Versailles malte, ist in Ch. Gavard's Galeries historiques de Versailles von Peronard in Stahl gestochen. Teichmann stach 1842 unter dem Titel: Les cour- onnes de fleurs, italienische Landmädchen, die sich bekränzen. Ein anderes Bild, Jean Jacques (Rousseau) und die Kirschen, wurde 1853 von Tavernier gestochen. Ein von N. Desmadryl gearbeitetes Aquatintablatt hat den Titel: Le lion amoureux, welches einen Löwen vorstellt, der neben einem Mädchen sitzt, 1841 gestochen.
Mit Deveria, C. Boulanger u. a. fertigte er die Zeichnungen zur il- lustrirten Ausgabe der Contes et Nouvelles de Lafontaine, fai- sant suit aux deux editions de fables du même auteur, illust, par Grandville et J. David. Paris 1838, roy. 8. ;
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