Roos, Johann Melchior; Maler

Roos, Johann Melchior; Maler, Sohn und Schüler des berühm- ten Heinrich Roos, wurde 1650 zu Frankfurt a. M. geboren, und obgleich ihn der Vater zur Landschafts- und Thiermalerei anlei- tete, so malte er doch anfangs Bildnisse und historische Darstel- lungen. Von 1686 bis 70 hielt er sich in Italien auf, endlich aber kehrte er nach Deutschland zurück, vermählte sich in Nürnberg mit der Tochter des Dr. Landhansen und liess sich in Frankfurt hauslich nieder. So erzählt der Frankfurter Hüsgen, und so- mit könnte die Wittwe des Malers J. Werner jun., welche Des- caimps Gattin unsers Künstlers nennt, dessen zweite Frau gewe- sen seyn. Roos lebte selbst einige Zeit in der Schweiz , in- dem er zu Schaffhausen , zu Winterthur u. a. O. mehrere Bildnisse von Herren und Damen malte. Er staffirte auch einige Landschaf- ten des F. Weyer in Winterthur mit Figuren. Am zahlreichsten waren jedoch seine Bilder in Frankfurt, wo fast jedes Haus ein Bildniss oder ein Thierstück von ihm besass. In seiner späteren Zeit malte er fast ausschliesslich Landschaften mit Thieren, Bilder die zwar jenen des Joh. Roos nicht gleichkommen. Melchior Roos malte meistens zu flüchtig, man erkennt aber immer den Künst- ler von Verstand, und von grossem Talente. Er trug seine Far- ben stark auf, führte den Pinsel kühn und sicher, und bei aller Flüchtigkeit herrscht in seinen Bildern doch noch eine sehr lo- benswerthe Correktheit der Zeichnung. In seinen Darstellungen aus der Thierwelt offenbart sich ein bewegtes Leben, und grosse Wahrheit, selbst in den forcirtesten Stellungen. Roos hätte viel leisten können, wenn sein übriges Leben geregelter gewesen wäre. Er war der Schwelgerei ergeben, verlor die beste Zeit zum Arbeiten, und musste daher schnell auf Erwerb hinmalen. Zur Zeit der Noth liess er seine Gemälde hausiren tragen, meistens an Samstagen, wenn die Frau Marktgeld brauchte. Deswegen hatte der Künstler den Beinamen des Samstags-Roos. Keines seiner Hauptwerke

Dann haben wir von M. Roos ein radirtes Blatt, welches sehr selten ist und theuer bezahlt wird. R. Weigel werthet ein Exemplar auf 36 Thlr. An Auktionen ging es nach Verhältniss der Güte des Druckes zu 18 — 20 Thl. weg. Dieses Blatt stellt einen stehenden Ochsen vor, in ganzer Ansicht. Links: vorn steckt ein Pfahl, und rechts unten steht: M. Roos 1685. In der Führung der Nadel be- merkt man keine grosse Uebung, dennoch aber ist die Radirung geistreich und correct in der Zeichnung. Die Schraffirungen sind breit und roh, er wusste aber die Muskeln des Thieres gut anzu- deuten. H. 6 Z. 6 L., Br. 5 Z. 5 L.

A. Bartsch hat dieses Blatt schön copirt.

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