Roos, Johann Heinrich, Maler und Radirer, ein Künstler, der in Darstellungen aus der Thierwelt immer einen grossen Namen behaupten wird. Er wurde 1765 zu Otterdorf in der Pfalz gebo- ren, kam aber schon als Knabe nach Amsterdam , wohin sich seine Eltern wegen Religionsverfolgung begeben hatten. Hier unterrich- tete ihn Jul. du Jardin in den Anfangsgründen der Kunst, und dieser Meister war es vornehmlich, der die grossen Naturanlagen des Knaben erkannte. Hierauf nahm sich A. de Bye seiner an; allein das Genre, welches seine Meister pflegten, sagte ihm wenig zu, und somit brach er sich seine eigene Bahn. Er hatte eine ent- schiedene Neigung zur Landschafts- und Thiermalerei, worin er bei seinem scharfen Blicke in die Natur Ausgezeichnetes leistete. Er zeichnete seine Thiere in den seltensten und schwersten Stel- lungen, aber immer mit grösster Correktheit. Mit dieser Staffage stimmt auch die Landschaft auf das Vollkommenste überein, in- dem dieser Künstler die sinnigste Auswahl traf. Er brachte darin Felsen, Ruinen, Bäume, Gesträuche und Pflanzen an. Dies Alles ist mit grösster Treue und Naturwahrheit darge- stellt. Manchmal malte er auch Gärten im römischen Geschmack; er vermied aber die ermüdenden geraden Linien, die damals in Anwendung kamen, und suchte durch ein einseitig hinlaufendes Perspektive Abwechslung und Mannigfaltigkeit zu erzielen. In seinen Bildern aus der frühern Zeit geht das Colorit sehr ins Dunkle, das Hauptlicht ist aber immer mit grossem Verstande an- geordnet. Später wählte er eine hellere, naturgemässere Färbung, verfiel aber oft ins Rothe und Rothgelbe. Die grösseren Bilder malte er in kühner und geistreicher Manier, die kleineren Staffa- leibilder sind sehr fleissig vollendet. In dieser Weise lieferte er zahlreiche Bilder aus dem Hirtenleben in aller Anmuth und Ein- falt. Hüsgen, N. A. 239 S. spricht mit grosser Begeisterung von den Gemälden dieses Meisters, und nennt ihn bei der Schilderung eines solchen, welches er selbst besass, sogar: den himmlischen Roos. —
Man findet die Werke dieses Künstlers in den berühmtesten Sammlungen. In der kgl. Pinakothek zu München sind 14 Bilder, die alle zu den vorzüglichsten desselben gehören. Darunter ist auch des Künstlers eigenes Bildniss mit einer Hand. Ausgezeich- nete Werke sind auch in den Gallerien zu Wien, Berlin, Dresden, Pommersfelden etc. Unter den Bildern, die ehedem in Salzdahlum aufbewahrt wurden, ist auch das lebensgrosse Brustbild des Mei-
der Theodor ebenfalls viele Bildnisse. Indessen Arbeiten dieser
Art unternahm er nie aus freier Wahl; sein Lieblingsfach blieb immer die Landschafts- und Thiermalerei. Auch die Zeichnungen,
deren sich eine grosse Anzahl von ihm finden, sind trefflich.
Sie sind mit Tusche und Bister behandelt, mit Röthel schattirt, oder ganz in Rothstein und in schwarzer Kreide ausgeführt. Fol- gende Meister haben nach seinen Zeichnungen oder Gemälden ge-
stochen. Ph. Kilian stach das Bildniss des Künstlers, æt. suae 52
an. 1648, mit Dedication an den Meister. Auch J. F. Morgenstern hat sein Bildniss gestochen, sowie Schweyer.
Balzer: Ruhende Kühe und Schafe in einer Gebirgslandschaft 1791, gr. fol. Verschiedene Thiergruppen und Studien, 5 Bl. 8.
Bartsch A.: Etudes d'animaux dess. par H. Roos. A Vienne chez Stoeckl, 12 herrliche Blätter, Kühe, Stiere und Esel, fol.
Schöne Thiergruppen, Kühe, Schafe etc. in reichen Land- schaften. Ibid. 6 Blätter, qu. fol. Ein grosser liegender Bulle nach rechts, geistreich radirt. Ibid. qu. fol. Copien nach Nro. 31 und 39 der Blätter von Roos, ;
Burdé: Ein liegendes Schaf, radirt, 12;
Dunker: Schöne Thier- und Hirtengruppen: Livre de diffe- rents sujets de figures et animaux par le Roos, 8 geätzte Blätter, qu. fol. .
Eckart C.: Six feuilles d'animaux, fol. und qu. 64.
Heftzinger, A.: Studien von Schafen, Widdern, Ziegen, Eseln etc. 32 schön radirte Bl. kl. qu. fol. Eine Gruppe von Widern, dann eine Kuh und Ziege, zwei Aquatintablätter, qu. fol. Schöne Landschaft bei Abendbeleuchtung, in der Mitte eine alte Hirtin, welche das Schaf liebkoset, hinter ihr Ruinen, 1706 in Aquat. g° gestochen, s. gr. roy. fol. Eine Copie von Nro. 58 des Blattes von
Muet: Studien nach Thiergruppen, zwei radirte Blätter 1706 qu. fol. | ;
Hullotier exc.; Verschiedene Kühe und Stiere, 6 Blätter, kl. qu. fol. . ;
Kilian, G.: Die kämpfenden Stiere, — der Bulle auf den a° deren springend, — die Heimkehrende Heerde, reiche Compositio- nen, 3 Bl. in Schwarzkunst, gr. qu. fol. '
Kilian, Ph.: Die Anbetung der Hirten, Landschaft, fol. Das Bildniss des Schöppen Ph. Fleischbein,
Knorr's Verlag: Schöne Thiergruppen, 12 geistreich radirte Blätter, mit zwei Titeln: Thiere von H. Roos, erste und zweite Sammlung, qu., fol. ;
Viehheerlein in bergischer Landschaft. Aquat. fol. 9
Kuntz C.: Hirtenfamilie mit ruhendem Vieh, nach dem Bilde in der Gallerie zu Karlsruhe, gr. fol. !
Massinger: Schafe und Widder in Gruppen, äußerst zart und geistreich radirt, 4 Bl. qu. 8& *
Laurent., P. Italienische Ansicht, gr., fol.
Murgemtern Eine Folge von 5 Battern, mit dem Bildnisse des Künstlers, als sechstes, 1805, fol. /
Prestek: Gruppe von einer Kuh und mehreren Sohnfompe: Ruin- en, Aquat. gr, fol. '
Reinermann F.: ein grosses Viehstück, Aquatinta
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