Romanelli, Giovanni Francesco, Maler von Viterbo , war an- fangs Schüler Incarnatini's, seines Verwandten, der ihn später dem Dominichino übergab, welchen aber Romanelli nach einiger Zeit ebenfalls verliess, um sich dem Pietro da Cortona anzuschlies- sen. Er wusste sich in die Kunstweise dieses Meisters vollkommen zu fügen, und dessen Freundschaft zu erwerben, was ihm den Vor- theil brachte, dass ihn Pietro bei jeder Gelegenheit als denjenigen em- pfahl, der ganz in seinem Geiste zu arbeiten verstehe. Allein die- ses Verhältniss änderte sich in der Folge, da Romanelli mit Bot- talla im Pallaste Barberini, wo sie auf Empfehlung Pietro's arbeite- ten, zum Nachtheile ihres Meisters handelten. Jetzt suchte Ro- manelli den Bernini nachzuahmen, indem er, nach Pascoli's Versiche- rung, allmählig einen zarteren und gleichsam verführerischen Cha- rakter in den Formen annahm, der jedoch minder grossartig und gelehrt war, als der seines Meisters Pietro. Seine Verhältnisse, sagt Lanzi, wurden schlanker, die Tinten minder schmutzig, die Falten kleinlicher, und in dieser Weise führte er seine Kreuzab- nehmung in S. Ambrogio aus, die als Wunderwerk erhoben wurde, dessen Nimbus aber wieder schwand, als Pietro seinen hl. Stephan gegenüber stellte, der so übergaschte, dass Bernini selbst sagte, man sehe hier sogleich, wer der Schüler und wer der Meister sei. Hierauf ging Romanelli unter dem Schutze des Cardinals Barberini nach Paris , wo er während einer zweimaligen Anwesenheit viele Werke ausführte, die ihm Ruhm und Vermögen erwarben. Zuerst malte er in der grossen Gallerie des Pallastes Mazarin eine Reihe aus Ovid's Verwandlungen, und in den königlichen Zimmern Gegen- stände aus der Aeneis. Im Museum der Antiken sieht man noch ge- genwärtig Malereien dieses Künstlers, die in Clarac's Musée d'Es- culture pl. 75 ff, abgebildet sind. Im Museum des Louvre ist ein Bild der Venus, wie sie die Wunde des Aeneas mit Ambrosia heilt, besonders fleissig für ihn, in einem Silberton ausgeführt, nur in der Wirkung etwas zerstreut. Noch mehr Werke als in Frank- reich, findet man in Italien von Romanelli, besonders in Rom. Für die St. Peterskirche malte er die Darstellung Mariä, welche in Mosaik gesetzt wurde. Das Originalbild ist in der Carthäuser- kirche. Im Dome zu Viterbo ist das grosse Altarbild, welches den heil. Lorenz vorstellt, sein Werk. Auch in auswärtigen Gallerien findet man Bilder von ihm, selbst in den berühmtesten. In der kgl. Pinakothek zu München ist eine Herodias mit dem Haupte Johannis; in der k. k. Gallerie zu Wien, David mit Haupte des Goliath, wie die israelitischen Weiber vor ihm tanzen; dann der Triumph Alexanders in Indien; im k. Museum zu Berlin Zenobia vor Aurelian, eine Gestalt mit einem von einer Leidenschaft be- wegten Gesichte; in der Eremitage zu St. Petersburg Herkules bei Omphale, ehedem in Houghton Hall, und für Boydell gesto- chen, u. s. w.
Romanelli war ausserordentlich thätig, so dass zuletzt seine Gesundheit litt. Papst Urban VIII. fand an seinen Werken gros- ses Gefallen, und liess ihn nicht von sich, als Karl I. von Eng- land den Künstler in seine Dienste nehmen wollte. Kurz vor seinem Tode wollte er mit seiner Familie zum Drittenmale nach Frankreich, wurde aber durch seine schwächliche Gesundheit von der Reise abgehalten und starb zu Viterbo 1662 im 45. Jahre. Die früheren Schriftsteller erheben diesen Künstler ausserordentlich.
Mehrere Werke dieses Künstlers wurden gestochen. Zu den vorzüglichsten Blättern gehören: die Eroberung des goldenen Vließes durch Jason, und Aeneas, der den goldenen Zweig bricht, beide von Bloemaert, sowie das Opfer Noa's, die Verwandlung in den Lorbeerbaum, der schlafende Silen etc. Die Erfindung Mosis von S. Vallee nach dem Bilde im Louvre für Crozat's Werk; Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, eben daselbst von J. Haussart; die Darstellung Mariä im Tempel, von Lederbach; St. Cajetan vom Thiene, von N. Foilly; der Mannaregen, von Raymond; das Opfer der Iphigenia, von G. Audran; der schlafende Silen, von M. Natalis, und copirt von Wolfgang; das goldene Zeitalter, von M. Greu- ther; die Erziehung des Amor, von Ch. Levasseur; Angelica und Medoro, von Massard; Venus und Adonis, von P. Fontana für das Musée Napoleon; eine These mit dem Bildnisse des Cardinals Ma- zarin, von F. Poilly etc.
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