Roemers, eine Künstlerfamilie, aus welcher mehrere schätzbare Me- dailleurs hervorgingen, die für mehrere Könige arbeiteten.
Der Stammvater, nach Walpole's Vermuthung Goldschmied von Antwerpen , hatte drei Söhne, Johann, Joseph und Phi- lipp. Die beiden ersteren nahmen Carl II. von England in seine Dienste, aus Dankbarkeit gegen den Vater, der den König wäh- rend seiner Verbannung mit Geld unterstützte hatte. Auch Philipp wurde später von der englischen Regierung beschäftigt. Dem letz- teren schreibt man einen grossen Medaillon zu, der das Bildniss des genannten Königs und im Revers die Britannia zeigt, wie ihr Minerv
und Herkules Gaben darbringen. Foelicitas Britanniae 29. Mai 1680. Die Britannia soll das Bildniss der schönen Herzogin von Richmond seyn.
Jakob und Norbert Roettiers waren Söhne von Johann, die durch diese Aufträge erhielten, wesswegen die beiden Oheime miss- vergnügt England verliessen. Jakob stand dem alten Vater zur Seite, der bis zur Revolution thätig war. Doch wollte er nicht für König Wilhelm arbeiten und musste so seine Wohnung im Tower räumen. Starb . Norbert lieferte noch einige Stücke, trat aber zuletzt ebenfalls in französische Dienste. Von ihm haben wir ein schönes Bildniss Carl I. von England. In Frankreich soll er seine Medaillen mit N. R. bezeichnet haben.
Joseph kam nach Frankreich und wurde Hofmedailleur. Er war einer der vorzüglichsten Mitarbeiter an der Histoire metallique Ludwigs XIV, und starb noch 1761.
Philipp ging nach Flandern , und fand da Aufnahme. Von ihm besitzt man Medaillen mit dem Bildnisse Carl II. von England, auf Joh. Dom. Monterey, auf Joh. Ferd. van Beughem. Im Auftrage der Stadt Gent fertigte er eine Denkmünze auf die Vermählung Carl II. 1689.
Johann Carl Roettiers, vermuthlich Philipp's Sohn, war ebenfalls ein geschickter Arbeiter. Von ihm könnte die seltene Medaille seyn, deren Conradi im Leben August II. von Sachsen und Polen aus Münzern S. 46 erwähnt. Es ist dies eine Denkmünze auf die 1715 unternommene Reise des Churprinzen Friedrich August von Sachsen, die König August II. bestellt hatte. Diese Medaille ist sehr selten, da nur wenige Gepräge gemacht wurden, weil sie dem Könige nicht gefiel.
Joseph Carl Roettiers, wahrscheinlich aus derselben Familie stammend, wurde 1601 zu Paris geboren. Er arbeitete in Wien, und starb daselbst um 1770 im Dominikanerkluster. G. C. Kilian hat sein Bildniß gestochen.
C. N. Roettiers, Zeichner und Maler, der Sohn eines der beiden folgenden Künstler, ist nach seinen Lebensverhältnissen unbekannt. Er lag um 1740 in Rom seiner Ausbildung ob. Im Cabinet Paignon fänden waren einige Zeichnungen von ihm, a la Sanguine, oder mit der Feder ausgeführt. Die eine derselben stellt Vulkan in seiner Höhle dar, eine andere drei den Blitz schmiedende Cyclopen, eine dritte fünf Bettler etc.
— Franz Roettiers, Maler, kam 1717 nach München, und wurde da von dem Hofe viel beschäftigt. Es wurde ihm in der Herzog Maxburg ein Atelier eingeräumt. Für den Altar der Schlosskapelle in Fürsten-
ried malte er den hl. Hubert, und im churfürstlichen Jagdschlosse
daselbst verschiedene Allegorien auf die Jagd, Kinder, die sich mit dem Vogelfang, mit Jagdthieren u. s. w. beschäftigen. In den Pa- piere des Reichsarchivs, Conservatoriums zu München, wird der Künstler auch Rettier, Rottiere und Roulliers genannt.
Franz Roettiers, Maler und Radirer, ein jüngerer Künstler als der Obige, wurde 1702 in Paris geboren. Er gehört zur Familie der Stempelschneider dieses Namens, und war selbst in der väterli- chen Kunst erfahren. Ruettiers malte historische Darstellungen,
aber mit geringem Erfolge, und desswegen will ihm Diderot (Es-
sais p. 402) in seiner Kritik der Werke des Salons von 1765 nur als Radirer Verdienste zugestehen. Dieser Schriftsteller sagt nur, Roettiers habe zwei Blätter nach Largillière sehr geistreich in Ku- pfer geätzt. C. Simoneau stach nach ihm die vier Elemente und
widmete sie Jakob III. von England. N. Tardieu stach eine Alle- gorie. Starb zu Paris 1770.
Die Kreuztragung, mit circa 410 Figuren, nach N. Largil- lière, mit lateinischer Inschrift. H. 20 Z. 5 L., Br. 25 Z. 10 Linien.
Jesus ans Kreuz geheftet, mit circa 148 Figuren, nach demselben, ebenfalls mit lateinischer Inschrift. H. 20 Z.
Moses zeigt den Israeliten die Gesetztafeln, im Umrisse ge- stochen, kl. qu. 4.
Orpheus von Pan und zwei Nymphen begleitet. Umriß, 4.
Venus auf dem Wasser, Oval, qu. 12.
Ein Bacchanal, Oval, qu. 12.
Ein Fest des Pan, qu. 8.
Roezer, s. Roeser.
Boile, Louis, Kupferstecher, arbeitete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England, meistens im Solde des Buchhandels, er stach für die Description of ancient marbles in the british Museum, London 1812; für Murphy's Arabian Antiquities of Spain, 1816; für die Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker, Berlin 1821 u. s. w. Seine Blätter sind sehr schön,
Bogat, Emil, Medailleur zu Paris, wurde um 1770 geboren. Er arbeitete mehrere schöne Stempel zu Denkmünzen aus, besonders solche auf die letzten Ereignisse, welche den Kaiser Napoleon betrafen. Im Tresor de Numismatique et Glyptique, Empire français, sind folgende Medaillen abgebildet.
Napoleon Bonaparte, das Bildniss des Kaisers, Rev. Waterloo, 18. Jun., 1815. Ein Adler kämpft gegen vier Geier. Diese Medaille wurde erst 1830 geprägt.
Napoleon Empereur de la Republique française Rev. Troisième anniversaire de la révolution de Juillet 1830. Diese Medaille wurde auf die Einweihung der neuen Statue Napoléon's, auf der Säule der grossen Ar- mee, geprägt,
Bonaparte Napoleon. Rev. Je proteste solennel- lement ici à la face du ciel et des hommes contre la violence qui m'est faite, etc. (30. July 1815). Diese Medaille datirt erst seit der Juliusrevolution.
Le Maréchal Ney, frappé de mort au mépris de la ca- pitulation militaire du 0. Juillet 1815. Diese Medaille cur- sirt erst seit 1832.
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