Robert, Leopold berühmter Genremaler, wurde zu la Chaux de Fons im Canton Neuchatel geboren, und als der Sohn eines armen Uhr- machers sollte auch er dem Handwerke sich zuwenden. Allein es offen- barte sich in ihm schon in früher Jugend entschiedene Anlage zur Kunst, so dass selbst der Vater darein willigte, den jungen Leopold zu ei- nem Kupferstecher in die Lehre zu schicken. Sein erster Meister war Girardet in Paris , welcher schon 1812 das Vergnügen hatte, seinen Zögling als zweiten Preisträger zu begrüssen. Zu gleicher Zeit machte Robert auch seine Malerstudien in der Schule von David, bis er endlich nach Italien sich begab, wo er ohne Freunde und schützende Gönner ein einsames, nur der Kunst geweihtes Leben führte und bald dem Grabstichel ganz entsagte, um fortan nur den Pinsel allein zu handhaben. Er setzte nun seine begonnenen Stu- dien mit unermüdetem Eifer fort, und lebte arm und unbekannt in verschiedenen Städten Italiens, bis endlich sein Talent und sein anhaltender Fleiss alle Schwierigkeiten besiegte und dem Ruh- me ihn entgegenführte. Robert arbeitete wenig und langsam; fast immer unzufrieden mit sich selbst und dem, was er gemacht hatte, vernichtete er oft zwei, dreimal seine Cartons und fing nicht sel- ten ein Gemälde ganz wieder von Neuem an, wenn es schon zur Hälfte vollendet gewesen war. Mit folgenden Bildern dürfte das Verzeichniss seiner Gemälde ziemlich vollständig seyn, und die Haupt- werke sind die zuletzt genannten. Auf der Kunstausstellung zu Paris sah man 1822 Corinna auf dem Cap von Misena improvisi- rend, die Ansicht der Berge von Teracina, die Wahrsagerin und das Mädchen von Simino, die eine junge Nonne segnende Abtissin, die Prozession der Mönche von St. Cosmas und Damian auf dem Campo Vaccino; 1824 den neapolitanischen Schiffer als Impro- visator, zwei Nonnen bei der Plünderung ihres Klosters durch die Türken, die Pilger in der Campagna egli Roma ruhend, die Zie- genhirten der Apenninen, den Räuber mit seinem Weibe betend, den Tod des Räubers; 1827 Pilger vor der Klosterpforte von der Abtissin empfangen, das Stelldichein eines Mädchen von Ischia, den Eremiten, welchem die junge Ischierin Früchte reicht, das Mädchen von Procida, wie es dem Fischer zu trinken reicht, Pe- coraro, wie er einen toten Eremiten findet, zwei badende Mädchen von St. Donato. Unter den früheren Werken, welche die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf ihren Urheber zogen, nennen wir vor allen den Im-
Im Jahre 1831 sah man auf der Kunstaustellung zu Paris zu- erst das Bild der heimkehrenden Schnitter, welche den Ruhm des Künstlers allgemein machten. Auf diesem bewunderten Gemälde erscheint ebenfalls ein Büffelgespann, auf welchem der Herr und seine Familie noch ruhig sitzen, während einige der den Wagen umgehenden Arbeiter nach der Schalmey tanzen. Dieses Bild, seit 1850 durch Schenkung des Königs Louis Philipp in der Gallerie des Louvre, das Resultat einer mehr als vierjährigen Arbeit, sicherte dem Künst-
Kunstblatte genauer und mit warmem Gefühl, so wie es denn da- mals in Paris, wo es zur Ausstellung kam, mit um so tieferer Rüh- rung betrachtet wurde, da das tragische Ende des Künstlers alle erschüt- tert hatte. Der berühmte Fabrikherr Patou in Lyon hatte die- ses Meisterwerk, welches fast 36 lebensgrosse Figuren enthält,
käuflich an sich gebracht, es aber später der städtischen Behörde
Robert hätte demnach auch als Historienmaler Ausgezeichnetes leist, und es war nicht die Verzweiflung, die Grenzen nicht überschreiten zu können, welche dem Genremaler gezogen sind, was ihm zum Selbstmord reizte, wie irgend Jemand in der allge- meinen Zeitung von 1847 behauptet hat. Seine Gegenstände ge-
gehören zwar zum Genre, aber Robert veredelte Alles; sein Genre war auf das Ideale gerichtet, auf das Erhabene, und selbst die Auftritte des häuslichen Lebens gewannen unter seiner Hand ein Gepräge von Grossheit, welches so viele Genremaler nicht erreichen können. Seine Genrebilder, sagt Graf Raczynski 310, haben immer einen geschichtlichen Grundzug, vielleicht um uns darüber zu trösten, dass so viele Geschichtsgemälde nur Genrebilder sind. In seinen Werken herrscht feines und tiefes Ge- fühl für Naivetät und Wahrheit, ein reiner Sinn für individuell schöne Formen. Er adelt den Bettler in ärmlicher Kleidung, nimmt ihm in seinen Lumpen nicht das Gefühl der edlen Menschheit; der Fischer singt die Stanzas seiner grossen italienischen Dichter, der Winzer weiss sich selbst in vornehmer Gesellschaft würdig zu be- wegen, das Edelfräulein darf sich der Winzerin nicht schämen, und selbst zur anmuthvollen Heiligen und zur Madonna kann sie dienen.
Robert's Gebeine ruhen seit 1835 auf dem Lido, dem Begräb- nisplatze der Protestanten in Venedig. Er hatte mit eigener Hand den Lebensfaden entzweigeschnitten, aber sein Leben war untadel- haft und seine Gesinnung wahrhaft religiös. Die genaue Ursache der That kennt man nicht. Bei der Leichenöffnung fand sich Wasser im Gehirne des Unglücklichen. Seine düster melancholische Stimmung dürfte also in diesem Falle bis zum Wahnsinn sich gesteigert haben. Die Nachricht von dem traurigen Ende des Künstlers wiederhallte in allen Blättern, die sich eines gebildeten, namentlich eines kunstliebenden Publikums zu erfreuen haben, wobei es denn auch nicht am Lobe seiner Trefflichkeit fehlt. Das Journal des Debats, die Temps, das Kunstblatt etc. stimmen alle in gleiche Lobeserhebungen ein. Im Jahre 1853 erschien zu Paris folgende Schrift: Notice sur la vie et les ouvrages de L. Robert, par E. J. Delafosse. Aurele Robert, der Bruder des Künstlers, der die meisten Bilder desselben in Sepia und Kreide copirt hat, hat auch dessen Bildniss gemalt. E. Demaison hat es lithographirt.
Auch mehrere seiner eigenhändigen Gemälde sind in Abbildung vorhanden. Wir nennen hier folgende:
Die Erndte oder die Schnitter, (les moissoneurs), das Bild im Besitze des Königs von Frankreich, gest. von P. Mercuri 1851. Mercuri. Im Jahre 1838 stach Z. Prevost das Bild der Schnitter.
Das Fest der Madonna del Arco, gest. von Z. Prevost. Die Fischer, gest. von Prevost; Der Improvisator, gest. von Prevost.
La Religieuse mourante, lith. von Brodmann, Neapolitanerinnen, nach einem herrlichen Bilde in der Sammlung von M. Deu, 1853 in Venedig gemalt und 1856 von C. A. Schuler für den Strassburg'schen Kunstverein lithographirt.
Fischer aus dem Golf von Neapel, lithographirt von Sprick,
Schäfer aus der römischen Campagna, lith. von Sprick, das Gegengstück,
Die Sicilianerin mit dem Kinde, nach dem Bilde in der Samm- lung des Architekten Geh. Rath von Klenze, lith. von Winter- alder., Une Suissesse, 1831 in Paris lithographirt,
La Prediction, ebenfalls lithographirt.
Ein Hirtenknabe und ein Mädchen, Original-Lithographie 1831. fol.
Le repos du pastre, ebenfalls von Robert selbst lithographirt 1831 qu. fol.
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