Robbia della, der Name einer florentinischen Künstlerfamilie

Robbia della, der Name einer florentinischen Künstlerfamilie, die eine eigene Art Plastik erfand und von Generation zu Generation die zur Ausübung ihrer Kunst erforderlichen technischen Kennt- nisse als Geheimniss vererbte. Die Erzeugnisse derselben sind Bildwerke aus gebranntem Thon, weiss glasirt, und mit Schmelz- farben zum Theil bemalt, Opere della Robbia benannt,

In den früheren Schriften kommen in Betreff der Familie der »della Robbia« viele Verwechslungen vor, seit dem Erscheinen des Carteggio inedito d'artisti etc. von Dr. Gio. Gaye. [Fiirenze 1830, ist aber die Genealogie, die Baldinucci Dec. 8. p. 2. Sect. 3 gibt, richtiger herzustellen. Das älteste Glied der Familie ist Si- mone di Marco della Robbia, 1343 geboren. Sein älterer Sohn, Namens Marco, wurde 1385 geboren, dann folgt Giovanni, geboren 1305, und der jüngere, aber berühmter als die anderen, ist

Luca, der 1388 oder 1400 das Licht erblickte. Marco hatte zwei Söhne, Andrea und Simone, wovon der erstere 1435 oder 1437 geboren wurde. Beide übten die Kunst des Oheims Luca, und wohnten in seinem Hause. Auch ein Paolo della Robbia kommt mit ihnen in Berührung. Luca der jüngere, Simon's Sohn, schlug diese Kunstrichtung nicht ein, kommt auch in Gaye's Urkunden nicht vor. Er gehörte zur »Arte della lana«, beschäftigte sich mit alter Literatur und starb 1510 als Secretair der Republik. Er hatte einen Sohn Namens Lorenzo. Arbeiter in der Kunst der della Robbia waren aber Andrea's Söhne, der sich 1465 mit Giovanna, der Tochter des Piero di Ser Lorenzo di Paolo verehelichte. Antonio wurde um 1467 geboren, Marco 1468, Giovanni 1469, und Girolamo und Luca nach 1470. Ersterer war noch 1543 in Frankreich, letzterer kommt 1522 vor. Andrea del Sarto brachte in zwei Frescobildern im Vorhofe der Ser- vitenkirche ihre Bildnisse an: Kuss der Reliquie und Tod des hl. Philipp. Im Alten Stammbaume kommen auch Ottaviano und Agostino unter der Familie della Robbia vor. Sie waren aber nicht Brüder des Luca, wie Vasari behauptet. Agostino gehört nach Gaye (l. c. Nro. 70), einer ganz anderen Familie an, wie wir am Schlusse zeigen. Er nennt sich selbst Agostinus Antonii Gucci.

Unter allen diesen ist aber Luca della Robbia der Hauptmei- ster, dessen Leben Vasari beschreibt, Nro. XXXV., deutsche Aus- gabe von L. Schorn II. 1. S. 62. Luca, den Vasari irrig 1388 ge- boren werden lässt, lernte in seiner früheren Jugend lesen, schrei- ben und so viel rechnen als ihm noth that, und dann gab ihn sein Vater dem Goldschmiede Leonardo di Ser Giovanni in die Lehre

Nach Vollendung dieses Werkes lässt Vasari den Künstler an die Ausführung der Bronzethüre der Sakristei von S. Maria del Fiore gehen, von Rumohr III, 200. glaubt aber, Luca habe erst noch eine Altarbekleidung von Marmor begonnen, selbe aber nicht mehr vollendet. Baron Rumohr hatte diese Marmorbekleidung

Robbia, della. ' 223

im Wachsbehältniss des Domes wieder aufgefunden, und jetzt fin- det man sie in der Gallerie der Uffizien. Sie enthielt die Befreiung und Kreuzigung St. Petri. Die Ausführung der Bronzethüre begann er 1446 in Gemeinschaft mit Michelozzo di Bartolomeo und Maso di Bartolomeo, da Donatello, dem die beiden ersten schon 1417 vertrudten waren, zu langsam fortschritt. Doch auch die Ar- beit Luca's ging langsam vorwärts, da erst 1461 die Reinigung, Zusammensetzung und Nachbesserung der vorderen Seite vorge- nommen, und 1464 die Arbeit an der Rückseite dem Luca allein anvertraut wurde, — Rumohr liefert Urkunden, welche dieses beweisen, II. 292 und 365 ff. Aus diesen Verhandlungen ergibt sich auch, dass Luca nicht, wie Vasari sagt, die ganze Thüre, sondern nur einzelne Theile gearbeitet habe. Die Thüre ist in zehn Felder ge- theilt, jeder Flügel in fünf. In dem einen der oberen viereckigen Bild- feldern sieht man eine anmuthige Madonna mit dem Kinde, in dem anderen den aus dem Grabe emporsteigenden Christus. Die folgen- den vier Felder enthalten die Evangelisten, und in den unteren vier Quadraten sieht man die schreibenden Kirchenlehrer. In den Ecken zeigen sich in den Verzierungen Männerköpfe, die mann- nichfaltig, alle schön in ihrer Art sind. Diese Köpfe rühren viel- leicht allein von Luca della Robbia her, da sie mit der Ar- beit an der von ihm gefertigten Rückseite übereinstimmen. Die im Style ganz verschiedenen Vorstellungen der Felder gehören nach Schorn (zum Vasari l. c. S. 67) wahrscheinlich dem Maso di Bartolomeo an. Michelozzo scheint hauptsächlich den Guss geleitet zu haben. Die Felder mit St. Lucas und Hieronymus sind bei Cico- gnara II. tab. 24 abgebildet. Mehrere der Basreliefs gibt die Me- tropolitana fiorentina illustrata. Firenze 1820. tav. 33 — 36

Nun kommt nach Vasari die Zeit, in welcher Luca della Rob- bia auf jene Entdeckung kam, welcher wir jene Arbeiten verdan- ken, die, wir oben bemerkt: »Opere della Robbia« genannt wer- den. Allein auch hier ist Vasari mit der Zeit der Erfindung im Irrthum, indem er behauptet, dass Luca nach der Vollendung der Bronzethüren auf ein Mittel gesonnen habe, welches ihm reichli- cheren Lohn bringe, als die Arbeiten in Marmor und Erz. Die- sen Lohn brachten ihm die Arbeiten in Terracotta (gebrannter Erde) ein, aber er kam nicht erst zu der von Vasari angegebenen Zeit darauf, sondern hatte schon früher Versuche gemacht; denn es wurde ihm nach einer Urkunde bei Rumohr II. 364. 2. im Ok- tober 1446, also zugleich mit der Bronzethüre, der Auftrag zu Theil, über der Thüre der Sakristei, wo Donatello die Verzierung um die Orgel gearbeitet hatte, die Himmelfahrt Christi in Terra- cotta auszuführen. Dieses schöne Werk wurde ihm aber in Folge eines noch früheren aufgetragen, einer Auferstehung Christi, wo- mit er den Bogen über seiner Bronzethüre verzierte. Vasari sagt, dass dieses Bildwerk von Jedermann bewundert wurde, scheint es aber nicht mehr gesehen zu haben. Bei Cicognara II. tav. 22 ist eine Auferstehung Christi abgebildet. Man sieht das Original in der Akademie zu Florenz, nach der Angabe der neueren Bearbei- ter der florentinischen Ausgabe des Vasari jenes, welches ursprüng- lich über der genannten Bronzethüre angebracht war. Die ersten Thon- werke Luca's waren einfach weiss, endlich aber fand er auch Mit- tel ihnen Farbe zu geben. Der erste, welcher im Auftrag ertheilte etwas in bunter Erde zu arbeiten, war nach Vasari Piero di Co- simo von Medici, der in einem Schreibzimmer die ganze Wül- bung und den Fussboden mit allerlei Phantasien verzieren liess. Ob diess Zimmer noch erhalten sei, wissen auch die neuen floren- tinischen Bearbeiter des Vasari nicht anzugeben. Die Arbeiten die-

In seiner eueren Art fanden ausserordentlichen Beifall, obgleich die Ter- racottas seinen übrigen Werken nicht gleichkommen. Sie verlo- ren durch die Glasuren an Schärfe und Bestimmtheit. Die weiss glasirten entsprechen jedoch mehr als die bunten, oft kindisch gezier- ten. Diese Arbeiten della Robbia sind noch jetzt sehr zahlreich, und weithin verbreitet, da sie einen bedeutenden Handelsartikel bildeten. Die florentinischen Kaufleute gaben dem Künstler so viele Bestellungen, dass er nicht mehr im Stande war sie allein zu befriedigen. Als Gehülfen nennt Vasari zunächst Ottaviano und Agostino, welche aber nicht Luca's Brüder sind, wie Maestro Giorgio behauptet. Viele ihrer Arbeiten gingen nach Spanien, Frankreich und Italien, und nicht wenige blieben in Toscana, wo Pietro de Medici daran besonders Wohlgefallen hatte. Er liess in S. Miniato al Monte das Gewölbe der Marmorcapelle verzie- ren, noch merkwürdiger findet aber Vasari in derselben Kirche die Wölbung der Capelle S. Jacopo, in welcher der Cardinal von Portugal begraben liegt. In den Winkeln sieht man in vier Krei- sen die Evangelisten dargestellt, in einem anderen Kreise in der Mitte der Wölbung erscheint der heilige Geist, und die übrigen Räume wurden mit Schuppen verziert, welche der Linie des Ge- wülbes folgen und bis zum Mittelpunkt allmählich abnehmen. Die Bildwerke dieser Capelle sind noch jetzt vorhanden, Vasari's Lob verdienen aber nur die gemalten, jetzt sehr verdorbenen Evangelisten in den Lunetten. Ueber dem Eingangsthor zu S. Miniato befindet

sich eine Madonna, halbe Figur zwischen Cherubim und zwei verkapp-

ten Brüdern weiss auf blauem Grunde, von Vasari nicht erwähnt. Dagegen erwähnt er das noch vorhandene Relief in St. Pietro buon Consiglio unterhalb des alten Marktes, wo er in einem Bogen über der Thüre die Madonna und einige Engel darstellte. Ueber der Thüre della Scuola de' Chericı di S. Pier maggiore sieht man ein zweites Relief, die Madonna und mehrere Engel darstellend. Im Capitel von S. Croce fertigte er alle die glasirten Figuren, wel- che an der inneren und äusseren Seite angebracht, noch gegenwärtig vorhanden sind. Dem Könige von Spanien soll er zugleich mit mehreren Marmorarbeiten einige sehr schöne runde gehobene Figuren geschickt haben, und in Florenz fertigte er, um es nach Neapel zu senden, das Marmorgrabmal für den Infanten, Bruder des Herzogs von Calabrien, an welchem er mit Agostino viele gla- sirte Verzierungen anbrachte.

Eine andere Art von Terracottas als die bisher erwähnten, sind jene, welche er bemalte, sowohl Figuren als Tafeln. Vasari schreibt ihm die Erfindung dieser Kunst zu, nennt aber nur we- nige Arbeiten derselben. Als früheren Versuch bezeichnet er ein Rund über dem Tabernakel von den vier Heiligen bei Orsanmt- tachele. Luca theilte dasselbe in fünf Felder, in denen er die Instru- mente und Abzeichen der Zünfte der Fabrikanten mit einer Menge schöner Zierathen anbrachte. In einem anderen Rund daselbst arbei- tete er für die Zunft der Apotheker eine Muttergottes in Relief und in einem zweiten für das Handelsgericht eine Lilie auf einem Bal- len, umher Gewinde von Früchten und mancherlei Laubwerk, das nach Vasari so schön sind, dass sie natürlich und nicht von ge- brannter und bemalter Erde zu seyn schienen.

Damit schliesst Vasari das Verzeichniss der Terracottas, es sind aber dies bei weitem nicht alle. Eine schöne Madonna zwischen Johannes und Magdalena mit zwei Engeln, ganz mit Farben aus-

geführt, sieht man in der 22sten Capelle von St. Croce. Eine ähn-

liche findet sich im ersten Zimmer der Domverwaltung (Opera)

Das letzte Werk, welches Vasari von Luca della Robbia nennt, ist das marmorne Grabmal des Federigho Jacopo Federighi, Bischofs von Fiesole, ehedem in S. Pancrazio, seit der Aufhebung des Klosters in S. Francesco di Paolo zu Florenz zu sehen. Man sieht da die Figur des Bischofs in liegender Stellung, und drei Figuren: Christus, Maria und Johannes, unten zwei fliegende Engel, welche den Kranz mit der Inschrift halten. Auf der Fläche der Pfeiler sind Geflechte von Fruchtbüscheln und Blättern, so lebendig und natürlich gemalt, dass sie, nach Vasari's Bemerkung, in einem Oelbilde mit dem Pinsel nicht besser ausgeführt werden könnten. Die Zeit der Entstehung bestimmt Vasari nicht. Luca führte es von 1450 — 1459 aus.

Das Todesjahr des Künstlers bestimmt Vasari ebenfalls nicht, er scheint aber geglaubt zu haben, dass die Zeit seines Todes bald nach Vollendung des Grabmals des Federigho eingetreten sei. Dr. Gaye fand das Testament des Künstlers auf, mit folgendem Datum: Anno domini 1470 indicatione IV. et die 10. Febr. Luca lebte indessen noch 1480; es wird aber in diesem Jahre zum letzten Male seiner gedacht.

Luca's Schule.

Wenn wir der Ordnung Vasari's folgen, so tritt unter den Meistern dieser Familie neben Ottaviano, von welchem kein Werk bekannt ist, zuerst Agostino hervor, den Vasari Bruder des Luca nennt. Er gehörte einer ganz anderen Familie an, denn er nennt

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XIII. 15

77., führt auch das Haupthor der Stadt Perugia, das Thor S. Pietro und die Capellen des hl. Lorenz zu S. Domenico als Werke dieses Agostino an. Cicognara hält ihn mit dem Augustinus de Flo- rentia, welcher 1442 die grosse Marmortafel an der Hauptfacade des Doms von Modena verfertigte, und darauf die Wunder des heil. Gemignano vorstellte, für eine Person. Auch nimmt er den Agostino für Luca's Bruder. In der Capelle di S. Donzino war eine Auferstehung von ihm.

Andrea della Robbia, Marco's Sohn, übte die Kunst sei- nes Oheims Luca, arbeitete aber auch sehr schön in Marmor. Va- sari schreibt ihm eine grosse Marmorverzierung zu, die er in der Capelle von S. Maria della Grazie ausserhalb Arezzo als Rahmen eines Bildes der hl. Jungfrau von Parri Spinelli gefertiget hatte. Dann nennt Vasari auch mehrere Arbeiten in gebrannter Erde von diesem Künst- ler. In der Capelle des Puccio di Majano in S. Francesco zu Arezzo ist ein solches Werk von ihm, in S. Maria in Grada sieht man ein figuren- reiches Bild von seiner Hand, und über dem Hauptaltar der Bru- derschaft von St. Trinita ein anderes, worin man Gott Vater sieht, der den gekreuzigten Christus in den Armen hält, von Engeln um- geben, unten St. Donat und Bernhard knieend. Dann sagt Va- sari, der aber die Werke dieses Meisters nur oberflächlich an- zeigt, Andrea habe auch in der Kirche und an anderen Orten vom Sasso della Vernia Bilder hinterlassen. Reumont (Kunstblatt 1831 Nro. 206) schreibt ihm da eine Verkündigung, eine Himmelfahrt Mariä und die Himmelfahrt Christi zu. Dem Luca vindicirt er in jener Kirche die Kreuzigung Christi. Von ihm sind nach Vasari auch die Kindlein, in Windeln und nackend, in den Kreisen zwischen zwei Logen der Bogen vom Spitale der Innocenti; von der schönen Verkündigung in einem Halbkreise über der Seiten- thüre der Spitalkirche, welche früher sich als Altarblatt in dersel- ben befand, sagt er nichts, so wie von den Bildern in der Ca- pelle der Madonna im Dome zu Arezzo. Da sieht man vier vor- zügliche Reliefs von ihm; den gekreuzigten Christus mit Gott Va- ter, vielen Engeln und Heiligen; Maria mit dem Kinde auf dem Throne, unten Joseph und andere Heilige; Maria mit dem Kinde, halbe Figur; Maria vor dem Christuskind, sämtlich auf blauem Grund, mit Früchten, Blumen und zum Theil auch Gewändern in natürlichen Farben, die Glorien vergoldet. Alle diese Bildwerke sind noch erhalten, die Beschneidung Christi aber, die nach Vasari im Besitze der Familie Bacci zu Arezzo war, ist zu Grunde gegangen. Den Werken in Arezzo ähnlich ist auch eine Maria mit dem Kinde von Engeln angebetet, im Museum

Im Jahre 1524 soll Andrea mit Luca das Spital von Pistoja ver- ziert haben. Man sieht da in 12 Tonreliefs die Werke der Barm- herzigkeit, Vasari und andere Schriftsteller schweigen davon, oder setzen das Werk später. Darüber gibt aber folgendes Werk Auf- schluss und Abbildung: Monumento Robbiano nella loggia dello spe- dale di Pistoja ill. del Prof. Contrucci 1835 ff. Nach Beendi- gung dieses Werkes dürfte der Künstler nicht mehr viel gearbei- tet haben, da er nach Vasari's Angabe 1528 starb, in einem Alter von 84 Jahren. Dieses stimmt nicht mit der Eingangs erwähnten Genealogie, und überhaupt bleibt es zweifelhaft, dass der achtzig- jährige Andrea einer solchen Arbeit gewachsen war; Luca jun. hat wahrscheinlich den grössten Antheil,

Dann sagt Vasari noch, dass die della Robbia auch Medail- len mit dem Bildnisse des Savonarola verfertigt haben, und da er zunächst von Andrea spricht, dessen beide Söhne Savonarola als Mönche eingekleidet hatte, behauptet Baldinucci gerade hin, A. della Robbia habe sie gefertigt. Diese Medaillen sind gegossen, ungefähr zwei Soldi gross, und haben auf der Vorderseite das Bildniss mit der Umschrift: Hieronymus Sav. Fer. Vir doctiss. or- dinis Praedicatorum. Auf der Rückseite ist die Stadt Florenz und ein Arm mit dem Dolche darüber. Ob diese Medaille von An- drea herrühre, ist nicht ausgemacht; es könnte auch Andrea Ricci genannt Brivusco, darauf Anspruch machen.

Andrea's Bildniss hat Andrea del Sarto in dem Gemälde des Kreuzganges der Annunziata angebracht, wo die Servitenmön- che die Kleider des heiligen Filippo Benizi auf die Häupter der Kinder legen. Der Künstler erscheint unter der Gestalt eines roth- gekleideten, auf einen Stock gestützten Alten.

Giovanni della Robbia, Andreas Sohn, widmete sich der Kunst des Vaters, und führte mehrere Werke aus, deren Baldinucci auf- zählt. Eine Verkündigung (eigentlich eine Präsepe) aus Terra- cotta ist in der Kirche S. Girolamo delle Poverine neben der al- ten Münze zu Florenz, mit dem Namen und der Jahrzahl 1521 bezeichnet. Im Schlosse Lari im Pisanischen ist ein Bild von 1524.

Giovanni hatte nach Vasari's Angabe drei Söhne: Marco, Luc- antonio und Simone, die sich mit Erfolg der Kunst widmeten, aber 1527 an der Pest starben. Baldinucci wollte aus Familiepapieren wissen, dass diese drei Künstler Andrea's Enkel, und nur die beiden folgenden Giovanni's Söhne gewesen seien,

Luca della Robbia, der ältere von Giovanni's Söhnen, der mit dem oben erwähnten alten Luca nicht zu verwechseln ist, wid- mete sich der Bildhauerkunst, und hinterliess viele Werke, wie Vasari versichert, nennt aber nur den Estrich der päbstlichen Loggien, wel- che Leo X. unter Anordnung Raphael's ausführen liess. Auch in ande- ren Zimmern machte er den Estrich, und Wappen der Päpste. Von diesem Luca, oder von seinem Vater Andrea, dürfte nach von Ru- mohr eine Madonna mit Engeln und Heiligen seyn, 1520 gefertigt, und jetzt in der Capelle des Seminars zu Fiesole. In einem Gärt- chen hinter dem Chore der Carmeliterkirche zu Florenz ist ein ande- res Bildwerk von 1528, von ihm oder von Andrea. Im Jahre 1524 verzierte Luca mit Andrea das Spital von Pistoja, wie oben be- merkt. Der jüngere Luca starb in Frankreich, wohin ihn Girolamo berief, wahrscheinlich 1552, wie es scheint in den Fünfzigern.

Girolamo della Robbia, der jüngste Sohn des Andrea, arbeitete in Marmor, in Erz und in Terracotta. Er eiferte dem Jacopo Sansovino, Baccio Bandinelli und anderen Bildhauern seiner Zeit nach, und war schon ein ruhmvoller Meister, als er nach Frank- reich sich begab, wo er 1543 bereits anwesend, zahlreiche Wer- ke hinterliess. Er verzierte das Lusthaus Madrid im Bois de Boulogne, welches Franz I. zum Andenken an seinen Aufenthalt als Gefangener in Spanien erbauen liess. Es ist nicht mit Marli zu verwechseln, wie Bottari gethan. Vasari sagt auch, Girolamo habe einen Pallast des Königs mit Figuren und anderen Zierathen geziert, aus einem Steine, der dem Gypse von Volterra ähnlich, aber von besserer Natur ist, und sich an der Luft härtet. Auch in Orleans arbeitete er vieles, und im ganzen Reiche waren Werke von ihm, wie Vasari sagt, ohne jeduch eines derselben zu nen- nen. Girolamo erwarb sich in Frankreich einen berühmten Na- men und ein grosses Vermögen. Zuletzt berief er auch seinen Bruder Luca dahin, um ihm günstigere Aussichten zu eröff- nen; allein Luca starb daselbst nach kurzer Zeit. Jetzt beschloss Girolamo sich in Florenz niederzulassen, und ging 1553 dahin ab, blieb aber nicht lange, da der Herzog Cosimo mit den Sienesern in einen Krieg verwickelt war. Er kehrte nach Frankreich zurück und starb daselbst. Mit ihm erlosch nach Vasari die Familie und damit ging auch die Kenntniss des richtigen Verfahrens beim Verglasen verloren. Baldinucci behauptet dagegen, dass die Familie nicht erloschen sei, dass sie vielmehr in Frankreich und Flo- renz bis 1645 fortgedauert, indem ihre Mitglieder zum Theil an- gesehene Aemter bekleideten. Der letzte dieses Namens war Bischof von Cortona und von Fiesole.

Das Geheimniss der Glasirung kam durch eine Tochter aus dem Hause della Robbia an einen gewissen Andrea Benedetto Buglioni, von welchem man in der Servitenkirche einen aufer- standenen Christus, in S. Pancrazio einen toten Heiland, und über der Hauptthüre von S. Piermaggiore ein Rund mit mehreren Figuren sieht. Sein Sohn Santi Buglioni starb 1568. Mit die- sem ging das Geheimniss verloren.

Die Arbeiten von Luca's Schule zeigen zwar im Ganzen noch den Geschmack und Styl ihres Stifters, welcher vielfältig selbst den Lorenzo Ghiberti in edler Einfachheit der Anordnung und Wahrheit der Bewegungen übertrifft; einige, besonders die von Andrea zu Arezzo, sind von grösster Anmuth und Zierlichkeit. Dagegen lässt sich in mehreren grösseren Werken dieser Art, welche der späteren Zeit angehören, eine bedeutende Verschiedenheit nicht verkennen. Diese sind: 1) der Fries über der Haupttreppe der mediceischen Villa Poggio a Cajano, den Triumphzug eines Feld- herrn nebst Opfern und allegorischen Gruppen darstellend, weisse Figuren auf blauem Grunde; 2) der Fries über dem Hospital del Ceppo zu Pistoja, und 3) der Fries an der Kirche S. Lorenzo zu Monte Varchi zwischen Florenz und Arezzo, Rest eines grösseren Werkes, welches diese Kirche schmückte. Zu S. Giovanni di Val d'Arno ist eine Himmelfahrt Mariä gleicher Art. Vasari's Lebens- besch. übers. von Schorn, l. c. S. 79. Da wird obige Charakteri- stik gegeben.

Bobelot, Pierre, Miniaturmaler, wurde 1802 zu Lothringen ge- boren, und von Mansion unterrichtet. Er liess sich in Paris nie- der und malte da zahlreiche Bildnisse,

Bobardi, G., Maler, dessen Christ erwähnt, indem er die Buch- staben G. R. J. auf G. Roberti Inventor deutet. Diese Angabe scheint noch der Bestätigung zu bedürfen.

Bobert, Albert, Maler zu Brüssel, bildete sich unter Navez Lei- tung und hatte schon um 1830 Proben eines glücklichen Talentes gegeben. Seine Werke bestehen in Genrebildern.

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