Rietschel, Ernst Friedrich August, Bildhauer, geb. zu Pulsnitz in Sachsen 1804, genoss den ersten Unterricht an der Aka- demie in Dresden , und begab sich dann zur Fortsetzung seiner Stu- dien nach Berlin . Hier nahm sich der berühmte Rauch seiner an, und unterstützte das seltene Talent dieses seines Schülers auf väter- terliche Weise. Im Jahre 1828 war Rietschel unter denjenigen, die um den grossen Preis concurrirten. Es ward die Aufgabe gegeben, den Moment darzustellen, wie Penelope, trotz des widerstrebenden Vaters Ikarios, dem abfahrenden Ulysses als Braut folgt. Die- ser Abschied der Penelope musste in einem Relief gegeben wer- den, was dem jungen Künstler so wohl gelang, dass seine Arbeit vor allen als preiswürdig erkannt wurde. Rietschel konnte aber als Ausländer den ersten Preis nicht erlangen. Auch das Modell zu einer Statue des David brachte er um jene Zeit zur Ausstellung, das ebenfalls grossen Beifall fand, so wie denn überhaupt schon die frü- heren Arbeiten dieses Künstlers das Gepräge grosser Reife an sich
Im Giebelfelde des Augusteums (Universität) zu Leipzig sind von ihm schöne Hochreliefs, Allegorien auf die vier Fakultäten, in den schönsten Gruppen von höchst bedeutsamen Charakteren. Der Genius der Wahrheit und des Lichts segnet die vier Fakultä- ten, jede durch Lehrer und Schüler personificirt. Später, im Jahre 1838, begann er für die Aula der Universität einen Cyclus von 12 Reliefs, welche die Culturgeschichte des Menschen darstellen. An seinem eigenen Hause sieht man seit 1830 sechs von ihm selbst gear- beitete Büsten grosser Künstler, und überdiess fertigte er auch mehrere andere Portraite nach dem Leben, die, in sprechender Aehnlichkeit, zu den Meisterwerken ihrer Art gezählt werden müs- sen. Es sind darunter die Büsten des Königs, des Herzogs Jo- hann, u. s. w. An die oben erwähnten grösseren Arbeiten, die theilweise erst in der neuesten Zeit ihre Vollendung erreichten, reihen sich dann noch einige kleinere Bildwerke von diesem eben so gemüthvollen als geistreichen Künstler: wie ein Basrelief, wel- ches nach Goethe's Gedicht Charon vorstellt, eine kleine, ausge- zeichnet schöne Statue der Ceres in Marmor, eine Statuette der Gerechtigkeit mit dem Buche in Bronze, u. a. Diese Statuette fer- tigte Rietschel aus Auftrag des Herzogs Johann zur Erinnerung an den Landtag von 1830. Es existiren davon nur 12 Exemplare, die der Herzog, welcher damals der Cammer beiwohnte, vertheilte. Auch zur Herstellung älterer Werke hat Rietschel thätige Hand geboten. Im Jahre 1830 restaurirte er das schöne gothische Portal der Stiftskirche zu Dresden, und 1840 fertigte er die neue Tumba, in welcher die Gebeine des Markgrafen Dietzmann in der Pauli-
Nagler's Künstler - Lex. Bd. XIII. 12
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