Riepenhausen, Franz, und Johann, Maler und Kupferstecher , der erstere zu Göttingen 1786, der andere etwa zwei Jahre später geboren, die Söhne des obigen Künstlers, arbeiteten stets in Ge- meinschaft und in brüderlicher Eintracht, und daher ist ihr Ruhm ein gemeinschaftlicher. Anfangs genossen sie nur gelegentlich den
Unterricht des Vaters, da diesem zu wenig Zeit übrig blieb, um sie förmlich in der Kunst zu unterweisen. Im Jahre 1800 kam Tischbein nach Göttingen, um sich mit Heyne wegen der Heraus- gabe des Homer nach antiken Denkmälern zu besprechen, und die Riepenhausen waren jetzt die eifrigsten Theilnehmer an dem Stiche der Platten, bis die Abhandlung Göthe's über die Gemälde des Polyg- not in der Lesche zu Delphi erschien. Jetzt versuchten die Brüder diese Compositionen nach der Beschreibung des Pausanias darzu- stellen, und auf Göthe's belobende Aufmunterung hin gaben sie die Eroberung Trojas in einer Reihe von Umrissen mit erklärendem Text heraus, 16 Blätter in gr. qu. fol. Der Text in gr. 4. Göttin- gen 1805. Der zweite Theil dieses Werkes, die Wiederherstellung des reich- haltigen Gemäldes der Unterwelt, womit Polygnot die linke Seite der Lesche zierte, erschien erst nach mehreren Jahren, da sich diese Künstler, die mittlerweile zu Basel und in Dresden der wei- teren Ausbildung oblagen, zu biblischen und frommen Gegenständen gewendet hatten. Sie malten damals Madonnen, Darstellungen aus der Legende, und besonders war es Tieck's Genovefa, die sie zu einem neuen Cyclus von Radirungen begeisterte. Sie gaben 1806 das Leben dieser Dulderin auf 10 Blättern heraus. Hierauf gingen sie mit Tieck nach Italien und kamen nach einem mehrmonatli- chen Aufenthalte in Florenz 1807 in Rom an, wo sie studirend und arbeitend zur Aufrechthaltung und Verbreitung des neu-alter- thümlichen Kunstgeschmackes, wie Göthe ihn nennt, beigetragen haben. Ihr Vorbild war hier vornehmlich Rafael und die vor ihm lebenden Meister, und bei unermüdlichem Streben war ihr Erfolg bald ein glänzender. Zu den früheren, auf italienischem Boden
Im Jahre 1822 vollendeten sie die Geschichte der heil. Elisa- beth für den Herzog von Cambridge, und ein liebliches Bild, wo- rin die Künstler die Erhabenheit von Rafael's Ideen und jenes vor allen anderen ihm verliehenen Vorrechts versinnlichen wollten, gött- liche Züge zu schauen und sie mit dem Pinsel darzustellen. Ra- fael ist mit dem Bilde der Madonna di S. Sisto beschäftigt, und schlummernd zeigt sich ihm die hl. Jungfrau im himmlischen Ge- sichte. Dieses Gemälde besitzt der Bankier Valentini. Diese Künstler malten ebenfalls mehrere Madonnen, und Darstellungen des zarteren Kreises der Legende, in einer ganz eigenthümlichen heiteren und zarten Weise. Kein grösseres, reiches Bild stellte Conradin vor, wie er beim Schachspiele das über ihn gefällte Todes- urtheil vernimmt, ist aber durch einen Fall verunglückt. Ein anderes 14 F. hohes und 22 F. breites Gemälde, 1825 für den Saal des Guel- fenordens in Hannover ausgeführt, stellt den Kaiser Friedrich Bar- barossa im Handgemenge mit dem römischen Volke auf dem St. Petersplatze dar, wie ihn Heinrich der Löwe schützt,
Dieses Bild wurde damals als das gelungene Originalwerk dieser Meister erklärt. Eine meisterhafte, grosse Composition ist aber auch jene, in welcher sie später die Verklärung Rafael's feier- ten, und noch mehrere andere kleinere Bilder reihen sich den genannten an, lauter Werke eines gleichgesinnten gemeinschaftli- chen Wirkens. Als Resultat dieses Strebens ist dann auch jenes Werk zu betrachten, welches unter dem Titel: Geschichte der Ma- lerei in Italien nach ihrer Entwicklung, Ausbildung und Vollen- dung erschien, 2 Hefte mit 24 Kupfern, Stuttgart 1810, gr. roy. fol. Es enthält, mit eigenthümlicher Treue im Umrisse radirte Com- positionen alter, zum Theil noch unbekannten Meister vom 14. Jahr- hundert bis auf Perugino, deren Werke die Brüder Riepenhausen gezeichnet haben. Die Nachbildungen sind unter eigenen von C. Barth gestochenen Titeln vereinigt.
Im Jahre 1853 starb Franz Riepenhausen, wenige Augenblicke nach seinem Uebertritte zur römisch-katholischen Kirche. Jetzt ordnete Johann die Zeichnungen, welche noch beide zum Behufe der bildlichen Darstellung des Lebens Rafael's gezeichnet hatten, und gab sie heraus unter folgendem Titel: Vita di Rafaello. Roma 1834, 14 Blätter, deutsch; Güttingen 1835. Johann Riepenhausen hat seit dieser Zeit auch mehrere Gemälde ausgeführt, im gewohnten Schwunge seiner Composition: Rafael's Tod (1836); ankommende Fremdlinge zu einem Madonnenfeste bei Albano; die Erscheinung; nach Wackenroder's Herzensergiessungen eines Klosterbruders (1834); Maximilian I. bittet in Kufstein den Erich von Braunschweig für
Einige Werke der Riepenhausen sind auch in Abbildungen von fremder Hand vorhanden:
Heinrich der Löwe schützt den Kaiser Friederich beim Aus- gange aus der Peterskirche gegen den Anfall der Ghibellinen, das oben erwähnte Bild in Hannover, lithographirt von J. Gire, Ge- schenk des Kunstvereins in Hannover 1832.
Herzog Erich der Ältere rettet dem Kaiser Max das Leben in der Schlacht bei Regensburg, lithographirt von J. Gire,
Faust und Gretchen auf der Strasse, lithographirt von En- minger. Eigenthändig radirte Blätter dieser Künstler kommen in ihren
oben genannten Werken vor.
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