Riedel, August

Riedel, August, einer der ausgezeichnetsten jetzt lebenden Maler, wurde 1800 zu Bayreuth geboren, und schon in früher Jugend für die Kunst empfänglich; sein Vater Carl Christian, und seine beiden Oheime ebenfalls Künstler waren. Diese hatten sich indessen mehr der Archi-

sah man ein grosses Gemälde von ihm, Christus auf dem Oelberge vorstellend, in großartigem Style behandelt. Auch die schöne Wahl - der Formen, die glänzende Färbung und die effektvolle Beleuch- tung wurde gerühmt, so dass also schon Riedel's erste Werke Vor- züge besitzen, die sich in der Folge bis zur Bewunderung stei- gerten. Ein anderes Gemälde aus jener Zeit stellt Petrus und Pau- lus vor, wie sie den Lahmen heilen, in Form und Farbe nicht zwar schöner, als das vorhergenannte. Auch mehrere treffliche Bildnisse malte Riedel in seiner früheren Zeit in München ; begab er sich endlich nach Italien, um die Meisterwerke der fri- heren classischen Schulen jenes Landes zu studieren, und in neuen Weisen der Darstellung sich zu versuchen. Jetzt aber kam der Künstler von dem streng Kirchlichen ab, aber gerade damit be- ginnt jene Periode, in welcher er zuletzt den Gipfel des Ruhms er- reichte. Anfangs malte er in Florenz, und dann zu Rom nur Bild- nisse von Frauen in ihrer eigenthümlichen, malerischen Tracht des Landes, lauter Werke, die sich durch geistreiche naturgemäße Auffassung, und durch treffliche Behandlung empfehlen; dennoch aber war anfangs seinen Bemühungen in Italien der Erfolg nicht sehr günstig, und daher folgte er 1830 gerne dem Rufe des Herrn

Langer, der sich bei der Ausschmückung des Palastes des Herzogs

Maximilian in München seiner Hülfe bediente. Nach Vollendung dieser Arbeiten, die zu den schönsten ihrer Art gehören, ging Riedel zum zweiten Male nach Rom, jetzt aber verbreitete sich der Ruf des Künstlers in kurzer Zeit. Unter den ersten daselbst ausgeführten Gemälden nennt man besonders ein italienisches Mädchen, das, während es sein Tamburino zurecht macht, nach einem sich schnäbelnden Taubenpaar herabsieht; eine sehr lieb- liche Erscheinung. Ein zweites Bild in mittlerer Grösse, bringt eine Familienscene vor den Blick. Es stellt eine albanische Frau vor, wie sie sich nach einer Dienerin beugt, die ein nacktes Kind auf dem Schenkel stehend hält. Auch dieses Gemälde fand er- dienten Beifall, das Erstere wurde aber dennoch vorgezogen. Das jene Bild, welches zuerst im hohen Grade die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf sich zog, ist das auch durch lithographirte Nachbildung bekannte Bild der neapolitanischen Fischerfamilie am Meeresufer. Der Marinaro sitzt auf einer Erderhöhung und singt zur Cither, während sein Weib (das bekannte Modell Fortunata in Rom) mit über dem Knie verschränkten Händen, dem Beschauer zu- gekehrt, am Boden sitzt. Hinter ihr lauscht das Töchterchen den Rufen des Vaters, im Hintergrunde sieht man den Nachen, das Meer und den blauen Himmel. Die erste Darstellung der Fischer- familie, ein Bild von mittlerer Grösse, besitzt Kitter Thorwaldsen, die zweite, mit lebensgroßen Figuren, der Kronprinz Maximilian von Bayern. Letzterer sah das Gemälde bei Thorwaldsen und war beim Anblick desselben so davon bezaubert, dass er sogleich die Darstellung im Großen verlangte. Dieses Gemälde verkündete den Ruhm des Künstlers weit hin, und seit 1850 hat es derselbe öfter wiederholen müssen. Ein anderes berühmtes Bild ist jenes der ba- denden Mädchen. Zwei derselben sind im Wasser, die eine sich am Weidenaste haltend. Ein drittes Mädchen kleidet sich an, und

Die erste Person ist die hütende Alte; Dieses Bild zeichnet sich durch Schönheit der weiblichen Form und durch ausserordentliche Künste aus. Licht und Farbe verbreiten über dieses Bild erheblichen Reiz, Riedel musste auch diese Darstellung veredeln, allein er behielt immer nur das Hauptmotiv bei, im Ganzen solche Veränderungen an, dass jedes dies- seitig Original gelten kann. Das erste besitzt Kronprinz von Bayern, ein anderer der russische Thronfolger, ein zweites in München u. s. w. Doch brachte der Künst- ler nicht eine Wiederholung der genannten Meisterwerke zu, sondern andere Darstellungen, die ebenfalls zu den ausge- zeichneten ihrer Art gehören. Keines derselben stellt zwei Jün- ger Mädchen dar, und ein zweites, dies im Besitz des Herzogs von Rohan, eine Römerin mit dem Kinde, welchem eine Hand freundlich zur Seite liegt, ebenfalls durch Lithographie bekannt. Danach trat der Künstler aus dem Kreise seines lieblings Genres heraus und stellte die Judith in einem lebensgrossen Kniestück dar, wie sie, im Zauber des Morgenlichtes, die Linke auf das Schwert stützt, und in der Rechten das Haupt des Holofernes trägt, welches aber aber nur bis an die Stirne sichtbar wird. Diese herrliche Gestalt ziert jetzt die Sammlung neuerer Meisterwerke im Besitze des Königs Ludwig von Bayern. Dieses Bild erregte bei der Ausstellung im Local des Kunstvereines in München allgemeine Bewun- derung, und bald erschienen Copien in Oel und in Miniatur da- von. Durch Piloty's Lithographie ist es einem weiteren Kreise be- kannt. Ein Prachtgemälde anderer Art, welches der Künstler 1841 für Baron Letzbeck malte, stellt aus dem altindischen Drama Sa- contala die Scene vor, wie die Prinzessin, eine blühende Mäd- chengestalt, nackt bis an die mit einer Matte bedeckten Hüfte, und bis an die Knie sichtbar, in der buschreichen Laube steht, und die Gazellen zu ihrer Beschützerin heraneilen. Dieses lebensgrosse, in üppiger Farbengluth gemalte Bild, ist eines der brilliantesten Stücke, welche die Malerei je hervorgebracht hat, und es ent- wickelt dabei eine Schönheit und Reinheit der Form, und eine Gediegenheit der Behandlung, wie sie nur ein Meister erster Grösse zu erreichen im Stande ist.

Im Jahre 1842 vollendete er sein Bild der Medea, auf ei- nem Gebiete, welches bisher ihm fern lag, das er sich aber durch liebevolles Studium der antiken Formenwelt so urbar machte, um neue Lorbeern erndten zu können. Die Königstochter von Col- chis, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, erscheint hier als ver- stümmelte Gattin, mit dem Mordstahl in der Hand, den sie zu grau- siger That gezückt hält. Dieses originelle und schöne Kunst- werk besitzt der König von Würtemberg, ein hoher Beschützer des Künstlers, der schon mehrere andere Werke desselben besitzt. Zu Anfang des Jahres 1843 malte Riedel für König Ludwig von Bayern, seinem Landesfürsten, die Porträts zweier Kinder, deren schmucklose Schönheit die neapolitanische und römische Volksju- gend repräsentirt. Wie bei vielen anderen Gemälden des Meisters ist auch diesen Bildern durch sinnig gewählte Lichteffekten ein eigenthümlicher Reiz eigen.

Nachbildungen, alle in grossen Formate, Die neapolitanische Fischerfamilie, das oben erwähnte Bild des Kronprinzen von Bayern, lith. v. G. Bodmer,

Eine ähnliche Darstellung, im Besitze des Dr. Lucanus in Halberstadt, lith. von C. Fischer.

Die Judith, das herrliche Gemälde im Besitze des Königs von Bayern, lith. von Piloty.

Die Rose, in Aquatinta von Oldermann.

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