Ridolfi, Ottaviano, s. den vorhergehenden Artikel.
Michele, Historienmaler zu Lucca, einer derjenigen: italieni- schen Künstler, die, angeregt durch neue deutsche und alte italienische Werke, mit glücklichem Erfolge eine neue Bahn ein-
geschlagen haben. Er wurde um 1705 geboren und in Rom zum
Künstler herangebildet, wo er sich 1813 mit Verehrung den deut-
schen Künstlern näherte, namentlich Cornelius und Overbeck. Er lernte die Meister des 15. Jahrhunderts als Vorbilder Rafael's schä- tzen, und so strebte er mit aller Sorgfalt einer gediegenen Kunst- bildung entgegen. Ridolfi ist auch im Technischen der Malerei ausgezeichnet, und weiss von dieser Fertigkeit den freiesten Ge- brauch zu machen. Seine Bilder sind mit grosser Strenge gezeich- net und nach Erforderniss auf das sorgfältigste ausgeführt, beson- ders Porträite. Andere sind dagegen breit und praktisch behandelt, wie die Auferstehung Christi in S. Martino zu Lucca, ein Werk von grosser Wirkung. Wo ihm die Aufgabe wird, eine Madonna als Altarbild zu malen, ordnet er das Ganze gern in der symmetri- schen Weise der Quattrocentisten an,
Eines der neueren Werke dieser Art ist eine Madonna in trono, mit St. Gregor und Paulus auf der einen, St. Petrus und Benedikt auf der anderen Seite. Das gewöhnliche Kennzeichen St. Gregor's, die Taube, hält das Christkind in der Hand, und ein Strahl von ihr nach dem Kopfe des Heiligen bezeichnet ihre Be- deutung. Dieses Bild fand den größten Beifall, als es 1836 in einem Vorzimmer des Vatikans aufgestellt wurde. Cav. Gaspare Servi schrieb im Giornale Tiberino ein schönes Lob darüber und der Papst überreichte dem Künstler zwei goldene Medaillen und einen Lorbeerkranz.
In der griechischen Capelle, der herzoglichen Villa di Marlia bei Lucca malte er eine Reihe heiliger Gestalten nach alten Vor- bildern; das bedeutendste Werk daselbst ist aber ein grosses Oel- gemälde, dem der Herzog ein besonderes schönes Zimmer des Schlosses angewiesen hat. Es stellt die erste Versammlung der Apo- stel unter Petri Vorsitz dar, nach der Erzählung der Apostelge- schiehte. Dieses Bild wird in des Grafen Raczynski Geschichte der neuern deutschen Kunst II. 706. besonders hervorgehoben, und nur dabei bemerkt, dass der Künstler in einigen Dingen bei der Ausführung den Einflüssen und Anforderungen seiner Umgebung nachgegeben, — denn der erste Entwurf sei einfacher und entspre- chender. — Auch Missverständnisse alter Formen sind gerügt, na- mentlich an Paulus, der links im Vorgrunde mit absichtlich ver- hüllter Hand sitzt, ohne dass ein Grund der Verhüllung vorhan- den ist. Dennoch spricht aus dem Ganzen ein Sinn für dramati- sche Auffassung, eine einfache Denkweise, eine Fähigkeit zu cha- rakterisieren, mit Einem Wort, ein von einem grossen Talent unter- stütztes verständiges Studium der classischen Kunst. |
Die Liebe zur alten Kunst, die Achtung vor ihren Monumen- ten, verbunden mit seinem Talent, machen Ridolfi auch ganz be-
Ridolfi ist Conservatore delle belle arti im Herzogthum Lucca. Als solcher fertigte er im Auftrage der verstorbenen Königin von Etrurien ein Verzeichniss aller dort befindlichen älteren Kunst- werke, was für künstlerische Forschungen von hohem Werthe ist.
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