Richtel, Adrian Ludwig

Richtel, Adrian Ludwig, Landschaftsmaler und Radirer, geb. zu Dresden 1803, wurde von seinem Vater Carl in den Anfangs- gründen der Kunst unterrichtet, und stand auch noch dann unter dessen Aufsicht, als er die Akademie seiner Vaterstadt besuchte, um der Malerei sich zu widmen. Richter wurde von der Natur mit ausserordentlichem Talente begabt, und daher machte er sich

unter seinen Kunstgenossen bald bemerklich. Er malte schon vor seiner Abreise nach Italien treffliche Ansichten von interessanten Gegenden seines Vaterlandes, und auch seine landschaftlichen Ra- dierungen zogen den Blick auf sich; sein grösserer Ruhm verbrei- tete sich aber von Italien aus, durch seine Gemälde, welche die grossartige Alpennatur und die reizende Fülle italienischer Scen- erie vergegenwärtigen. Schon im Jahre 1824 lesen wir im Kunst- blatte, das Romantische, das was in der Natur ans Unglaubliche reiche, ohne die Grenzen des Möglichen und Wirklichen zu über- schreiten, sei ganz sein Fach, und der Künstler vermöge es mit solcher Wahrheit vor die Augen zu stellen, dass uns ganz das Ge- fühl des Erhabenen durchdringe, welches der Anblick im reinsten Sonnenlicht strahlender Gletscher, ungestümer Bäche, ernster, den Bergstürzen und Lavinen sich entgegenstellender Waldungen ein- flösse. Die Meisterhaftigkeit, mit der seine Bilder ausgeführt sind, der schöne und tiefe Sinn für Natur, der sich darin spie- gelt, die Treue und Wahrheit in Darstellung des Charakters der Natur, die wohl berechnete Wirkung — heisst es weiter — berechtige das Höchste in dieser Kunst zu erwarten. Bilder, welche sich eines solchen Lobes würdig zeigten, sind das Innthal bei Hall, der Sennenzug auf die Alpen, ein grosses Gemälde, u. a. Auch von seinen späteren Bildern heisst es im Kunstblatte von 1828, dass die reine morgenhelle Klarheit seiner Landschaften, das genaue Na- turstudium, womit jeder Baum, jede Blume dargestellt ist, und be- sonders das dramatische Leben in seinen Staffagen unwiderstehlich anziehe. Richter machte in Rom selbst in der Historienmalerei ernste Studien, und somit ist in seinen Landschaften zugleich auch die Staffage von Bedeutsamkeit. An die Bilder, welche den Al- penregionen in Tirol und Salzburg, und dem Volksleben jener Ge- genden entnommen sind, reihen sich jene, welche eine südlichere Natur vorführen. Dieses sind seine Ansichten aus den Appeni- nen, aus der römischen Campagna, aus der Umgegend von Olev- ano und am Monte Serone, Baja, Salerno, Grotta Ferrata, la Ric- cia u. s. w. Den zweiten Theil machen seine Zeichnungen in Bi- ster und Aquarell aus, meisterhafte Arbeiten.

Nach seiner Rückkehr aus Italien wurde Richter an der Kunst- schule zu Meißen als Professor angestellt. Seine Zeit ist also theil- weise dem Unterrichte gewidmet, aber er findet immerhin Musse zur freien Kunstübung und sein Ruhm ist ungeschmälert. Aus dieser letzteren Zeit stammen viele Zeichnungen zu illustrirten Werken, wie zum malerisch - romantischen Deutschland (der Harz) u. s. w.

Wir haben von seiner Hand auch trefflich radirte Blätter. Seine früheren Arbeiten dieser Art findet man in den Folgen landschaft- licher Ansichten, die sein Vater herausgab, in den malerischen An- und Aussichten von Dresden und der Umgegend, die wir im Arti- kel des älteren Richter aufzählen.

  1. Scenen aus dem Tiroler Volksleben, 6 lithogr. Blättern, auch colorirt zu finden. München 1830. fol.

  2. Die sächsische Schweiz. Ansicht von der Bastei, die Basalt- felsen bei Rathen, mit 160 Randbildern, das Gegenstück zu C. A. Richter's Ansicht von Dresden mit Randbildern, qu. roy. fol.

  3. Malerische Ansichten aus den Umgebungen von Salzburg. 6 Blätter als erstes Heft der Radirungen von L. Richter, kl. qu. fol.

  4. Malerische Ansichten aus den Umgebungen von Rom, 7 Blätter, als zweites Heft seiner Radirungen, kl. qu. fol.

  5. Zehn Ansichten merkwürdiger Gegenden in Sachen, auf- genommen und radirt von L. Richter. Dresden 1840. qu. fol.

  6. Mehrere Radirungen in der Bilderchronik des Dresdner Kunstvereins, nach seinen Gemälden, qu. fol.

  7. Gegend am Monte Serone.

  8. Baja. d

  9. Der Brunnen bei la Riccia,

  10. Grotta Ferrata.

  11. Der Erntezug in der römischen Campagna.

  12. Blick auf den Meerbusen von Salerno.

  13. Appeninen - Aussicht;

  14. Rocca di Mezzo.

  15. Der blinde Dorfgeiger, nach C. Hantzsch. folio. (Bilder- chronik.)

  16. Römische Pilger am Bache, nach D. Lindau, gr. fol. (Bil- derchronik.)

  17. Dorfschenke mit Kartenspielern, nach A. L. Most, qu. fol. (Bilderchronik.)

  18. Herbstabend, nach F. Oehme, fol. (Bilderchronik).

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