Richomme, Joseph Theodor

Richomme, Joseph Theodor, Kupferstecher , einer der berühm- testen französischen Künstler seines Faches, wurde 1785 zu Paris geboren, und daselbst von Regnault in der Zeichenkunst unter- richtet. Richomme wollte Maler werden, zog aber zuletzt die Kupferstecherkunst vor, worin ihm J. J. Coigny Anleitung gab, doch so, dass die Uebung im Zeichnen nach der Antike und nach der Natur die eine Hälfte seiner Zeit in Anspruch nahm, die an- dere der Arbeit mit dem Grabstichel gewidmet war. Richomme er- hielt auch schon den grossen Preis des National-Institutes, und von dieser Zeit an folgte eine Reihe von Blättern, die alle das Gepräge hoher Meisterschaft an sich tragen. Die Blicke des Publikums zog er zuerst durch zwei Blätter auf sich, wovon das eine Neptun und Amphitrite, nach G. Romano gestochen, das an- dere Adam und Eva, einer Freske Rafael's nachgebildet ist. Während seines Aufenthaltes als kgl. Pensionär in Rom zeichnete er den Triumph der Galathea, Rafael's berühmtes Gemälde in der Far- nesina, ebenfalls zum Behufe eines Stiches, welcher die Erwar- tungen der Kenner vollkommen befriedigte. Da das Gemälde sehr verblichen ist, brachte der Künstler dunkle Schatten an, da wo jene schadhaften Stellen sich zeigen. Auch verbesserte er die Zeich- nung der schönen Nymphe neben dem Rade des Wagens, be- sonders am Schenkel. Im Allgemeinen ist aber der Charakter des Originals gut wieder gegeben. Den Stich vollendete er in Paris , wo der Künstler noch gegenwärtig arbeitet. Seine Blätter gehö- ren zu den brillantesten Erzeugnissen der Chalkographie, und sie offenbaren eine Virtuosität in Führung des Grabstichels wie sie wenige erreicht haben. Der Künstler trägt auch diese Meister- schaft gewöhnlich zur Schau, aber wie sehr er auch das Auge zu locken und zu bestechen weiss, so setzen doch Kenner die Blätter eines Longhi, Morghen a. a. d. seinen nicht nach. Richomme wurde 1824 Ritter der Ehrenlegion, und 1826 Mitglied des Insti- tutes.

Folgende Blätter gehören zu den Hauptwerken der Kupferste- cherkunst. Es gibt davon erste Abdrücke, wo die Namen der Künstler nur eingerissen sind (mit angelegter Schrift). Dann ha- ben sie auch einen Stempel. Diese Abdrücke sind schon ziemlich selten, noch seltener aber, wenn die Abdrücke auf chinesisches Pa- pier gemacht sind.

  1. Das Bildniss Ludwig XVIII, nach Gounod, fol.

  2. Jenes der Herzogin von Angouleme, nach demselben, fol.

  3. Adam und Eva unter dem Baume, nach dem Frescobilde Rafael's 1813. H. 14 Z. 6 L., Br. 12 Z.

I. Es gibt drei bis vier Abdrücke, wo unten in Mitte des Randes ein Name schlecht ausgekratzt ist. II. Dann kommen die Abdrücke mit Lettre grise, dem Na- men Joseph ist am Ende ein e angehängt, III. Mit orthographischem Namen.

  1. La Vierge de Lorette 1815, Maria hebt von dem vor ihr liegenden Kinde den Schleier, hinter ihr ist Joseph. Nach Rafael, das Gegenbild zum obigen. H. 14 Z. 12 L. Bei Weigel ein Druck mit Stempel auf chin. Pap. 18 Thlr.

Im ersten Drucke vor dem Monogramme T R am Bette rechte unten in der Ecke,

  1. La Vierge au Livre, nach Rafael. Achteckig mit Einfas- sung, 1836, fol. Bei Weigel ein ganz vorzüglicher Druck auf chin. Pap. 12 Thl., andere zu 0 und 8 Thlr.

  2. Les cinq Saints, nach Rafael. H. 13 Z. 0 L., Br. 10 Z. 6 L. Musée royal. I. Vor den Künstlernamen. II. Die Namen mit der Nadel gerissen. III. Die Abdrücke vor der Schrift (mit Lettre grise). IV. Mit ausgefüllter Schrift,

  3. Die heil. Familie mit den blumenstreuenden Engeln, nach Rafael. H. 14 Z. 6 L., Br. 9 Z. 9 L. Mus. roy.

  4. Die grosse heil. Familie, welche Rafael für Franz I. malte, dieselbe Darstellung, wie auf dem vorhergehenden Blatte, aber grösser. Dieser Künstler arbeitet seit 1830 an dieser Platte. H. 17 Z. 5 L., Br. 11 Z. 8 L. ohne Rand. Sub- scriptionspreis vor der Schrift 66 fl.

  5. La Vierge au Silence, nach dem Bilde des H. Carracci im Pariser Museum, 1838 für den badischen Kunstverein gesto- chen, gr. qu. fol.

  6. Franz I. König von Frankreich, nach Ingres, 1840 noch nicht ganz vollendet, gr. fol.

  7. Der Triumph der Galathea, von Nereiden und Tritonen um- geben, nach dem Frescobilde Rafael's in der Farnesina, ein herrliches Blatt 1820. H. 19 Z., Br. 15 Z.

  8. Neptun und Amphitrite, nach G. Romano, 1810 für die So- cieté des amis des arts gestochen. H. 14 Z. 6 L., Br. 12 Z. I. Die Namen sind mit der Nadel gerissen, und die Jahr- zahl 1819 fehlt. II. Mit unausgefüllter Schrift, und dem Stempel der Ge- sellschaft. III. Mit ausgefüllter Schrift, und mit dem Stempel.

  9. Andromache, nach P. Guérin, das Gegenstück zur Phädra von Iazoyers, gr. fol. (Im D. v. d. Sch. auf chinesischem Pap.;

  10. Thetis mit den Waffen des Achilles, nach F. Gérard, das Gegenstück zur Galathea, s. gr. roy. qu. fol.

  11. Daphnis und Chloe, nach Gérard, fol.

  12. Thetis krönt den Vasco de Gama, für eine Ausgabe von Camons Lusiade,

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