Richard, Fleury François, Maler, das Haupt der Lyoner Schule, welcher man die Ausbildung des so beliebten romantischen Genres verdankt. Er genoss in Paris den Unterricht David's, und als Ri- chard 1801 durch das Bild, welches die den Tod des Gemahls be- weinende Valentina von Mailand vorstellt, sich zuerst als höchst talentvollen Künstler nennen hörte, war er noch ein Jüngling. Die Herzogin sitzt, voll Anmuth das Haupt auf ihre Rechte ge- lehnt, und legt die linke Hand auf den Ehering, der sie anblickt und ihren Kummer zu fühlen scheint. Vor ihr ist ein Tisch mit Büchern; Costüme und Geräthe Alles erinnert an das Mittelalter, welches Richard mit einem Fleisse hingezaubert, der deutlich er- kennen liess, dass er eine Richtung gefunden, die seine Liebe in Anspruch nahm. Auch das Publikum fand an dieser freundlichen Gattung von Malerei ein Gefallen, da die Schreckenscenen von David und Consorten schon ziemlich ihre Wirkung verloren hat- ten. Von dieser Zeit an wandte sich der Künstler mit Geist, Ueber- legung und feinem Gefühle den Verhältnissen des Mittelalters zu, und machte das romantische Leben der Zeit, besonders seines Va- terlandes in ansprechenden, zart vollendeten Bildern anschaulich. Diese sogenannte Anekdotenmalerei fand viele Nachahmer, und sie gab namentlich auch eine Veranlassung, dass die strenge Hi- storienmalerei in Frankreich weniger gepflegt wurde, als durch unsere tüchtigen deutschen Meister in den frühern Decennien des 19. Jahrhunderts geschah.
Die Gemälde dieses Künstlers sind zahlreich, und in verschie- denen Cabinetten; das oben genannte Bild der Valentine von Mailand ist in der herzogl. Leuchtenberg'schen Gallerie zu München, und in M. Meusel's Galleriewerk im Umrisse radirt. Daselbst ist auch jenes gerühmte Gemälde, welches Karl VII. vorstellt, wie er der Aufforderung der Agnes Sorel zufolge sich an die Spitze sei- nes Heeres gegen die Engländer zu stellen im Begriffe ist, und das Lebewohl an Agnes mit der Degenspitze auf den Fussboden schreibt:
Gente Agnes qui tant loin m'envance Dans le mien cuer demorera, Plus que l'Anglais en notre France;
Dieses Bild malte Richard 1804, etwas später aber ein drittes Bild der Leuchtenberg'schen Sammlung, welches, wie das vorher- gehende, in M. Meusel's Werk radirt ist. Es stellt die Herzogin von La Valliere als Carmeliter-Nonne in ihrer Zelle dar, wie sie die vor ihrem Fenster blühende Lilie betrachtet. Ein viertes Bild die- ser Sammlung schildert die Scene, wie Heinrich IV., den Herzog von Bellegarde bei Gabrielle unter dem Bette überrascht, und ihm Confekt zuwirft. Ein anderes schönes Bild, auf dem Salon von 1804 viel bewundert, stellt Franz I. vor, der den Vers:
Souvent femme varie, Bien fol qui s'y fie. — mit dem Diamant in die Fensterscheibe geritzt, und ihn seiner Schwester, der Königin von Navarra, zeigt. Gleichzeitig ist auch die Darstellung von Gresset's Vert-Vert im Liège, wie ihm das Mädchen Zuckermandeln reicht, und die Werkstätte eines Malers. Im Jahre 1806 malte er Heinrich IV. von dem wüthenden Pöbel im Gewölbe zu St. Denis aus einem Grabe gerissen, den Templer Jakob Mauny auf seinem Wege zum Scheiterhaufen, Ludwig XIV.,
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