Riccio, Andrea, Bildhauer und Erzgiesser, wurde 1480 zu Padua geboren, und daselbst zum Künstler herangebildet; aber nicht von Donatello, wie man auch angegeben findet, indem dieser Meister schon starb. Riccio war aber ebenfalls ein ausgezeichneter Künstler , der seinem berühmten Vorgänger nicht weicht. Sein Leben war einem unermüdetem Studium geweiht, so dass zuletzt seine Gesundheit schwand, und wegen der anhaltenden Arbeit- ten vor dem Gussofen eine förmliche Lähmung eintrat. Wir wis- sen dieses aus dem Werke eines Zeitgenossen, des Scardoneius (De antiquitate urbis Patavii, 1560, p. 375), welcher die Grab- schrift auf dem Gottesacker Divi Joannis in Viridario gibt. Daraus geht hervor, dass der Künstler in einem Alter von 52 Jahren gestorben ist. Dieser Grabstein verkündet auch sein Lob als Künst- ler, indem man liest:
Andreae Crispo Briosco Pat. Statuario insigni
Cujus Opera ad Antiquorum Laudem proxime accedunt. etc. — —
Aus dieser Inschrift erschauen wir zugleich, dass der Künstler zwei Beinamen hatte. Am liebsten hatte er nach dem Zeugnisse des Scardonio den Zunamen Crispo, dies „a crispa capitis coma." Briosco wurde er wahrscheinlich von den Arbeiten am Feuer ge- nannt, wenn es nicht vielmehr ein Epitheton desjenigen ist, der ihm die Grabschrift fertigte.
Die Werke dieses Künstlers waren sehr zahlreich, und noch jetzt findet man deren. Er baute die schöne Kirche St. Giustina zu Padua . Im Atrium des grösseren Hofes im Palaste zu Vene- dig waren zwei grosse Statuen in Marmor, die Adam und Eva vorstellten. Im Hause des heiligen Cancian zu Padua sah man Christus im Grabe aus Kreide gebildet, und umherum Figuren von Thon, welche zu leben schienen, wie Scardino bemerkt. Das Grabmal des Girolamo della Torre und seines Sohnes Anton, zweier Arzte von Verona, zierte er in Fermo mit acht Basreliefs in Bronze, die sich jetzt in der Sammlung des Louvre befinden, wohin sie
aus dem Cabinet Torriani zu Verona kamen. Die verschiedenen Vorgänge sind hier in den damals so beliebten Formen der alten Mythologie dargestellt. In dem ersten, wo er als Lehrer erscheint, wird er daher von Apollo und Minerva begleitet, bei der Krank- heit sind die Parzen gegenwärtig, und in dem siebenten wird er ins Elisium eingeführt. Die Anordnung der sehr erhabenen Re- liefs in mehreren Plänen ist nach dem malerischen Princip und et- was überladen; im Einzelnen erkennt man die geschickte Nach- ahmung altrömischer Sarkophagensculptur. Motive und Köpfe sind geistreich, Waagen III. 709.. Abgebildet sind diese Reliefs in Clarac's Musee de Sculpture antique et moderne.
Ein Werk anderer Art ist der grosse reichgeschmückte Cande- laber im Chor der Kirche des heil. Antonius zu Padua, 1507 ge- fertigt. Dieses Werk scheint Crispo am höchsten geachtet zu ha- ben, denn die mit seinem Bildnisse gezierte und von ihm selbst gefertigte Denkmünze verkündet ihn zugleich als Verfertiger des Candelabers. Man liest darauf:
Andreas Crispus Patavinvs aenevm D. Antonii Candelabrvm' Fecit.
Am Revers ist der gebrochene Stamm eines Lorbeerbaumes, der Sprossen treibt. Dann liest man ein Distichon des Francesco Sa- vonarola:
Marmore Praxiteles, pictura clarus Apelles, Ignipotens ferro: Riccius aere ualet, Si Crispi decorus inuidi tacebunt, Quae spirant opera hujus usquequaq. Oce haec perpetuo canent sonora:
Pietro, Maler, wird von Lomazzo unter die Schüler des L. da Vinci gezählt, und wahrscheinlich ist er auch jener Gianpe- drino, dessen Pater Resta erwähnt. Mit Sicherheit können ihm keine Bilder nachgewiesen werden, in Mailand werden ihm aber zwei zugeschrieben, von welchen das eine, Magdalena in der Fel- senhöhle das Crucifix betrachtend, aus dem Besitze des Dichters Manzoni in die Pinakothek der Brera gelangte. Das andere stellt eine leicht um die Hüften bekleidete weibliche Figur dar, welche auf einem Steine unter dem Eichbaume sitzt. In der Linken hält sie einen goldenen Schlüssel, zu ihren Füssen ist die Salbenbüchse und ein Schädel. Am Steine steht die verdächtige Inschrift: Egeria Dea honestatis. Dieses Bild ist schon seit 200 Jahren im Besitze des Marchese Brivio zu Mailand. In diesen beiden Bildern zeigt die Darstellungs- und Behandlungsweise entschieden einen Schu- ler des Leonardo, aber zugleich auch wieder etwas Eigenthüm- liches und Liebliches im Ausdruck der weiblichen Köpfe, besonders in den grossen schön gewölbten Augen. Zeichnung und Modelli- rung sind lobenswerth, nur Hände und Füsse sind etwas mager und männlich. Die Färbung ist etwas kalt, die Schatten sind bräun- lich, das Landschaftliche aber mit grosser Sorgfalt behandelt.
Ein drittes Bild dürfte im k. Museum zu Berlin seyn. Die heil. Katharina zwischen zwei Rädern mit nach oben gerichtetem Blicke. Dieses Bild stimmt in der Darstellungs- und Behandlungs- weise mit den obigen überein. Kunstblatt 1838. S. 291.
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