Ricciarelli, Daniel, Maler und Bildhauer , wurde 1500 zu Vol-
terra in Toskana geboren, und daher nennt man ihn gewöhnlich Daniel da Volterra. Er soll in Siena Schüler des B. Perruzzi und Sodoma's gewesen seyn, allein entscheidender war für ihn in Rom Perino del Vaga, und allen diesen zog er dann Michel Angelo vor. Der starre Buonarotti war ihm ebenfalls sehr gewogen, und förderte diesen seinen Schützling auf jegliche Weise. Er war ihm bei der Composition seiner Werke behülflich, und unterstützte ihn sogar mit eigenhändigen Zeichnungen. Daniel wusste auch mit Glück die Eigenthümlichkeit dieses Meisters in sich aufzuneh- men, ohne jedoch dessen Erhabenheit zu erreichen. In der Zeich- nung, in den Verkürzungen entwickelte er ausserordentliche Mei- sterschaft, die Färbung ist aber etwas kalt. Michel Angelo fand aber in ihm immerhin den besten Stellvertreter bei seinen Arbei- ten im Vatikan . Auch wenn Ricciarelli anderswo arbeitete, beauf- sichtigte ihn Buonarotti, wie in der Farnesina, bei welcher Gele- genheit jener Meister mit der Kohle jenen colossalen Kopf zeich- nete, der noch jetzt ersichtlich ist. Daniel malte unter Buonarot- ti's Einfluss auch die berühmte Kreuzabnehmung, welche man in Trinita de' Monti sah, und neben der Transfiguration Rafael's und der Communion des heil. Hieronymus von Dominichino zu den Hauptwerken Roms gezählt wurde. Es ist dies ein grosses, mäch- tig bewegtes Bild, welches vor einigen Jahren von der Wand ab- genommen, aber von Palmaroli nicht glücklich restaurirt wurde, da es durch den Einsturz der Kuppel wesentlich gelitten hatte. Der heilige Leichnam wird von den auf Leitern stehenden Män- nern auf einem Leintuch langsam herabgelassen, und ruht mit der ganzen Schwere auf der Schulter und dem Kreuz eines jungen Man- nes. Maria wird von Johannes und den heiligen Frauen unter- stützt, — eine ergreifende Trauerscene mit Gestalten der edelsten Art. Andere Kreuzbilder werden wir unten erwähnen, und beifügen, was sich von Gemälden ausserdem noch findet, neben Angabe der Stecher nach diesem Meister. Seine Gemälde sind selten, da Ricciarelli
sich später mit der Plastik beschäftigt hatte und wenig mehr malte, überhaupt auf die Ausführung seiner Werke viel Zeit ver- wendete, um Vollendetes zu geben. Michel Angelo war ihm auch in der Plastik Vorbild. Er fertigte von allen seinen Statuen For- men zu Gipsabgüssen, die in die Welt hinausgingen, und viele Nachahmer jenes Meisters erzeugten, welche aber durch diese Nach- ahmung meistens verunglückten, da ihnen Buonarotti's Geist fehlte. Am Brunnen im Corridor des Belvedere ist die Statue der Cleopa- tra sein Werk. Im Königssaale, wo Pietro del Vaga arbeitete, sind schöne Stuccoarbeiten von ihm. Nach dem Tode jenes Meisters (1547) wurde ihm die Vollendung des Saales übertragen, dessen Verzierungen nach seinen Zeichnungen ausgeführt sind. Gegen Ende seines Lebens begann er die Ausführung einer Statue des hl. Michael, welche die grosse Pforte vom Castell St. Angelo hätte zieren sollen. Diese Statue blieb unvollendet, der Künstler sprach aber in seinem letzten Willen aus, dass man sie auf seinem Grabe errichte. In S. Trinita de Monti sind andere Stuccoarbeiten von ihm. Von zwei kleinen Basreliefs daselbst stellt das eine Michel An- gelo mit dem Spiegel, das andere einen Satyrn dar, welche Köpfe, Arme, Beine u. a. auf die Waage legen. Man glaubt, Daniel habe da- durch die Beihülfe dieses Meisters andeuten wollen. J. Episcopius hat zwei mit Blumengehängen an einem Sarcophag stehende Figu- ren, Stuccos in S. Trinità, gestochen. Im Cabinet Paignon Dijon- val war eine Zeichnung, welche zwei Kinder vorstellt, die eine grosse Guirlande von Früchten binden, à la Sanguine und Feder. Von Frankreich aus erhielt er den Auftrag, die Reiterstatue Hein- rich II. zu fertigen, allein es kam nur das Pferd zur Ausführung, welches nach seinem Modelle in Bronze gegossen wurde. Dieses Pferd, kein edles Thier, trug später Ludwig XIII. auf dem k. Platze zu Paris. Der 1567 erfolgte Tod des Künstlers verhinderte ihn an der Vollendung der Statue Heinrichs. Als Ursache seines Todes gibt man das Misslingen des ersten Gusses. A. Tempesta hat das Pferd mit dem Reiter gestochen. Daniel da Volterra ist es ferner, der das Gemälde des jüngsten Gerichtes in der Sixtina vor der Vernichtung rettete. Papst Paul V. fasste den Entschluss, dieses Werk überweissen zu lassen, weil Michel Angelo viele Figuren schamlos hinstellte. Jetzt machte sich Ricciarelli verbindlich, die ärgerlichsten Blößen mit Kleidern und Binden zu bedecken, zog sich aber dadurch den Spottnamen des Hosenmalers — Braghet- tone — zu.
Gemälde und Zeichnungen.
Die Kreuzabnehmung, das schon oben erwähnte berühmte Bild in S. Trinità de Monti, welches schon Vasari rühmte, und die nachfolgenden Schriftsteller erhoben und ästhetisch zergliederten, ist in mehreren Abbildungen vorhanden. Ein Hauptblatt ist jenes von G. B. Cavalleriis, aber in gutem Abdrucke selten. Ein schö- nes Blatt ist auch jenes von G. J. L. Dome; R. Audenaerde hat die Darstellung von der Gegenseite geistreich radirt, und C. Zocchi das Bild von der Seite des Originals gestochen. Auch N. Dorigny stach sein Blatt nach dem Originale, man muss aber einen Abdruck vor Strange's grober Retouche suchen. G. B. Cecchi, A. Westerhout, F. Rastaini haben diese Kreuzabnehmung ebenfalls gestochen. In Gebet- und Andachtsbüchern findet man kleine Kupfer- und Stahl- stiche darnach.
Die Kreuzabnehmung, ehedem Altargemälde in S. Maria del Popolo zu Rom, jetzt in der k. Sammlung zu Neapel. Die Com- position ist von jener des obigen Bildes in S. Trinità de Monti
wesentlich verschieden. Dieses Bild besass die Malerin Angelica Kaufmann mehrere Jahre.
Andere Kreuzbilder malte Daniel in der Capelle Orsini, wo er viele Jahre arbeitete, aber nicht so Bedeutendes leistete, wie in jener Kreuzabnehmung. In einer anderen Kapelle von S. Trinita liess er seine Zöglinge Mich. Alberti und G. P. Rossetti malen, und gab ihnen die Zeichnungen dazu. Eine davon, den berühm- ten Kindermord, führte er selbst aus.
Die Kreuzabnehmung, ehedem in der Gallerie Orleans, gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in England von Grafen von Suffolk um 100 Pf. St. gehauft.
Die Grablegung, nach der Composition des Michel Angelo, in der Sammlung zu Castle-Howard in England. Dieses Bild ist nach Waagen des Danilo nicht unwürdig.
Maria mit dem Leichname Christi, lebensgrosse Gestalten, ehe- dem in der k. Gallerie zu München, und von Mannlich der Kreuz- abnehmung in S. Trinita gleichgesetzt. Jetzt in Schleissheim.
Im Cabinet Silvestre zu Paris waren drei Studien zu einer sol- chen Darstellung: derliegende Christus, und die Frauenbüste, ä la Sanguine.
Die Grablegung Christi, nach einer Zeichnung des Praun'schen Cabinets von J. Th. Prestel gestochen.
Christus am Kreuze, unten am Fusse desselben die ohnmäch- tige Maria, nach einer Zeichnung aus West's Cabinet von C. etz gestochen, für dessen Imitationen.
Eine hl. Familie, ein Bild mit kleinen Figuren in der k. Gal- lerie zu Dresden,
Der Kindermord, ein berühmtes Gemälde mit mehr als 70 Fi- guren, in genau berechneten Lagen, und daher etwas kalt. Man sieht dieses Bild in der Tribune der Uffizien zu Florenz. Ehedem war es in einer Kirche zu Volterra, aus welcher es der Herzog Leopold um eine grosse Summe erkaufte. G. B. Cecchi hat dieses Bild gestochen für Lastri's Etruria pittrice.
Darstellungen aus der Geschichte der Judith, welche die hintere Fassade des Pallastes Massini in Rom zieren, grau in grau gemalt, nach der Angabe von Da Volterra,
Der Prophet Elias, ein schönes Erbtheil der Familie Riccia- relli, von Lanzi erwähnt.
David und Goliath, ein merkwürdiges Bild in der Gallerie des Louvre, welches 1715 der spanische Gesandte, der Prinz von Celtamare, im Namen seines Bruders, Nicolaus del Giudice, Ludwig XIV. als ein Bild des Michel Angelo verehrte. David ist im Begriffe, dem durch den Stein einer Schleuder niedergeworfenen Goliath das Haupt abzuschlagen, auf beiden Seiten eines Schiefer- steines so ausgeführt, dass die eine die vordere, die andere ohn- gefähr die Rückseite derselben Ansicht darstellt. Ricciarelli model- lierte diesen David in Thon, und nach diesem Modelle malte er ihn auf Schiefer, beides aus Auftrag des Gio. della Casa, wie Va- sari deutlich bemerkt. Das Gemälde besass zu seiner Zeit Anni- bale Rucellai. Im Umrisse abgebildet bei Landon IV. 79. Gest von B. Audran.
Plafondzeichnung mit Göttern des Olymp, gest. von Mulinarı.
Studium nach einer knieenden weiblichen Figur, Zeichnung im Pariser Cabinet, imitirt von François.
Studium nach einem männlichen Körper, nebst Correktur, die ihm daneben Michel Angelo machte, Facsimile in Kreidemanier von Demarteau.
Ein Weib, welches dem Amor die Flügel beschneidet, von dem- selben radirt.
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