Ricci oder Rizzi, Sebastiano, Maler, geb. in Cividal de Bel- luno 1650 oder 1660, war Schüler von Cervelli, der ihn von Ve- nedig nach Mailand führte, und hier nun verdankte er diesem Mei- ster, so wie dem Lisandrino, seine frühere Schulbildung. Hierauf ging er nach Bologna , studirte in Venedig einige Zeit die Haupt- werke der Schule jener Stadt, ging dann zu gleichem Zwecke nach Florenz und Rom , bereiste überhaupt ganz Italien , malte überall und um jeden Preis. Ricci erlangte großen Ruf, auch in Deutsch- land, in Frankreich und in den Niederlanden volle Anerkennung, was ihm aber keinen höheren Werth verlieh. Auch beweist er nichts für seine Tüchtigkeit, wenn Lanzi ihn einen wundersam sinnigen Geist nennt, und behauptet, dass er unter den Künst- lern damaliger Zeit an malerischem Genius und einem geschmack- vollen neuen Style Keinem nachsteht. Ricci hatte Talent, macht aber keine ernsten Studien, da diese seine Zeit nicht forderte, son- dern sich mit oberflächlichem Blendwerk begnügte, womit Ricci verschwenderisch war. Es gebricht ihm an Richtigkeit der Zeich- nung, da er sich hierin weder nach guten Schulmustern, noch nach der Natur übte. In seiner reiferen Zeit fühlte er diesen Mangel selbst, und er suchte denselben so gut als möglich zu vert
Die Werke dieses Ricci sind sehr zahlreich, mehrere zu Venedig und in England , wo er sich sogar Hoffnung machte, die St. Paulskirche auszumalen, wenn ihm nicht Thornhill den Rang streitig gemacht hätte. In grössern deutschen Gallerien wird ihm der Zutritt verweigert. In der Gallerie zu Dresden sind jedoch drei seiner besten Bilder: die Himmelfahrt Christi mit lebensgrossen Figuren, und zwei kleine Gemälde mit Opferfesten. Friedrich II. erkaufte einige Bilder für die Gallerie in Sanssouci: die Hochzeit zu Cana, reiches Bild; die Entführung der Europa, und Herkules bei Omphale. Eines seiner besten Werke ist auch die Geburt Chri- sti, welche aus dem Oratorio di S. Giovanni de' Fiorentini in die Gallerie zu Bologna kam. In der Sammlung des Louvre zu Paris ist eine frostige Allegorie zur Verherrlichung von Frankreich, bei Gelegenheit seiner Aufnahme in die dortige Akademie 1713 ge- malt, ein stylloses, kaltes Durcheinander, wie Waagen sagt.
Seine und des Car. Cignani Hauptwerke sind auch gestochen, unter folgendem Titel: S. Ricci's opus absolutissimum, et Car. Ci- gini monochromata septem, ab J. B. Liotard aere expressum. Venet. 1743, fol. Darunter dürften diejenigen, welche Liotard nach Cartons, die ehedem der brittische Consul Joseph Smith in Vene- dig besass, vor allem zu nennen seyn: die Bergpredigt, Christus bei der Samariterin am Brunnen, die Ehebrecherin vor Jesus, die Entscheidung über dieselbe, die Heilung des Gichtbrüchigen zu Bethesda, und Magdalena dem Herrn die Füsse salbend, grössten- theils sehr reiche Compositionen. Zu seinen Hauptwerken gehören sicher auch folgende:
Die Geburt Christi aus dem Cabinet Diziani zu Venedig, ge- stochen von P. Monaco. Die Predigt des Täufers Johannes, gest. von P. A. Kilian,
Die Himmelfahrt Christi, in der Gallerie zu Dresden, gest. von J. Punt für das Galleriewerk.
Die Communion der Apostel, radirt von Fragonard.
Der heil. Dominikus lässt die Ketzerbücher verbrennen, gest. von einem Unbekannten, in Wagner's Verlag.
St. Romuald von zwei Engeln umgeben, nach dem Bilde der
?ie heil. Familie in einer Landschaft von Engeln bedient, gest. von J. A. Falda.
St. Gregor, wie er Seelen aus: dem Fegfeuer erlöst, in der Kirche Corpus Domini zu Venedig, gest. von Fontebasso.,
Derselbe Gegenstand anders und grösser, neben St. Gregor ein geharnischter Fürst, von Fontebasso geätzt. '
Die Enthauptung des heil. Johannes, gest. von J. Bonavera,
Papst Pius V. mit andern Heiligen in der Dominikanerkirche zu Venedig, in schwarzer Manier gestochen.
Camillus in Rom angelangt, als die Römer das Gold wiegen, welches sie den Galliern zahlen wollen, schönes Bild im Hause Zanetti zu Venedig, von Bartolozzi meisterhaft gestochen.
Archimedes von König Hiero zur Vertheidigung von Syrakus aufgefordert, von J. Goupy radirt. '
Aeneas flieht mit seinem Vater aus dem brennenden Troja, gest. von A. Zucchi. .
Ein Rosenbaum bei mehreren Ruinen, im Vorgrunde viele
— Figuren, letztere von Seb. Ricci, die Landschaft von Marco Ricci, gest. von Tardieu.
S. Ricci hat selbst in Kupfer radirt, Bartsch nennt aber kei- nes seiner Blätter,
- Der heil. Benedikt und seine Schwester Scholastika, dabei in Verehrung St. Peter und Paul, St. Rochus und andere Heiligen. Die heil. Jungfrau erscheint oben rechts in Wol- ken. St. Benedetto. — Pestilenza. Unten links: B. [B]a.stiano) Ricci, gr. fol.
Im ersten sehr seltenen Drucke dieses schönen Blattes fehlt die Inschrift. Später wurde die Platte etwas überarbeitet.
Biccii, Stefano, Bildhauer in Florenz, einer der berühmtesten Künst- ler der neuern italienischen Schule, genoss den Unterricht des In- nocenzio Spinazzi; sein eminentes Talent liess aber den Meister bald hinter sich, obgleich auch dieser zu den vorzüglichsten Bild- hauern seiner Zeit gehört, d. h. einer Zeit, in welcher schon viel
_ vom Studium der Natur und der Werke des classischen Alterthums gesprochen wurde, die Künstler aber diese Lehren noch nicht strenge befolgten. Ricci steht indessen weit über seinem Meister, in dem er Canova nacheiferte, allein auch ihn hat die neue Zeit schon wieder überflügelt, und einige der deutschen Nachbarn sagen gar radeweg, Ricci sei schon als veraltet zu betrachten; dies noch bei seinen Lebzeiten, — so gross war der Aufschwung, den Plastik seit Canova durch Thorwaldsen u. a. allenthalben auch Italien genommen hat. Die Kirchen von Florenz sind voll von Arbeiten dieses Meisters; denn er war schon zu Anfang des Jahrhunderts ein Künstler von Ruf, den er eine Reihe von Jahren behauptete, wie die öffentlichen Lobpreisungen darthun, die man seinen Werken spendete; Auch das Kunstblatt rühmt 1830 eins der Werke des Künstlers, nämlich das colossale Monument des Dante's, welches damals in S. Croce zu Florenz eingeweiht wurde. Der lorbeerbekränzte Dichter sitzt auf hohem Podest, Haupt auf die rechte Hand gestützt. Eine edle, erhabene weib- liche Gestalt — Italia — zeigt zu seiner Rechten triumphirend ihn, während die Poesie zur Linken in Schmerz gebrochen Haupt auf den Sarg legt. Italia scheint die Inschrift des Ceno- phiums; Onorate l'altissimo poeta, auszusprechen, all'
In S. Croce ist noch ein anderes Monument von der Hand dieses Künstlers, welches zugleich als eines seiner schönsten be- trachtet werden kann. Es symbolisirt die eheliche Liebe, in der über dem Grabe des Gatten tiefgebeugten Gattin. Auch anderwärts sind Arbeiten dieses Künstlers, meistens Grabmonumente. Im Dome zu Siena ist das Grabmal des Paolo Mascagni, ebenfalls ein Werk von ausgezeichneter Beachtung.
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