Rheukos, Der Sohn des Phileas aus Samos

Rheukos, Der Sohn des Phileas aus Samos, hat in der griechischen Kunstgeschichte einen berühmten Namen, sowohl als Architekt, wie als Erfinder des Metallgusses. Er war nach Herodot III. 60. der erste Architekt des Heräon auf Samos, also sicher derjenige, der den Plan gemacht und den Bau begonnen hat, welchen aber ein Anderer oder Andere fortgesetzt und vollendet haben dürften, da Herodot diesen Tempel als den grössten, den er je gesehen, bezeichnet, und selbst die ägyptischen nicht auszunehmen scheint. Die Zeit der Gründung des ungeheuren Heräums ist nicht genau zu bestimmen, sicher ist aber, dass es zur Zeit der Blüthe und Macht von Samos erbaut wurde. Samos erhielt nach Thucydides I. 13. schon Ol. 18 gegen 300 Jahre vor dem peloponnesischen Kriege Schiffe mit drei Ruderreihen (die ersten Trieren), samische Flotten brach- ten die Macht von Aegina, die Kauffahrer des Eilandes drangen schon Ol. 37. (632 J. v. Chr. G.) nach Tartessus vor, und in die- ser alten Zeit des samischen Flores ist auch der Bau des Heräums zu setzen. Denn als die Samier aus Tartessus zurückkamen, stand sicher schon ein Theil der Tempelanlagen fertig da, da Herodot, IV, 152 berichtet, dass sie von dem Gewinn den Zehnten, sechs Talente zu Weihgeschenken bestimmt, und diese im Heräon auf- gestellt hätten. Dadurch gewinnen wir für Rheukos selbst eine festere Zeitbestimmung, und man könnte annehmen, dass er da- mals noch gelebt hat. Aber ein Mann von Jahren muss er be- reits gewesen seyn, als er um Ol. 40 mit seinem Sohne Theodorus am Labyrinthe in Lemnos thätig war. Plinius stellt ihn da mit Smilis zusammen, unter welchem sich aber die neueren Archäolo- gen nicht den Zeitgenossen des Dädalus denken, sondern einen späteren Künstler. Da Plinius XXXVI. 13. 19 den Smilis zuerst nennt, so könnte dieser auch den Plan entworfen und den Bau begonnen haben, welchen dann Rheukos und Theodorus fortgesetzt und vollendet haben könnten. Darüber hinaus dürfte die Thätig- keit des Rheukos nicht mehr reichen, denn A. Hirt ist im Irr- thum, wenn er in der Amalthea I. 256 S. und in den Berliner Jahrbüchern der wissenschaftlichen Kritik 1827. Nro. 29 S. 30 ff. sagt, dass Rheukos erst um Ol. 60, im Zeitalter des Crösus und Polycrates gelebt, wie Thiersch, Epochen 2te Auflage S. 183 ff. erschöpfend nachgewiesen hat. Wir betzieht unter die von Aristo- teles (Polit. V. 11.) auf Samos summarisch genannten opva rolv- Kpataxa auch das Heräum, wovon keine Rede ist, und auch Hero- dot weiss nicht, dass Polykrates diesen berühmten Tempel der

Rhöekos ist dann auch der Erfinder des Metallgusses, worauf er eben- falls in seiner späteren Zeit gekommen seyn muss, da sein Sohn Theodoros Anteil hat. Diese Erfindung war von hoher Wichtig- keit, da dadurch die Plastik eine breitere Grundlage erhielt, auf welcher sie im Stande war, ihre metallenen Wunderwerke zu schaf- fen. Jedoch erhielt diese Kunst nicht auf Samos, sondern in Aegina ihre Vollkommenheit. Die äginetische war neben der delischen die gelungenste Erzmißchung, welche bekanntlich Poliklet allen andern vorzog. Von dieser Erfindung spricht Plinius XXXV. 12. 43 mit den Worten: Sunt qui in Samo primos omnium plasticen invenisse Rhöeum et 'Theodorum tradant multo ante Bacchiadas Corintho es- pulsos. Die Vertreibung der Bacchiaden fällt Ol. 20. 2. (605 v. Chr.) und wenn Plinius sagt, dass schon viel früher von den bei- den genannten Künstlern der Erzguss erfunden worden sei, s scheint er die Formkunst (die eigentliche plastice) im Sinne ge- habt zu haben, deren Erfindung bis in den Anfang der Olympiaden hinauf reicht. Allein das Wort plastice muss bei Plinius als Metall- guss genommen werden, worauf Rhöekos und Theodorus nicht lange vor Ol. 29 gekommen seyn können. Keineswegs reicht der Ursprung dieser Kunst bis in den Anfang der Olympiaden hinauf, aber auch nicht bis Olympiade 60 herab, wie Hirt glaubte. In seiner Archäo- logie geht er auch davon ab. Pausanias konnte von Rhöekos nur ein einziges Werk im Erz aufinden, nämlich die Statue der Nacht im Tempel der Diana zu Ephesus, bei dessen Bau Theodorus 65 noch tätig war. Pausanias fand diese Statue roh, was natür- lich kommen musste, da das Werk als einer der Erstlinge der Gieβkunst zu betrachten ist.

Rhöen s. Roehn.

Rhölos, heisst bei Plinius XXXV. 13. Der Baumeister der mit Theo- dorus und Smilis den Labyrinth auf Lemnos baute. Neuere Ar- chäologen verbesserten die Lesart in Rhöecus.

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