Retti, Johann

Retti, Johann, Architekt, stand um 1740 im Dienste des Fürsten von Ansbach und wurde zuletzt dessen Baudirektor. Früher baute

er mit Frisoni die herzoglich würtembergische Residenz Ludwigs- Just. Retti restaurirte auch das alte Schloss Cadolzburg. Rettig, Carolinn, Malerin zu Constanz, eine jetzt lebende Künst- lerin, Sie malt schöne Bildnisse, Remer, J., Maler, dessen Name auf einem Blatte von Lisebetius steht, welches Susanna von den Alten überrascht vorstellt. C. Visscher stach diese Darstellung, und nennt den Maler G. Reni, so dass dieser Remig, der überhaupt in der Kunstgeschichte unbekannt ist, apokryphisch erscheint. 1. Retwin, Georg, Maler, lebte um 1750 zu Wien. Er malte Bild- nisse; auch jenes der Kaiserin Maria Theresia, welches Bodenehr in schwarzer Manier gestochen hat. 1; Retzing, Peter, Steinmetz und Bildhauer zu Wien, um 1480. Er hatte Ruf in seinem Fache, Retzsch, Friedrich Aug. Moritz, Zeichner, Maler und Ra- direr, wurde 1779 zu Dresden geboren; seine Vorfahren stammten aber aus Ungarn , die sich vor den Verfolgungen des Protestantis- mus dort niederliessen. Sein Vater war geheimer Kriegssekretär, und obgleich unser Künstler, so wie sein Bruder Anton, von Ju- gend auf entschiedene Neigung zur bildenden Kunst hatten, so wurden sie ebenfalls zwanzig Jahre alt, ohne nur zu ahnen, dass sie sich der Kunst widmen konnten. Moritz wollte Jäger werden, weil er aus Abneigung gegen allen Zwang des äussern Lebens sich nach Waldeinsamkeit und Musse zum Zeichnen sehnte, und erst als der Lehrer, welcher den Jünglingen Unterricht in der schönen Literatur gab, selben erklärte, dass in ihnen mehr Neigung zur Kunst, als zum Studiren sich offenbare, fingen sie an, sich der- selben ausschliesslich zu widmen. Im Jahre 1798 kam Moritz auf die Akademie, wo ihm das Nachzeichnen unangenehm war, da sein Nachahmungsvermögen im Zeichnen und Schnitzen früher durchaus keinen Zwang erlitt; allein er machte doch rasche Fort- schritte, und als er von Professor Grassi auch in der Technik der Malerei gründlichen Unterricht erhalten hatte, sah man bald, dass Retzsch als Künstler Epoche machen werde. Nur hemmten ihn die traurigen Kriegsjahre von 1806 — 1814 in seiner Laufbahn. Diese verzehrten sein geringes Vermögen, da er die alleinige Stüt- ze seiner ganzen Familie, war, und der für Kunst glühende Jüng- ling musste das schwere Opfer bringen, jeder Reise nach Italien zu entsagen. Von seinen früheren Werken, die aber bereits einen glück- lichen Anfang bezeichnen, werden einige in Meusel's neuem deut- schen Künstlerlexikon, 2. Aufl. Lemgo 1808, dann im Tübinger Morgenblatt, welches später zur beständigen Beilage ein eigenes Kunstblatt erhielt, mit grosser Auszeichnung genannt, wie die Er- findung des Saitenspiels (1806), Bacchus als Kind auf dem Tiger schlafend, Diana, lebensgroßes Kniestück, St. Anna, wie sie die Maria lesen lehrt, eine Pieta, sämmtlich im Morgenblatte von 1807. S. 390 günstig beurtheilt, so wie später ein Bild von Amor und Psyche, die sich auf Wolken umarmen, eine Zierde des Dresd- ner Salon von 1808, an welche sich mehrere andere treffliche Bil- der reihen, die sich durch Schönheit der Form, so wie durch lieb- liche Färbung eben so sehr auszeichnen, als durch characteristi- sche Schärfe und Wahrheit des Ausdruckes, was besonders auch Nagler's Künstler - Lex. Bd. 13. 4

Retzsch, Friedrich August Moritz.

seine Bildnisse schätzbar macht. Besonderen Beifall fanden seine Gemälde, welche nach L. M. Fouqué's Dichtung Genofeva und Undine vorstellen, welche im Morgenblatte von 1814 Bilder von großer Lieblichkeit genannt werden, wovon über letzteres eine eigene Zaubertinte ausgegossen sei. Von seinem Erlkönig, den er zuerst im Kleinen, und dann im grösseren Maassstabe für die Prinzessin Amalia von Sachsen malte, hiess es, der Meister habe Ergreifenderes in der gespenstigen Dunstgestalt, Vollendete- res im Helldunkel, in Färbung und Ausführung früher kaum her- vorgebracht. Im Jahre 1824 fertigte er ein eben so furchtbar schö- nes Seitenstück, den Ritter Sintram nach Fouqué's Erzählung dar- stellend. Gemälde fröhlicher Art sind zwei mythologische Scenen: zwei Satyrn, die mit einander ringen, während ein Schäfer die Nymphe entführt, und ein Satyr, der auf dem Weinschlauche sitzt und trinkt, während die eine von den schelmisch heranschleichen- den Nymphen mit einem Jagdspeere den Schlauch durchsticht, beide Bildchen ausgezeichnet wegen der heitern Launen, und der schönen Färbung, die sich darin kund geben. Ein reizendes Bildchen wird auch jenes genannt, welches Mignon vorstellt, wie sie die Guitarre spielend zu den Füssen des Wilhelm Meisters sitzt. In vier an- dern Gemälden versinnlichte er die vier Hauptstationen des mensch-

lichen Lebens, zugleich mit den vier Stationen des Jahres, und den

vier Tageszeiten. Dieser Cyclus von Gemälden ist in Böttiger's No- tizenblatt Nr. 8. ausführlich erläutert. Retzsch componirte viele sym- bolische Bilder, von welchen aber die meisten in Zeichnungen vor- handen sind. Einen grossen Schatz von solchen Zeichnungen ent- hält das Album der Gattin des Künstlers, von welchem Mrs. Ja- meson: Visits and sketches at home and abroad etc. London 1834, und Kunstblatt deselben Jahres Nr. 84. (Dr. Vogel), mit Bewun- derung spricht, und behauptet, dass Königinnen sie um eine sol- che Huldigung beneiden möchten. Alle diese Compositionen sind eben so viele Beweise von der tiefen Sittlichkeit des Charakters un- sers Künstlers. Ausserdem spricht Mrs. Jameson noch von vielen anderen köstlichen Bildern dieser Art, die der Künstler Phantasie- gemälde nannte, welche aber die geistreiche Verfasserin in den Vi- sits and sketches noch richtiger kleine moralische und lyrische Poesien in erfassbarer (palpable) Form nennen möchte, die in der allgemein verständlichen Sprache des Auges zu dem Herzen der Menschheit sprechen. Ungemein interessant ist jene, wie der Ge- nius der Menschheit und der Träger des Bösen um Menschenseelen Schach spielen. Der letztere ist schon im Vorgefühle seines teuflischen Triumphes, da er bereits einige Hauptkämpfer gewon- nen: die Liebe, die Demuth, die Unschuld und zuletzt auch die Gemüthsruhe; aber der Genius der Menschheit gibt sein Spiel noch nicht verloren, denn er hat noch den Glauben, die Wahrheit und die Kraft, und erwägt so seinen nächsten Zug. Der Engel des Gewissens steht als Schiedsrichter da. Diese sinnreiche Allegorie ist in der Zeichnung geblieben, in einem grossen Gemälde ausge- führt aber jene, welche den Engel des Todes vorstellt, welcher zwei Kinder in die Gefilde der Seligen entführt. Dieses Werk ist in Wien, die erste Idee zu diesem ernsten, aber in sanfter Ruhe den Beschauer anblickenden Todesengel ist aber im Besitze des Künst- lers, ein wunderbarer Kopf, von welchem Mrs. Jameson sagt, dass er sie zurückschaudern machte, aber nicht vor Schrecken, denn er ist vollkommen schön, sondern aus einer gewissen ehrfurchts- vollen Scheu. Äusserst lieblich ist aber der Kopf eines Engels, den sich der Künstler zu einer Zeit schnitzte, als er oft von düstern Fantasien und finstern Ahnungen verfolgt wurde, die ihm sein

Von Retzsch erwähnen wir noch folgende Werke, die gröss- tentheils als eigenhändige Radirungen zu betrachten sind, und den Künstler auch im Auslande bekannt und berühmt machten. Es sind diess geistreiche Illustrationen zu Goethe's, Schiller's, Bürger's, Sha- kespeare's unsterblichen Werken. Cotta ertheilte ihm schon 1822 den Auftrag, sämmtliche Werke Schiller's mit Umrissen zu begleiten.

  1. Umrisse zu Goethe's Faust, 26 Blätter, Stuttgart, 1828. 4. Die Londoner Ausgabe ist betitelt: Goethe's Faust, from the designs of Retzsch. 8. Der Pariser Nachstich hat den Ti- tel: Faust, 26 jolies gravures d'apres les dessins de Mr. Retzsch. 2ieme edition, augmentee d'une analyse du drame de Goethe,
  1. In Göttingen erschienen diese Umrisse in qu. 8.
  1. Umrisse zu Goethe's Faust, I. Theil. Von Retzsch selbst re- touchirt und mit einigen neuen Platten vermehrt. Stuttg. 1834. qu. fol. Umrisse zu Goethe's Faust, II. Theil, 11 Platten nebst Andeutungen, Stuttgart 1836, qu. fol.

  2. Gallerie zu Shakespeare's dramatischen Werken in Umrissen, Hamlet, 16 K. mit Text. Leipzig 1828, img. 4. Macbeth, 12 Blätter mit Text, qu. fol. Romeo und Julia. Mit Andeu- tungen von B. von Miltitz, deutsch und in englischer Uebers setzung. 13 Blätter, Leipzig 1836, gr. 4; König Lear, 13 Blätter. Mit Andeutungen von B. v. Miltitz. Deutsch und in englischer Uebersetzung, Lpz. 1838, gr. 4.; der Sturm, 13 Blätter. Mit Erläut. von H. Ulrici, deutsch und englisch. Lpz. 1840, imp. 4; Othello, 13 Blätter. Mit Erläut. von Ulrici. Deutsch und englisch. Lpz. 1842. imp. 4.

  3. Die englischen Stahlstiche haben den Titel: Gallery of Shakes- peare, or illustrations of his dramatic Works. London, 8.

  4. Hamlet, 17 Bl.; 2) Romeo and Juliet, 12 Bl.; 3) Mid- summer nights dream, 6 Bl.; 4) Macbeth, 8 Bl.; 5) Tem- pest, 8 Bl.

  5. Acht Umrisse zu Schillers Fridolin oder der Gang nach dem Eisenhammer, Stuttg. 1823. qu. fol. H. Moses hat dieses Werk nachgestochen, in 4. Der französische Nachstich hat den Titel: Fridolin 8 dessins de M. Retzsch, avec une trad, de la Ballade de Schiller. 316. Der Göttinger Nachstich ist in qu. 8. .

  6. Umrisse zu Schiller's Lied von der Glocke, nebst Andeu- tungen, von M. Retzsch, 435 Blätter, nebst Text. Stuttg. 1833. qu. fol. .

  7. Umrisse zu Schiller's Pegasus im Joche, nebst Andeutungen, von M. Retzsch, 18 Bl., nebst Text. Stuttg. 1833. qu. fol.

  8. Umrisse zu Bürger's Balladen. Leonore, 'das Lied vom bra- ven Manne und des Pfarrers Tochter von Taubenhau, 15 Blätter, gestochen von Retzsch, mit Bürger's Text und Er- klär., von B. von Miltitz, nebst englischer Uebersetzung. Leipzig, 1810. qu. fol. *

  9. Fantasien. Mit englischem, deutschem und französischem Texte, nebst Vorwort von Mrs. Jameson. London 1834. 6 Blätter, gr. 4. |

  10. Phantasien und Wahrheiten, 8 Blätter, gestochen und erläu- tert von Retzsch. Leipzig 1838, qu. fol.

12), Die Schachspieler. Zeichnung und Radirung von M. Retzsch, nebst dessen Andeutungen, erläutert v. B. v. Miltitz. Deutsch, französisch und englisch. Lpz. 18536. qu. fol. /

  1. Der Becher. Nach einem Gedicht vom Grafen Löwen. Gest., von J. C. Thäter (Bilderchronik des Dresdner K. Vereins,

u. fol. 14) Faust und Gretchen, zwei Lithographen von H. F. Grüne- wald und C. Müller, gr. qu. fol.

  1. Dieselben , lith, v, F, Zimmermann. qu. fol.

Betzsch, Carl Heinrich August, Landschaftsmaler, der Bruder — des Obigen, wurde 1777 zu Dresden geboren, und auf der Akade- daselbst zum Künstler herangebildet, unter Umständen, deren wir schon im Artikel seines Bruders erwähnt haben. 'Er studirte auch die besten Landschaftsbilder der kgl. Gallerie daselbst, namentlich Claude Lorrain, noch mehr aber war es die Natur, die ihn leitete, Retzsch hat desswegen schon früh schätzbare Bilder geliefert, doch hatte er nicht das Glück hervorgezogen zu werden; es fehlte ihm an ermutigender Anerkennung. Seine Landschaftlichen Bil- der verdienen aber volle Beachtung, sowohl in der Anordnung ,

als in der Wirkung. Sie sind auf verschiedene Weise stafhirt und nicht selten sehr geistreich behandelt,

Beuhke, G., Lithograph in Braunschweig, ein jetzt lebender Künst- ler, der uns nach fulgenden Blättern beianut ist: '

  1. Die Wahrsagerin, nach H. Krigar mit Meyer lithographirt,

u. fol. 2) geter in der Fremde, nach C. Schröder, kl. fol.

  1. Erinnerung an das Ote. Elbmusikfest zu Braunschweig, fol.

  2. Ansichten der neuen herzoglichen Villa bei Braunschweig, im englisch-gothischen Styl; von Ottmer gebau't, und von C. Schröder gezeichnet, ein Heft mit 5 Blättern, qu. fol.

Beuling, Carl Ludwig, ein Schauspieler, malte um 1760 in Mün- chen Schlachtstücke, die man denen von Rugendas gleichachten wollte, wie L. von Winkelmann bemerkt.

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