Rembrandt ist also nur als Radirer zu fassen, und als solcher diente er vielen zum Vorbilde. Auch im Formschnitte hat er sich versucht

Rembrandt ist also nur als Radirer zu fassen, und als solcher diente er vielen zum Vorbilde. Auch im Formschnitte hat er sich versucht, aber nur ein einziges Blatt geliefert, Nr. 05 unsers Verzeichnisses. Dann gibt es auch viele Blätter in Rembrandt's Manier, von denen mehrere der Zeit des Künstlers angehören. Andere Blätter rühren von Schülern und Nachahmern des Meisters her, und diese gehören neben Rembrandt's Werken theilweise zu den vorzüglichsten malerischen Radirungen im Allgemeinen, wie die Blätter von F. Bol, P. Lastman, G. van Vliet, J. Esselens, J. Livens, Ostade, S. Koninck, Grebber, Lutma, Rodermont, H. Dietz, Verbeeck, Savry, W. Leeuw, und besonders Renesse; C. W. Dietrich, G. F. Schmidt, Capitain Baillie, R. Byron, Th. Worlidge, Wilson, Watelet, Basan, Boissieu, Denon, B. Bossi, Bartsch, C. Hess, Nothnagel, M. Willmann, Koch von Mannheim, Weisbrod, B. Weiss, Norblin de la Gourdaine, Novelli und Cumano, Marcenay de Ghuy, F. Vivares, P. de Bailliu, J. P. de Frey, M. Plonski, Ch. Errard, Ch. de Claussin, M. Kellerhoven, L. Sabatelli, Therese von Holbein, C. D. Read etc. Einige dieser neueren Meister sind nur reine Copisten, aber die vielen Copien und Nachahmungen der Blätter Rembrandt's verursachen den weniger geübten Kunstfreunden viele Zweifel, und selbst erfahrne Kenner können durch die genauen Copien getäuscht werden. Andere Nachbildungen sind dagegen leichter zu erkennen, und nichts als Versuche von jüngeren Künstlern. Es gibt von Rembrandt's Blättern auch verschiedene Abdrücke, wobei die Priorität im Preise oft einen sehr großen Ausschlag gibt. Doch geht man in der Bestimmung der früheren Abdrücke auch oft zu weit, indem irgend ein Probedruck, der vielleicht als einzig dasteht, als erster Abdruck im Allgemeinen erklärt wird. Varietäten gibt es indessen viele, da Rembrandt seine Platte zu wiederholten Malen in die Hände nahm und änderte, bis er die erwünschte Wirkung erreicht hatte. Manchmal zeichnete er gleich nach der Natur auf die Platte seine Skizze hin, die er als Zeichnung ins Portfolio legte, und gelegentlich zur Vollendung hervorzog. Die Abdrücke, die er dabei nach den verschiedenen Retouchen machte, sind theilweise ausserordentlich selten, sie geben aber nicht den Massstab für die Posteriorität, besonders wenn sie an einigen Stellen unvollkommen und unvollendet erscheinen. Diese Probedrucke — gesuchte Selten-

beiten — erkennt man meistens an dem schmutzigen und flockigen Grunde, an dem unregelmässigen Rande, der alt bekritzelt und rauh ist. Rembrandt machte diese Ab- drücke gleich von der unreinen Platte, und putzte sie erst dann aus, wenn er die Darstellung für gelungen erkannt hatte. Dann nahm er auch den äusseren Rand regelmässig ab, und arbeitete ihn ins Reine. So wie bei seinen Gemäl- den, so ging Rembrandt auch bei seinen Radierungen immer zuerst auf die Hauptwirkung los, und das andere folgte sich. Man muss daher die Probedrucke, deren er nur wenige machte, von den ersten Abdrucken der vollendeten Platte unterscheiden, welche eigentlich als die ersten Abdrücke zu betrachten sind. Besonders ist es Chev. Claussin, der auf übermässige Subtilitäten einging, ohne den Freunden Rem- brandt'scher Blätter dadurch genützt zu haben, indem man- cher herrliche Abdruck doch nur als zweiter gilt, da Clousin von einer Probeseltenheit weiss. Bei keinem Meister ist es also so schwierig, ein genaues Verzeichniss seiner Blätter zu geben, wie bei Rembrandt. Es finden sich deren auch weitere.

Der erste, welcher ein raisonnirendes Verzeichniss der Werke Rembrandt's herausgab, ist Gersaint, welcher das- selbe nach jenen Blättern anfertigte, welche der Kupfer- stecher J. Houbracken bei der Versteigerung der Sammlung des Bürgermeisters Six an sich brachte. Diesen Catalog be- reicherten dann Helle und Glomy mit bedeutenden Zusätzen, die sie aus der Untersuchung der Werke Rembrandt's in den Sammlungen von Marolles und Beringhen aus der kön, Bibliothek zu Paris, dann aus jener der Sammlungen des Malers Coypel, des Zeichners Silvestre, der Herren d'Argens- ville, Julienne, Potier u. s. w. gezogen hatten. Auf solche Weise entstand endlich Gersaint's Catalogue raisonne de toutes les pieces qui forment V'oeuvre de Rembrandt mis au jour avec les augmentations necessaires par les Sieurs Helle et Glomy, Paris 1751. Dieser Catalog wurde von den Kunstfreunden mit grossem Danke aufgenommen, da man in ihm die Sache erschöpft glaubte, allein die Mannigfaltig- keit der Werke Rembrandt's ist zu gross, als dass nicht bald Lücken und Mängel sich gezeigt haben sollten. Dissen suchte 1750 P. Yver abzuhelfen durch sein Supplement au catalogue raisonne de M. M. Gersaint, Helle et Glomy, de toutes les pieces qui forment l'oeuvre de Rembrandt. Amsterdam 1756. Yver legte eine berühmte Sammlung zu Grunde, wel- che H. van Leyden theilweise aus ebenfalls berühmten Sam- mlungen der Herren Halling und Maas, des Jakob Houbracken, Molewater und Burgi gebildet hatte. Dadurch wurde Yver in den Stand gesetzt, viele Ungenauigkeiten und Irrthümer seiner Vorgänger zu berichtigen, und einen Zusatz von fast 300 neuen Blättern und Abdrücken, welche Gersaint und seine Mitarbeiter nicht gekannt hatten, zu geben. Allein dieser Supplementband ist sehr selten, da der grösste Theil der Auflage verbrannte, und auch Gersaint's Catalog ist nicht häufig zu finden. D. A. Dalby gab zwar später einen Descriptive catalogue of the works of Rembrandt and of his scholars, compiled from the catalogues of de Burgy, Gersaint, Helle and Glomy, Marcus and Yver, mit einer Vorrede von Roscoe zu Liverpool 1795, gr.8., herausg.; allein erst Bartsch hat auf dem Grunde seiner Vorgänger, und

Rembrandt van Ryn, Paul.

durch eigene sorgfältige Forschungen den Kunstfreunden ein Handbuch geliefert, welches noch immer seine Autorität be- hauptet. Es ist diess der Catalogue raisoné de toutes les estampes qui forment l'oeuvre de Rembrandt, et ceux de ses

principaux imitateurs, Compos6 par les Sieurs Gersaint, Helle, Glomy et P. Yver. Nouvelle edition entièremenre re- fondue, corrigéë et considerablement augmentée par A. Bartsch. 2 tom. avec pl. et les portraits de Rembrandt et de Livens, Vienne 1707. Ein späteres Werk ist jenes von C. Josi: Beoordeerde Catalogus der Werken van Rembrandt van Ryn en van zyne leerlingen en navolgeren, afkomend uit het Kabinet van wylen den Heer C. Ploos van Amstel J. Cz. Amsterd. 1810. gr. 8. Das neueste Werk über die Blätter Rembrandt's und seiner Nachfolger, welches aber vor jenem des A. v. Bartsch nichts voraushat, als einige Angaben über Varietäten des Abdrucks, und dasselbe nichts weniger als überflüssig gemacht hat, ist der Catalogue raisoné de toutes les estampes qui forment l'oeuvre de Rembrandt et des principales pieces de ses Elèves, composé par les Sieurs Gersaint, Helle, Glomy et P. Yver. Nouvelle édition cor- rigée et considerablement augmentée par Chev. de Claussin, 8. Paris 1824. Der Ritter von Claussin sagt in der Vorrede dieser Nouvelle Edition nichts von Bartsch, obwohl aus vielen Stellen deutlich hervorgeht, dass er dessen Catalogue raisoné be- nützte, und selbst in der Vorrede ein Paar Stellen wörtlich abgeschrieben hat. Erst in seinem Supplement au Catalogue de Rembrandt, Paris 1828, fand er sich bewogen, bei Ge- Jegenheit ihn zu nennen, und eine Table comparative des nouveaux Numéros avec ceux de Bartsch beizufügen. Neuer als die Werke von Bartsch und Ch. Claussin ist folgendes: A descriptive catalogue of the prints of Rembrandt. By an amateur (T. W. d. i. Sir'Thomas Wilson). London 1856. 8.

Bei der Bearbeitung dieses Artikels über das Leben und die Werke Rembrandt's suchten wir in deutlicher Kürze die Werke von Bartsch und Claussin zu vereinigen und den einen durch den anderen zu ergänzen, indem der letztere eine viel grössere Anzahl von Varietäten kennt, als Bartsch. Wir konnten aber auch wegen der aus Chev. Claussin's Catalogue Raisonné etc., und dessen Supplement au cata- logue de Rembrandt aufzunehmenden und einzuschaltenden Blättern der Ordnung des A. von Bartsch nicht strenge fol- gen, so wie wir auch in der Classifizirung der Blätter in etwas abweichen zu dürfen glaubten. Doch schlossen wir die Nummern dieser beiden Schriftsteller ein, und bezeich- neten sie mit B. (Bartsch) und C. (Claussin). Was wir in- dessen den Notizen beider Chalkographen noch beigefügt haben, namentlich in Bezug auf Priorität der Abdrücke, auf Copien, Preise u. s. w., wird der unterrichtete Kunstfreund leicht erkennen, und vielleicht in mancher Hinsicht Dank dafür wissen, indem er vor allem die Werke von Bartsch und Claussin, mit dem Supplement des Letzteren, in Über- sicht hat,

Bei Bestimmung der Preise der Blätter ist es aber immerhin eine missliche und ungewisse Sache, indem nur Liebhaberei, grössere oder geringere Concurrenz das Resultat herbeiführt, welches demnach ein verschiedenes ist. So viel ist gewiss, dass die Blätter Rembrandt's in sehr hoher Achtung stehen, und dass die Preise eben so sehr differiren, als die Abdrücke

II. Rembrandt's eigene Bildnisse).

(B. u. Cl. 1.) Büste eines jungen Mannes mit kurzen krausen Haaren (aux cheveux crepus), Rembrandt gleichend, der Kopf von vorne, etwas vorgeugt, links gerichtet. Er trägt einen weissen Halskragen. Der Grund ist weiss bis auf einen leicht angedeuteten Schatten rechts unten, über welchem in sehr kleinen Charakteren Rt. steht. Dieses Bildniss ist in gutem Abdrucke sehr selten. H. 2 Z. 2 L., Br. 4 Z. 10 L. Chev. Claussin sah einen Probedruck, wo die Platte etwas grösser und der Rand rauh war.

  1. (B. u. Cl. 2.) Rembrandt mit getheiltem Schnurr- und Knebel- bart (aux trois moustaches), von vorne gesehen, nur der Kopf allein. Er trägt eine niedere Mütze, die auf das rechte Ohr herabsitzt. Auf der linken Seite sind seine Haare kurz, rechts hängen sie aber herab. H. 1 Z. 11 L., Br. 14 Z. 7 L.

Von diesem vorzüglichen und zarten Blättchen beschreibt Chev. Claussin zweierlei Abdrücke: I. Das linke Ohr ist zu klein, und nicht ausgearbeitet. II. Dasselbe grösser gezeichnet, Mütze und Haare leicht retouchirt. 3) (B. u. Cl. 3.) Rembrandt mit einem Falken. (Portrait & l'oi- seau de proie). Er ist en face zu sehen, mit krausen Haaren, mit der gewöhnlichen Mütze auf dem Kopfe, der Körper nach links gerichtet, der Rock ist mit zwei Reihen Knöpfen versehen, und der offene Ärmel auf ähnliche Weise ausge- fattet. Diess ist das seltenste der Bildnisse Rembrandt's, da er Künstler selbst die Platte vernichtet zu haben scheint.

Es gelang ihm die Operation mit dem Scheidewasser nicht, wesswegen er die Platte mit ganz groben Strichen retouchirte, wodurch das Ganze hart und trocken wurde. H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 7 L.; (B. u. Cl. 4.) Büste eines jungen Mannes, unter dem Namen Rembrandt mit der breiten Nase (au nez large) bekannt, weil die Nase unten besonders breit erscheint. Er ist in blossem Kopfe en face zu sehen, in den Mantel gehüllt. Der Grund ist hell, nur links mit doppelter Taille be- schattet. Diess ist eines der seltensten Bildnisse des Künst- (B. u. Cl. 5.) Rembrandt mit dem runden Gesichte (au visage ronde). Der Kopf dieser Büste ist bloss, fast von vorn dar- gestellt. Sein Gesicht ist rund, woher das Blatt den Namen trägt, und die Nase dick; die Augen sind beschattet, die

n

*) Rembrandt ist durch sein rundes volles Gesicht, durch seine ziemlich grosse, breite Nase, durch seine dicken Lippen, und dann durch seine krausen und manchmal struppigen Haare kenntlich. Folgende Bildnisse erklärt man desswegen mit einigem Grunde für jene Rembrandt's,

Rembrandt van Rijn, Paul.

Haare kraus, und die Schultern nur mit einem einzigen Strich angedeutet. Die Beleuchtung kommt von der rechten Seite. Der Grund ist ganz weiss. H. 12 Z. 7 L., Br. 12 Z. 6 L.

Es gibt viererlei Abdrücke, die Bartsch und Claussin be schreiben, und im Allgemeinen selten sind.

I. Anscheinlich nur Entwurf und wenig bearbeitet. Die Platte ist 2 Z. 4 L. hoch, oben 1 Z. 9 L., unten 1 Z. 10 L., breit.

Dies ist nur ein Probedruck, nicht eigentlich erster Druck.

II. Mehr beendet, das Gesicht, besonders am Kinn, mit rauen Schraffirungen überdeckt, ohne die feinen Stachel- chen im Grunde, die bei I vorhanden sind. Die Platte scheint wenig vom Harte befreit zu seyn, sie hat aber noch dieselbe Grösse.

III. Die Platte ist mit dem Schabeisen vom Harte oder Grate gereinigt, und verkleinert, wie oben angegeben.

IV. Dieser Druck unterscheidet sich von dem dritten dadurch, dass ein kleiner Zickzackstrich auf der linken Schulter weggenommen ist.

(B. u. C. 6.) Rembrandt im schwarzen Kleide und mit Falt- zmütze, jugendliche Büste, gerade vor sich hinsehend, aber der Leib nach rechts gerichtet, woher auch die Beleuchtung kommt. Dieses Blatt ist mit starken Strichen behandelt, aber hart im Tone. Es gehört zu seinen geringeren Arbeiten, und die grosse Seltenheit der Abdrücke beweiset wohl, dass Rembrandt die Platte bei Zeiten vernichtet hat. H. 2 Z. 5 L., Br. 2 7 /2 L. I. Von der unbeschnittenen Platte, 3 Z. hoch, und eben so breit. Diese Abdrücke sind von äusserster Seltenheit. II. Die Abdrücke von der oben genannten verkleinerten Platte. Dieser beiden Abdrücke erwähnt Bartsch, und mit denselben Worten auch Claussin.

(B. u. Cl. 7.) Rembrandt in jungen Jahren, der Kopf fast von vorn, mit krausen Haaren und rundem Hut, der Kör- per nach links gerichtet. Er trägt eine Spitzenkrause um den Hals und einen reichen Mantel mit Pelz, unter welchem die mit einem Handschuh und mit Manschette bekleidete linke Hand hervorsteicht. Links oben: Rt. 10631, rechts: Rembrandt f. Chev. Claussin sagt, er kenne mehrere Blätter, wo die Büste von Rembrandt mit schwarzer Kleidung gezeich- net ist. Man liest am Rande: Rembrandt fecit 1631, rechts oben im Grunde: AET. A°. 24. H. 5 1 /2 L., Br. 4 Z. 4 0 L.

Bartsch beschreibt vier, Ch. de Claussin im Supple- ment sieben verschiedene Abdrücke.

I. Nur leicht schraffirt, mit wenig Schatten; das Scheide- wasser hat nicht durchgedrungen. Man sieht nur den Kopf mit den Haaren und mit dem Hut auf weissem Grunde. Am Hut ist ein ganz weisser Lichtpunkt. Von der grössten Seltenheit, vielleicht einzig. B. I. u. C. I.

II. Fast wie der obige Druck, nur ist der Lichtpunkt an der aufgeschlagenen Hutkrempe durch eine zu zarte Striche gedämpft. C. II.

Diese zweierlei Abdrücke, deren es sicher sehr wenige gibt, sind nur als Probedrücke zu betrachten, durch welche Rembrandt sehen wollte, wie er die Platte zu behandeln habe.

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