Rembold, Matthäus, Kupferstecher , von Malep irrig M. Rem genannt, arbeitete um 1650–1660 in Ulm und in Stuttgart . Es finden sich von seiner Hand Bildnisse der Herzoge von Württemberg und andere Portraits, dann mehrere Arbeiten in Büchern.
Die Natur hatte dem Sohne des Müllers Gerritz van Rijn ein Talent verliehen, dessen Gleichen keine Schule aufzuweisen hat. Ohne wissenschaftliche Kenntniss der Geschichte und des classischen Alterthums, ja selbst dasjenige absichtlich verschmä- hend, was einen Künstler von Bildung auszeichnet, entwickelte sich dieses Genie aus sich selbst zur Vielseitigkeit eines Rubens. Aber wenn schon bei dem letzteren ein derbinsinnliches Wesen ob- waltet, so huldiget Rembrandt absichtlich der gemeinen Natur, nahm sogar eine feindliche Stellung an gegen das Studium idealer gereinigter Formenschönheit und gab das Wissenschaftliche selbst der Lächerlichkeit Preis. Er war dabei sich seiner Absicht stets klar be- wusst, aber mit plebejischem Eigensinne folgte er nur seinem Hange zum Seltsamen und Abentheuerlichen. Er wollte einmal nichts Anderes zur Anschauung bringen, als was er in seiner Verachtung alles Höheren um sich sah. Mit wahrer Ironie wählte er öfter unter der ihn umgebenden gemeinen Volksklasse die Helden seines der Bibel oder der Geschichte entnommenen Dramas, und wenn er
auf das Costum nur Einiges verwenden wollte, so machte er seine
verlegenen Kleidungsstücke eines Türken und polnischen Juden, seine verrosteten Panzer und das andere seltsame Geräthe seines Ateliers zu recht. Diese Trödlerwaaren nannte er die Antiken, nach wel- chen er arbeitete. Man muss aber nicht glauben, dass diess sein ganzer Vorrath war, wir wissen aus einem von Smith und Nieu- wenhuys (Review of the lives and works of the most eminent pain- ters p. 10 — 20) bekannt gemachten Aktenstücke, dass sich in seiner Sammlung wirklich mehrere antike Bildwerke (vermuth- lich in Abgüssen), dann Zeichnungen von vaterländischen Mei- stern und Gemälde von Italienern, sogar eine Madona von Rafael und Kupferstiche nach diesem Meister befanden. Ueber- diess bewahrte sein Antiquarium ein Buch von türkischen Costü- men, Kleider eines Indianers und einer Indianerin, einen indi- schen Helm, eine indische Büchse, ein türkisches Pulverhorn, ei- nen Harnisch, ein Paar Becher, und wenn wir auch noch die Exuvien eines polnischen Juden dazurechnen, so haben wir den ganzen Vorrath, dessen sich Rembrandt zur Ausstattung bediente. Zum lebenden Modelle nahm er seine Frau und seine Magd, oder andere Personen gemeinen Schlages, deren Costum er sogar oft beibehielt, wenn er nicht Zeit genug fand, in seiner Rüstkammer zu suchen.
Sowie es aber dem Rembrandt nicht um Darstellung edler Charaktere und jener erhabenen Ruhe zu thun war, welche das Anschauen vollendeter Schönheit gewährt, so kümmerte er sich auch nicht um strenge Correktheit der Zeichnung. Er gibt keine scharf bezeichneten Formen, sondern nur die Andeutung derselben durch einen starken, gewaltsamen Pinsel, mit welchen er nicht für die Nähe, sondern nur für die Ferne arbeitete. Rembrandt sagte auch einmal, ein Gemälde sei nicht gemacht, um daran zu riechen; denn die Farbe sei ungesund. Nur die Köpfe sind gut gezeichnet, die Richtigkeit der übrigen Glieder und die Schön- heit ihrer Verhältnisse waren ihm Nebensache. Wunderbar sind aber seine Bilder im Helldunkel und in der Farbe. Waagen, Kunst- werke III., 582 nennt ihn in Rücksicht des Helldunkels den hollän- dischen Correggio, nur mit dem Unterschiede, dass, wie bei diesem das Licht und eine allgemeine Heiligkeit, so bei Rembrandt der Schatten und eine allgemeine Dunkelheit, woraus nur einzelne stark beleuchtete Gegenstände hervorspringen, vorwaltet. Zu die- ser Art von Beleuchtung haben nach Waagen's Ueberzeugung ähn- liche Bilder des G. Honthorst die erste Veranlassung gegeben, wenn
gleiche sowohl mit dem Hänge von Rembrandt's Phantasie zum Seltsamen genau zusammenhängt. Seine Bilder ziehen aber nicht blos durch den größten Zauber des Helldunkels an, sondern auch durch eine wahre und tiefe Empfindung, und einen feinen Sinn für Anordnung. Rembrandt hat, in seiner Art das Ausserordent- liche geleistet, in einer von Rubens ganz verschiedenen Richtung. Hatten die Malereien des letzteren, sagt Kugler, Gesch. der Ma- lerei 10, 177, bei allem derbsinnlichen Wesen, immerhin einen ge- wissen vornehmen Charakter, als für die prunkvolle Ausschmückung des neubegründeten Katholischen Gottesdienstes oder, fürstlicher Paläste bestimmt, so erscheint Rembrandt als ein trotziger, düste- rer Republikaner; stellt Rubens bewegte Handlungen in durchgeführ- ter dramatischer Entwicklung dar, so tritt bei Rembrandt zu- meist die Stille einer im Verborgenen gährenden Leidenschaft ent- gegen; ist Rubens bemüht, das Leben objektiv, in vollkommener Entfaltung verschiedenartiger Charaktere, vorzuführen, so ist bei Rembrandt stets das subjective Element, die Darstellung seiner eigenen Gemüthstimmung, die Hauptsache. In den früheren Lei- stungen Rembrandt's treten nach Kugler diese besonderen Eigen- thümlichkeiten weniger hervor; er steht hier im nächsten Verhält- niss zu den vor ihm lebenden Portraitmalern seines Landes, und hat in ihrer Art einzelnes höchst Ausgezeichnetes hinterlassen. Als Hauptbild dieser Zeit (1632) bezeichnet Kugler die Anatomie im Museum im Haag, den berühmten Anatomen Nic. Tulp mit seinen Zuhörern vorstellend. Dieses Gemälde ist in vollkommenster und gründlichster Ausführung, Modellirung und Portraitwahrheit ge- malt, und noch ohne die kecken Effekte seiner späterer Bilder. Auch in anderen Gallerien kommen einzelne Portraits dieser schlichteren Auffassungsweise vor, und selbst noch später zeigt Rembrandt in den Portraitarbeiten, neben manchen Beispielen verwegener, heftiger Auffassung, nicht selten ein glückliches Be- streben, die Eigenthümlichkeiten seiner Vorbilder mit Ernst, Treue und Sorgfalt wiederzugeben. Das berühmteste Gemälde dieser Art aus Rembrandt's späterer Zeit (1642) ist seine sogenannte Nachtwache im Museum zu Amsterdam, ein Bild von colossaler Dimension, ein lustiges Gedränge, alles durch einander gehend, die Gewehre ladend, trommelnd u. s. w., in der Mitte der Führer des Zuges, ein großer stattlicher Herr, schwarz vom Kopfe bis zum Fusse geklei- det. Dieser soll der Hauptmann Franz Banning Kock, Herr von Purmerland und Ilpendam seyn, der mit seiner Compagnie zum Scheibenschiessen auszieht. In diesem Bilde tritt bereits, trotz der entschiedenen Absicht individueller Auffassung, jenes phanta- stische Element fremdartiger Beleuchtung und spielenden Helldun- kels überwiegend hervor. Licht und Schatten stehen schroff ge- geneinander und geben durch ihren pikanten Contrast den ge- schlossenen Effekt einer nächtlichen Beleuchtung, obgleich keine Fackel zu sehen ist. Daher hat das Bild den Namen der Nacht- wache.
Die eigenthümliche Richtung Rembrandts zeigt sich am vor- züglichsten, wo der darzustellende Gegenstand im Einklange mit seiner düster gewaltigen Stimmung stand. Dahin gehören nach Kugler vornehmlich zwei Gemälde des Berliner Museums, von denen das eine geradezu als sein Meisterstück zu betrachten seyn dürfte. Dieses stellt den tyrannischen Prinzen Alphon von Gel- dern dar, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts lebte. Er hatte sei- nen Vater, den alten Herzog Arnold, bei nächtlicher Weile über- fallen und in einen festen Thurm des Schlosses Baeren gefangen gesetzt, um ihn so zur Ab dankung zu zwingen. Wir sehen auf
/ Jäger, dem sie erscheint. Die Doggen des Jägers heulen angst- voll, während die kleinen Hunde der Göttin stolz dastehen. Diana und der Jäger haben etwas bäuerhaft Tümpisches, und doch kann man sich dem abenteuerlichen Märchenreize des Ganzen nicht verschliessen. Der seltsame Ganymedes-Raub in der Dresdner Galerie ist ebenfalls unter den Bildern dieser Art anzuführen.
Endlich sind von Rembrandt auch einige landschaftliche Ge- mälde vorhanden. Die Münchner Pinakothek besitzt ein kleines Bild der Art, eine Herbstlandschaft mit Hütten unter Bäumen, durch welche das Licht der Abendsonne in warmer Glut hervor- bricht. Rembrandt übte auf die Entwicklung der holländischen Land- schaft eine bedeutende Einwirkung aus. Es ist dieselbe Auffassung der gemeinen Natur denn heimathlich, aber ebenso wie in seinen histo- rischen Bildern zugleich jenes Spielen des Lichtes und träumeri- sches Helldunkel, was seinen Landschaften ihren eigenthümlichen Reiz gibt. Auf ähnliche Weise urtheilten die Werke Rembrandt's, es gibt aber auch noch zahlreiche andere Stellen, in welchen von diesem Künstler mehr oder weniger ausführlich gehandelt wird. Doch alle diese, oft ganz entgegengesetzten Urtheile aufzuzählen, würde uns zu weit führen. Häufig ist auch das schon früher Ge- gangte nur mit anderen Worten wiedergegeben. Fassen wir aber die Erscheinungen im Leben des Künstlers zusammen, so sind die Urtheile competenten Richter so ziemlich in der obigen Charakteristik Enthalten. Interessant wird es vielleicht sein, ein Verzeichniss der Gemälde Rembrandt's folgen zu lassen, möglicher Weise mit Angabe als Stiches oder der Lithographie. Die Aufzählung könnte entweder chronologisch oder nach Gegenständen geschehen, was uns bei Rubens und Rembrandt um so leichter fällt, da schon einige Verzeichnisse dieser Art vorliegen; darunter vornehmlich zwei in englischer Sprache: A Review of the lives of some of the most eminent painters; by C. J. Nieuwenhuys. London 1854; A Cata- logue raisonné of the Works of Dutch and Flemish painters etc, by J. Smith, part VII London 1836. Auf diese beiden Werke fußte G. Rathgeber in den Annalen der niederländischen Malerei und Kupferstecherkunst, Götha 1850. Rathgeber zählt die Werke Rembrandt's chronologisch auf, und gibt darnach eine Uebersicht nach Gegenständen. Ein nach Orten angefertites graphisches Ver- zeichniss wich er als unwissenschaftlich zurück; allein um jeder Anforderung zu genügen, dürfte man auch noch eine geographische Uebersicht geben müssen. Wir geben hier ebenfalls ein Verzeich- niss nach dem Inhalte der Gemälde, weil wir damit am schick- lichsten die Anzeige der nach Rembrandt gestochenen Blätter ver- binden können. Ein möglichst vollständiges Verzeichniss der Bil- der Rembrandt's gibt Rathgeber; wir nehmen aber auf die im Kunst- handel befindlichen weniger Rücksicht, als auf die Werke in stän- digen Gallerien. Auch ist sicher nicht alles echt, was man ihm zuschreibt. Bildnisse bekannter Personen.
Agniello, Thomas....Von Smith erwähnt.
Ansloo, Renier, Bürgermeister, und seine Mutter, 1641. Sammlung des Lord Ashburnhaws.
Berghem, Nic. und seine Frau, letztere von 1614. Das männliche Bildniss ist etwas schwer und grau in den Schatten, das der Frau im hellsten Lichte gemalt. Die Hände gehören zu den vollendetsten, welche Rembrandt gemalt hat. Waagen II, 118. Gall. des Lord Grosvenor.
418 Rembrandt van Rijn, vgl. Paul.
Bosch, E. F. H. L. van Hieleons 20. Amsterdam, vgl. Bourbon, Connetable vom 164–5. Von Smith erwähnt. Butler, N. Smith's Catalog:
Coppenal, Lieven van, berühmter Schrreibermester „von Rembrandt auch selbst geätzt, jetzt in der Sammlung des Lord Ashburton. Dieses Bild gehört nach Waagen K. I in der Lebendigkeit, im Impasto, in der tiefbrauen Glanz. des Tons zu seinen besten Werken. Ein anderes Bildniß Coppenols sah man erst zu Cassel, dann im Louvre (gest. bei Filhol VI. 413), zu Malmaison, und jetzt ist es in der k. Eremitage zu St. Petersburg. Das englische Bild stammt aus: der Sammlung des Lucian Buonaparte.
De Peyer, Willem, von Alkmaar, 1643. In van Loon's Sammlung. Dekker, Jeremiah. Smith's Cat. Desmond, Herzogin v. unten Rembrandt's Mütter. Dorp, Philips van, Samml. des H. van Loon zu Amster- dam. Gest. von A. van Hallen (Aquila).
Flinck, Govaert, Maler, halbe Figur. Plakate zu München.
Dessen Gattin, halbe lebensgroße Figur. In derselben Sammlung Grotius, Hugo, und dessen Gattin, Salzdahlum. Hoog, van der, Dichter und Geschichtschreiber, im Rechte
auf die Büste Homer's gelegt, Kniestück von 1635. Sammlung des Sir A. Hume. in London.
Hoogsaet, Catharina, 1657. In der neuesten Zeit ungeteilt
Horn, Graf Philipp, noch nicht ständig.
Jansenius, Cornelius, 1661. Lord Ashburnton's Sammlung
Justus Lipsius, und seine Frau. Sammlung des Cardinals Fesch zu Rom. Menasseh Ben Israel 1636. Von Smith erwähnt, und von J. G. Hertel gestochen.
Monseigneur, Graf, von, Brustbild aus Hausmanns Samm- lung.
Monseigneur, Frau. In der M. Nijenhuis Samm- lung zu Amsterdam.
Moses Henriques. Smith's Cat. Pancras, Bürgermeister, und seine Frau, beide in festlicher
Kleidung, von bewundernswerter Lebendigkeit. Privat- Sammlung. Georg IV.
Rembrandt mit einer goldenen Kette um den Hals, 1633 gemalt, noch im demselben Fleischton seiner früheren Zeit, aber flüchtig. Gall. des Louvre.
Rembrandt in jungen Jahren. Groenendael.
Rembrandt in einem Alter von 50 Jahren. Bridgewater- Gallery.
Rembrandt. Gall. in Cornhagen.
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