Reindel, Albert, Zeichner und Kupferstecher , geb. zu Nürnberg 1784, war schon von früher Jugend an von seinem Vater zur Handlung bestimmt, und der Knabe fügte sich auch, obgleich ihn ein innerer Trieb stets zum Zeichnen und Malen zog. Reindel fiel es im Handelshause auch nicht lange aus, denn er hatte nicht die geringste Neigung für diesen Beruf, und erklärte daher sei- nem Vater, er würde aufgezwungen nur ein Künstler werden. Der Vater gab nach, und nachdem der Jüngling in der Zeichnungs- schule des Directors Zwinger einige Monate Unterricht genossen hatte, nahm ihn 1798 Heinrich Guttenberg unter die Zahl seiner Schüler auf. Er zeichnete bei diesem Meister noch vier Jahre mit unermüdetem Fleiße, und als Guttenberg 1803 nach Paris zu- rückkehrte, folgte ihm Reindel einige Monate später nach, um noch länger unter die Leitung dieses von ihm sehr geliebten Mei- sters sich zu begeben. Der tägliche Anblick und der Genuss der damals in Paris vereinigten Kunstwerke ersten Ranges aus allen Zeitaltern und Schulen, der Umgang mit F. Müller aus Stuttgart , die Bekannt- schaft mit Desnuoyers und mehreren anderen geschickten Künstlern, welche er dort kennen lernte, hatten den günstigsten Einfluss auf seine Kunstbildung, und trieben ihn zur rastlosen Thätigkeit an. Wie die genannten Meister, so widmete sich jetzt auch Reindel ausschließlich der Kupferstecherei, besuchte aber nebenbei auch die Akademie , um da im Zeichnen nach der Antike und dem Le- ben sich zu vervollkommnen, so wie er auch mit allem Eifer unter Salvage die Anatomie studirte, und dadurch im Zeichnen nur noch mehr Sicherheit erlangte. Seine erste im Jahre 1804 nach eigener Zeichnung beendigte Platte war das Portrait Kießling's, des Abgeordneten der Stadt Nürnberg am kaiserlich-französischen Hofe, und darnach stach er ei- nige Platten zu Visconti's Iconographie, und zum Musee Français von Laurent und Robillard. Nach einem mehr als fünfjährigen Aufenthalte in Paris kehrte er wieder in seine Vaterstadt zurück, und empfänglich für alles Schöne wie er war, zog ihn nun hier auch die ältere deutsche Kunst vor allem an. Eine seiner ersten Beschäftigungen war, die herrlichen 12 Apostel an P. Visschers Grabmal des hi. Sebaldus, nebst einer Ansicht des ganzen Monumentes zu zeichnen, um sie bei Gelegenheit durch den Stich bekannter zu machen. In derselben Periode machte er auch Zeichnungen nach A. Dürer's herrlichen Bildern der vier Apo- stel, deren Urbilder jetzt in München, Copien in Nürnberg sich befinden. Von der Malerei der altdeutschen Kunst wendete sich jetzt Reindel auch zu den Werken der alten deutschen Bau- kunst. Er führte eine grosse Zeichnung der St. Lorenzkirche in Nürnberg aus, die gegenwärtig im Besitze des Herrn von Quandt zu Dresden sich befindet. Dann stellte er den sogenannten schö- nen Brunnen auf dem Marktplatze zu Nürnberg in einer grossen colorirten Zeichnung her, was ihm mittelst alter Abbildungen und eigener Untersuchung vollkommen gelang. Diese Zeichnung gab Veranlassung, dass ihm von dem Könige Maximilian die spezielle Leitung der gänzlichen Restauration dieses ehrwürdigen, damals den Einsturz drohenden alten Kunstwerkes anvertraut wurde. Drei Jahre (1821—24) war er durch diese Restauration in Anspruch genommen, unter Beihilfe des Architekten Heideloff und eines Stein- hauermeisters. Ohne den Wasserkasten sind im Ganzen 215 neue Stücke hinzugefügt wurden, da nur noch wenige alte vollkommen wären, die mehr oder weniger reparirt wurden. Auch die Blumen der Galerie sind neu, und man kann überhaupt annehmen, dass
Im Jahre 1831 bot sich dem Künstler neue Gelegenheit dar, seine Kenntnisse in der Architektur zu zeigen, indem er beauf- tragt wurde, die Kirche des heil. Michael zu Fürth zu restauriren, und selbe mit Altar und Kanzel zu zieren, wodurch dieses Gebäude ein heiteres und freundliches Aussehen erhielt. Auch die Synagoge dieselbst wurde nach seiner Zeichnung, und unter seiner Leitung, ganz umgeschaffen und neu eingerichtet. Unter seiner Leitung entstand ferner auch das Denkmal des Burggrafen von Nürnberg, Friedrich's III., welches der k. k. Geheimerath Frh. v. Carne- Steffaneo in der Kirche zu Kloster Heilbronn errichtete. Es besteht in einer Tafel von Marmor mit einer lateinischen Inschrift, worüber eine metallene Verzierung sich befindet, der Ritterhelm in der Mitte, und dessen Flügel mit dem bürgerlich-nürnbergischen Wap- pen geziert. Erfindung und Anordnung des Ganzen geht allein ganz dem Freiherrn an, Reindel leitete nur die Ausführung am Guss und die Aufstellung. Auch der der königlichen Freundschaft geheiligte Al- tar in derselben Capelle, wo das Monument ist, wurde nach Rein- del's Zeichnung in München gemacht.
Neben diesen architektonischen Arbeiten fand Reindel auch noch immer Zeit zu chalkographischen Beschäftigungen, die aber durch die Leitung der Kunstschule in Nürnberg wieder theilweise Unterbre- chungen erlitten. Er bekleidete von 1811 — 1840 die Stelle eines Direk- tors der dortigen Maler-Akademie, und als diese nach seinem vor- gelegten Plan von der k. bayerischen Regierung umgestaltet wurde, und eine zweckmässigere Einrichtung erhielt, wurde er Direktor der bestehenden neuen Kunstschule. Die Akademie der bild- enden Künste in München ernannte ihn zum Ehrenmitgliede, der König von Bayern schmückte ihn mit der Medaille des Civilver- dienstordens.
Seinen Ruf verkünden auch zahlreiche Schüler, von welchen die ältern, wie Weber, Walther, Wagner, Buser, Enzing-Müller, Zwinger, J. G. Wolf, Perlberg u. a. selbst schon zahlreiche Blät- ter geliefert haben. Die durch ihn bewirkte verbesserte Einrich- tung der Kunstschule und ihres Unterrichtes hat erfreuliche Früchte getragen. Er übersetzte zum Behufe des Unterrichtes in der Perspek- tive Thibaut's Perspective lineaire, die 1834 zu Nürnberg bei Schrag in roy. 4. erschien, unter dem Titel: J. T. Thibaut's Anwendung der Linien-Perspektive auf die zeichnenden Künste, Herausg. von Chapuis. Uebersetzt von A. Reindel, roy. 4. Schliesslich fügen wir ein Verzeichniss seiner Kupferstiche bei, welches ziemlich voll- ständig sein wird. Diese Blätter gehören zu den vorzüglichsten Werken der deutschen Chalkographie, so wie sie auch dem Inhalte nach hohes Interesse gewähren. Mehrere sind mit einem Mono- gramme bezeichnet. Die Nachrichten über die frühere Bildungs- geschichte dieses Künstlers, so wie über einige seiner Werke ver- danken wir zunächst der gütigen Mittheilung des Herrn Pfarrers Dr. Lösch in Nürnberg.
- Ludwig I. König von Bayern, stehend in ganzer Figur im Krönungsornate, nach Stieler 1834 gestochen, und der Kaise-
I. Im Abdrucke vor der Schrift, auf chinesisches und weisses Papier. Preis 33 fl. II. Das erste Hundert: a) mit offener Schrift, b) mit offener Schrift, aber beschattet, III. Mit vollendeter Schrift,
J. C. Kiessling, Kaufmann in Nürnberg, eines der früheren Blätter des Meisters, wie oben bemerkt. Brustbild nach eigener Zeichnung, B
Heinrich Guttenberg, nach einer Zeichnung desselben, und zu dessen Biographie,
Christus segnet die Kinder, nach H. Hess, für des Grafen Raczynski Gesch. der neueren deutschen Kunst gestochen,
r. qu. fol.
Die beiden polnischen Fürsten und Glaubenshelden Boles- lau und Miecislau, Bildwerke des berühmten Rauch in Berlin, deren wir im Artikel desselben erwähnt haben, eben- falls für Raczynski's Werk gestochen.
Le Silence, nach Annib. Carracci's Bild des Pariser Museums, qu. fol. Mus. francais.
Im ersten Drucke vor der Schrift sehr selten.
Die Madonna mit dem Kinde, nach L. da Vinci's Bild in der gräflich Schönborn'schen Gallerie zu Pommersfelden, eines der neuesten Werke des Künstlers, fol.;
Die Predigt des Apostel Paulus zu Ephesus, nach le Sueur's berühmtem Bilde im königl. Museum des Louvre, 30 Z. hoch und 25 Z. breit, 1812 noch in Arbeit, wie das übrige Blatt.
Eine Madonna nach einem edlen und schön gearbeiteten Holzbilde auf der Burg in Nürnberg,
Christus schwört dem Vater, sein Leiden zu vollenden, nach Füger, gr. fol.
Christus von Judas verrathen, nach demselben, gr. fol. Diese beiden Blätter gehören zu einer Folge von Dar- stellungen aus Klopstock's Messiade, deren wir im Artikel von J. F. Leybold näher erwähnt haben.
L'Assemblöe de buveurs, nach Manfredi, qu. fol. Mus. francais. 13 — 14) Die vier Apostel nach Dürer's berühmten Gemälden zu Nürnberg, zwei Platten, je zwei Figuren auf einem Blatte: Johannes und Petrus, Marcus und Paulus. Mit Ein- fassungen 1837, roy. fol. Preis 4 Thlr. I. Abdrücke mit offener Schrift. II. Solche mit ausgefüllter Schrift. Auf den dreihundert ersten Abdrücken liest man in der Unterschrift: 1 Epistel S. Johannes. Cap. XII., statt Cap. V. Hauptblätter.
Der Kopf eines Apostel von Dürer, einer der obigen, sechz seltene Studie,
16 — 27) Die 12 Apostel, nach den Statuen des von P. Vischer gefertigten Grabimales des hl. Sebald in Nürnberg, ursprüng- lich für einige Jahrgänge des Frauentaschenbuches gestochen, worin also die früheren Abdrücke zu suchen sind. Zu den ersten Abdrücken gehören aber jene auf grosses Papier, gr. 8. Diese Apostel erschienen auch in einzelnen Folgen, mit Titel und Text.
b) Vierzehn der vorzüglichsten Figuren des von P. Visscher in Erz gegossenen Grabmals des hl. Sebaldus zu Nürn- berg. Gezeichnet und gestochen von: A. Reindel. Nebst
einer perspektivischen Ansicht des Monuments von F.
G. Geissler. Nürnberg. Erste Abdrücke in gr. 8. In dieser
Folge sind auch die Bilder des hl. Sebald und des P. Visscher.
c) Die wichtigsten Bildwerke am Sebaldusgrabe zu Nürnberg
und von P. Visscher. 18 Blätter. Neue Ausgabe mit erläuternd.
Zugabe in deutscher, englischer und französischer Sprache.
Nürnberg (1838), gr. 4.°. In dieser Ausgabe sind die Bil-
der des hl. Sebald und des P. Visscher, dann vier Bas-
reliefs des Sarkophages.
Die Statue des hl. Sebaldus, nach P. Visscher's Bild am Grabe des Heiligen, ein Blatt, welches auch in den obigen Folgen b) und c) vorkommt und von gleicher Größe mit den Aposteln ist.
Die Bildsäule des Peter Visscher am Grabe St. Sebald's, auch in den obigen Folgen b) und c) enthalten, fast so gross wie die anderen Blätter.
— 35) Vier Basreliefs am Sarge des hl. Sebald, auch in der neuen Ausgabe der Bildwerke des Sebaldusgrabes sub c) enthalten, gr. 4.°
Das Grabmal des hl. Sebald, in einer Hauptansicht, 1821 meisterhaft gestochen, gr. fol.
Die ersten Abdrücke haben die Adresse des Künstlers, die anderen jene von Frauenholz. Sehr selten, sind die Ab- drücke.
35 — 38) Einige Statuen vom schönen Brunnen in Nürnberg, ursprünglich für das Frauentaschenbuch 1826 und 1827 be- stimmt: Carl der Grosse, Chlodwig, Kaiser Karl IV., Ger- lach von Nassau, Fürst zu Mainz, 8.°;
Die Statue Albrecht Dürer's, das von Rauch gefertigte Mo- nument des Meisters, 1838 gestochen, mit Privilegium zu Gunsten des Professors Rauch, kl. Fol.°
Ein antikes Basrelief, eine griechische Braut, deren Füsse die Dienerin selbst küsst, qu. fol. Ursprünglich für das Mus. Napoleon gestochen, erschien aber später nicht darin.
Messaline, ihren kleinen Sohn Britannicus auf dem Arme tragend, antike Statue, fol. Mus. Nap.
Ariadne oder Cleopatra, antike Statue des Capitol, qu. fol.
Mus. fran.
Ceres und Isis, antike Statuen, qu. fol. Mus. fran.
Drei Büsten des Euripides, auf einem Blatte, fol.
Drei Büsten des Sophokles, auf einem Blatte, fol.
Die Büste des Parthamaspates, Königs von Armenien, der Kopf des Oussali, Königs von Iberien, nach einer Gemme, auf einem Blatte, auf welchen auch noch zwei Reihen von Choffard gestochener Münzen zu sehen sind, gr. fol.
Diese drei Blätter stach er für Visconti's Iconographie,
Die Büste des Miltiades, geätzt und von H. Gutenberg vollendet, für die obige Iconographie, gr. fol.
Les bergers d'Arcadie, arkadische Hirten bei einem Grab- male, nach N. Poussin, angefangen von Matthieu, die Figuren von Reindel, die Landschaft von Haldenwang, qu. fol. Mus. français.
Eine sitzende nackte Figur, den Winter vorstellend, nach Poilly, Jugendarbeit des Künstlers, 4.
Scene aus dem rasenden Roland, nach Bartolozzi, als Vor- übung, 8. ;
Eine radirte Landschaft, nach F. Kobell, Versuch, kl. qu., fol.
Allegorie auf die Erziehung, Schule und Wohlthätigkeit, nach R. Langer's Zeichnung aus Auftrag des königl. bayer. Ministeriums des Innern gestochen, 4. Sehr selten. In der Sammlung des Grafen von Fries war ein Abdruck.
Allegorie auf die Erziehung, Schule und Wohlthätigkeit, nach R. Langer's Zeichnung aus Auftrag des königl. bayer. Ministeriums des Innern gestochen, 4. Sehr selten. In der Sammlung des Grafen von Fries war ein Abdruck.
Titelkupfer zu einer Ausgabe des Horaz, nach Lafitte, gr. 8.
Titelkupfer zur Natalie Percy, bei Schrag in Nürnberg.
Ein solches zur Cosmetik für Damen, beide nach Zwinger's Zeichnungen und bei Schrag verlegt.
Die diamantene Kutsche, nach Kulbe, zur Erzählung im Frauentaschenbuch 1815, nebst der Titeleinfassung.
Die Hausfrau vor ihrem Schrank, nach Kolbe, Titelkupfer z. Frauentaschenbuch 1816, nebst Titeleinfassung nach aller.
Die Hausfrau unter ihren Kindern, nach Näcke, Titelblatt zum Frauentaschenbuch 1817, nebst Titeleinfassung nach C. Heideloff.
Titelkupfer zum Frauentaschenbuch von 1823, aus Calderon's Andacht zum Kreuz, nach Götzenberger.
Die Braut vom Bräutigam abgeholt, Titelkupfer zum Frauen- taschenbuch vom 1827.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_mYbrAAAAMAAJ